Bei Apple ballen sich in diesen Wochen gleich mehrere große Themen: Auf der Entwicklerkonferenz WWDC26 hat der Konzern eine komplett neu gebaute Siri vorgestellt, die unter dem Namen Siri AI läuft. Gleichzeitig meldet Apple das nach eigenen Angaben stärkste Juni-Quartal der Firmengeschichte, führt in den USA ein neues Leasing-Modell für Hardware ein und liefert Sicherheitsupdates für iOS, iPadOS und Safari nach. Für dich als Nutzer:in in Deutschland ist dabei vor allem eine Nachricht unbequem: Ausgerechnet die neue Siri kommt auf iPhone und iPad vorerst nicht in die EU.

Wir ordnen die wichtigsten Entwicklungen ein – von den technischen Neuerungen über die finanzielle Lage bis zum handfesten Regulierungskonflikt mit der Europäischen Kommission. Der Fokus liegt darauf, was davon konkret bei dir ankommt und worauf du achten solltest.

Siri AI: die neue Generation von Apple Intelligence

Auf der WWDC26 hat Apple die nächste Generation von Apple Intelligence angekündigt und darauf aufbauend Siri AI vorgestellt – laut Apple eine von Grund auf neu gebaute Version des Assistenten. Der Anspruch: deutlich gesprächiger, wissender und in der Lage, Aufgaben quer über Apps hinweg zu erledigen.

Drei Fähigkeiten stehen im Zentrum. Erstens das persönliche Kontextverständnis: Siri soll Informationen aus Nachrichten, E-Mails, Fotos und mehr zusammenführen können – etwa eine Restaurant-Empfehlung, die dir jemand geschickt hat, oder eine Hotel-Bestätigungsnummer aus einer alten Mail. Zweitens die Bildschirmwahrnehmung (onscreen awareness): Siri kann Fragen zum aktuell angezeigten Inhalt beantworten. Und drittens breites Weltwissen, mit dem Siri aktuelle Informationen aus dem Web abruft und daraus eine Antwort formuliert. Nutzer:innen können Antworten in ein echtes Gespräch mit Rückfragen verlängern.

Neu ist außerdem eine eigene Siri-App, die vergangene Unterhaltungen sammelt und per iCloud privat zwischen iPhone, iPad, Mac, Apple Watch und Apple Vision Pro synchronisiert. Auf dem iPhone lässt sich Siri unter anderem per Seitentaste oder durch Herunterwischen von der Dynamic Island starten. Auf iPad und Mac ist Siri AI in Spotlight und in die systemweiten Kontextmenüs integriert – per Control-Klick kannst du zu Bildern, Dateien oder Text auf dem Bildschirm nachfragen.

Technisch setzt Siri AI laut Apple auf eine neue Architektur mit den Apple Foundation Models, die teils auf dem Gerät und teils über Private Cloud Compute laufen. Bei der Cloud-Verarbeitung sollen persönliche Daten nicht gespeichert oder für Apple zugänglich sein; externe Fachleute sollen dieses Versprechen weiter überprüfen können. Auf besonders leistungsfähigen Geräten bringt Siri AI zudem ausdrucksstärkere Stimmen und eine deutlich präzisere systemweite Diktierfunktion mit automatischer Interpunktion und Formatierung.

Siri mode in der Kamera und Visual Intelligence

Auf dem iPhone wandern Siris multimodale Fähigkeiten direkt in die Kamera-App: Ein neuer Siri mode erlaubt es, per Auslöser Fragen zum Motiv zu stellen und Aktionen auszulösen – etwa eine Rechnung mit Apple Cash unter Freund:innen aufzuteilen oder Nährwertangaben zu einem Gericht zu bekommen. Diese Visual Intelligence kommt erstmals auch auf iPad und Mac.

Warum Siri AI in der EU vorerst nicht startet

Für Nutzer:innen in Deutschland ist die zentrale Nachricht ernüchternd: Mit dem Start von iOS 27 und iPadOS 27 wird Siri AI in der Europäischen Union nicht verfügbar sein. Apple begründet das mit dem Digital Markets Act (DMA) und einem Konflikt mit der Europäischen Kommission.

Nach Apples Darstellung verlangen die EU-Regulierer eine Auslegung des DMA, nach der jeder virtuelle Assistent – nicht nur Siri – nahezu unbegrenzten Zugriff auf das Gerät erhalten müsste, sobald Siri AI in der EU startet: also die Fähigkeit, Nachrichten zu lesen und zu senden, Käufe zu tätigen, auf Dateien zuzugreifen und Aktionen quer über Apps auszuführen – teils autonom, ohne fortlaufende Kontrolle der Nutzer:innen. Apple verweist auf Sicherheitsforschung, wonach KI-Systeme gekapert werden können, um Passwörter und Fotos zu stehlen oder Dateien und Einstellungen zu verändern.

Als Lösung schlug Apple einen sogenannten Trusted System Agent vor – eine Zwischenschicht, über die auch fremde Assistenten sicher dieselben Funktionen nutzen könnten – kombiniert mit einem gestaffelten Rollout über 18 Monate. Die Europäische Kommission habe keinem der Vorschläge zugestimmt. Craig Federighi, Apples Software-Chef, zeigte sich „zutiefst enttäuscht“; ein Zeitplan für Siri AI auf iPhone und iPad in der EU existiere derzeit nicht.

Wichtig für die Praxis: Betroffen sind alle 27 EU-Mitgliedsstaaten, darunter Deutschland, Österreich und weitere. Auf watchOS 27 fehlt Siri AI ebenfalls, weil es ein gekoppeltes iPhone mit Siri AI voraussetzt. Zugriff auf Siri AI haben EU-Nutzer:innen jedoch auf macOS 27 und visionOS 27. Auch EU-Entwickler:innen können die neuen Siri-AI-Funktionen für ihre Apps auf iOS, iPadOS und watchOS zunächst nicht testen oder nutzen.

Rekordquartal: Apples Zahlen im dritten Fiskalquartal

Wirtschaftlich läuft es für Apple weiter kräftig. Für das dritte Fiskalquartal 2026 (bis 27. Juni 2026) meldet der Konzern einen Umsatz von 109,4 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der verwässerte Gewinn je Aktie kletterte um 29 Prozent auf 2,02 US-Dollar. Die Bruttomarge lag bei 50,1 Prozent.

Bemerkenswert sind zwei Details: Erstens profitierten Marge und Gewinn laut Apple von Zoll-Rückerstattungen (etwa zwei Prozentpunkte bei der Bruttomarge, 0,11 US-Dollar beim Gewinn je Aktie) – ein Hinweis darauf, wie stark Handelspolitik inzwischen in die Bilanz hineinwirkt. Zweitens meldet Apple neue Juni-Quartalsrekorde bei iPhone, Mac und Services sowie einen neuen Höchststand bei der installierten Basis aktiver Geräte. CEO Tim Cook hob dabei ausdrücklich Siri AI und die neuen Kinderschutzfunktionen der WWDC26 hervor. Der Verwaltungsrat erklärte eine Dividende von 0,27 US-Dollar je Aktie, zahlbar am 13. August 2026.

Apple Upgrade: neues Leasing – aber nur in den USA

Neben Software und Zahlen hat Apple auch am Verkaufsmodell geschraubt. In den USA startet mit Apple Upgrade ein neues Leasing-Programm, das vom Zahlungsdienstleister Klarna bereitgestellt wird. Es umfasst iPhone, Apple Watch, Mac und iPad.

Die Konditionen: 12- und 24-Monats-Laufzeiten für iPhone und Apple Watch, 24- und 36-Monats-Laufzeiten für Mac und iPad. Die Einstiegspreise liegen laut Apple bei 17,99 US-Dollar pro Monat für ein iPhone, 11,99 US-Dollar für die Apple Watch, 24,99 US-Dollar für einen Mac und 11,99 US-Dollar für ein iPad. Wer ein Altgerät über Apple Trade In eintauscht, senkt die Rate; mit der Apple Card gibt es 3 Prozent Daily Cash zurück. Am Laufzeitende kann man auf ein neueres Modell wechseln, das Gerät per Einmalzahlung kaufen oder zurückgeben.

Zwei Punkte sind wichtig einzuordnen: Erstens ist das Programm bislang ausschließlich in den USA verfügbar – für Deutschland gibt es dazu keine Ankündigung. Zweitens ersetzt Apple Upgrade in den USA das bisherige iPhone Upgrade Program und iPhone Payments. Wer dort bislang im alten Programm war, kann künftig leasen, über Apple Card Monthly Installments finanzieren, das Gerät direkt kaufen oder eine Mobilfunk-Finanzierung wählen.

Kindersicherung und Screen Time werden umgebaut

Ein Schwerpunkt der WWDC26 lag auf dem Kinderschutz. Mit den Herbst-Updates bekommen Eltern eine Reihe neuer Werkzeuge, die auf Empfehlungen von Fachleuten für Online-Sicherheit und Kindesentwicklung basieren.

Der erste Schritt bleibt das Kinderkonto, das systemweite, altersgerechte Schutzmechanismen aktiviert. Für Kinder unter 13 ist es Pflicht, bis 18 verfügbar. Neu sind unter anderem Ask to Browse (Kinder brauchen die Erlaubnis der Eltern, um in Safari eine neue Website zu öffnen – geräteübergreifend auf iPhone, iPad und Mac), ein Setup Assistant zur gezielten Auswahl erlaubter Apps sowie Time Allowances: tägliche Zeitbudgets für App-Kategorien wie Entertainment, Games und Social Media, jeweils mit altersbasierten Richtwerten. Über Schedules lässt sich festlegen, wann welche Apps nutzbar sind – etwa während der Schulzeit. Die Communication Safety, die Nacktheit in Nachrichten und FaceTime unkenntlich macht, blockiert künftig auch gewalthaltige Inhalte in geteilten Bildern und Videos. Apple arbeitet dafür mit der American Academy of Pediatrics zusammen und hat eine eigene Website mit Ratgeberinhalten gestartet.

Weitere Neuheiten: Ford-Maps, Broadcom-Chips, Apple TV und Emmys

Auch abseits der großen Bühne war einiges los:

  • Apple Maps im Auto: Apple und Ford integrieren Apple Maps über das neue MapKit for Automotive SDK direkt in Fords kommende Universal Electric Vehicle Platform (ab 2027). Geboten werden Turn-by-turn-Navigation, Echtzeit-Verkehr, EV-Routing mit Batterievorkonditionierung; CarPlay bleibt zusätzlich verfügbar.
  • US-Chips mit Broadcom: Apple weitet die Zusammenarbeit mit Broadcom aus – ein Volumen von voraussichtlich über 30 Milliarden US-Dollar und mehr als 15 Milliarden in den USA gefertigte Chips. Der Ausbau des Werks in Fort Collins, Colorado, ist Teil des American Manufacturing Program.
  • Apple TV und Sport: Mit dem Leagues Cup (Start 4. August, alle 62 Spiele weltweit auf Apple TV), der Rückkehr der Major League Soccer und dem „Friday Night Baseball“ baut Apple sein Live-Sport-Angebot weiter aus. Apple TV kostet in den USA 12,99 US-Dollar pro Monat.
  • Emmy-Rekord: Apple TV holte 89 Emmy-Nominierungen über 15 Programme – angeführt von der Comedy Widow's Bay (19) und dem Drama Pluribus (18).
  • Creator Studio: Apple hat Final Cut Pro, Logic Pro und Pixelmator Pro mit neuen KI-Funktionen wie Generate Captions und Auto Mask aktualisiert.
  • Regulierung in Brasilien: Nach einer Vereinbarung mit der Wettbewerbsbehörde CADE öffnet Apple iOS in Brasilien für alternative App-Marktplätze und Zahlungswege – mit reduzierten Provisionen und neuen Schutzmechanismen wie Notarization. Das zeigt, wie regionale Regulierung Apples Plattform Stück für Stück verändert.

Sicherheit: BSI-Warnungen für iOS, iPadOS und Safari

Unabhängig von allen Produktneuheiten gilt: Halte deine Geräte aktuell. Das BSI-Bürger-CERT warnt vor mehreren Schwachstellen in iOS und iPadOS. Angreifer könnten sie ausnutzen, um beliebigen Programmcode auszuführen, Rechte auszuweiten, einen Denial of Service auszulösen, Informationen offenzulegen, Dateien zu manipulieren oder Sicherheitsvorkehrungen zu umgehen. Ursachen sind unter anderem Use-after-free-Fehler, Pufferüberläufe, Race Conditions und Speicherbeschädigungen.

Parallel meldet das BSI mehrere Schwachstellen in Safari. Hier kann in der Regel eine Nutzerinteraktion nötig sein – etwa der Besuch einer präparierten Website. Denkbare Folgen: Diebstahl vertraulicher Daten, Umgehung von Sicherheitsmaßnahmen, Manipulation von Daten, Spoofing oder ein Systemabsturz. Wer zeitnah die von Apple bereitgestellten Updates installiert, schließt diese Lücken.

Was bedeutet das für dich?

Zwischen Feature-Feuerwerk und Regulierungsstreit ist die praktische Lage für Nutzer:innen in Deutschland gemischt. So gehst du damit um:

  • Rechne nicht mit Siri AI auf dem iPhone. Zum Start von iOS 27 und iPadOS 27 fehlt die neue Siri in der EU. Wenn dir die neuen Funktionen wichtig sind, kannst du sie am ehesten auf einem Mac (macOS 27) oder auf Apple Vision Pro (visionOS 27) erleben.
  • Installiere Sicherheitsupdates sofort. Angesichts der BSI-Warnungen für iOS, iPadOS und Safari solltest du unter Einstellungen > Allgemein > Softwareupdate prüfen, ob ein Update bereitsteht – idealerweise mit aktivierten automatischen Updates.
  • Erwarte Apple Upgrade vorerst nicht in Deutschland. Das Leasing-Modell mit Klarna ist bislang nur für die USA angekündigt. Für deinen nächsten Kauf bleiben hierzulande die bekannten Wege: Direktkauf, Finanzierung und Apple Trade In.
  • Nutze die neuen Kinderschutz-Funktionen aktiv. Wenn du Kinder im Haushalt hast, richte ein Kinderkonto ein und plane, Time Allowances, Schedules und Ask to Browse mit dem Herbst-Update zu nutzen.
  • Behalte die Preisdebatte im Blick. Zoll-Effekte in Apples Bilanz und Berichte über Lieferengpässe deuten darauf hin, dass sich die Rahmenbedingungen für Gerätepreise verändern können. Ein früher Kauf oder ein Trade-In kann sich lohnen, muss es aber nicht – beobachte konkrete Angebote.
Kurz beantwortet

Häufige Fragen

Kommt Siri AI überhaupt nach Deutschland?

Apple nennt derzeit keinen Zeitplan für Siri AI auf iPhone und iPad in der EU – und damit in Deutschland. Der Konzern will weiter mit den EU-Regulierern verhandeln, macht die Verfügbarkeit aber von einer aus seiner Sicht sicheren Umsetzung des Digital Markets Act abhängig. Auf macOS 27 und visionOS 27 ist Siri AI hingegen auch in der EU vorgesehen.

Warum ist der DMA das Problem?

Nach Apples Auslegung würde der DMA verlangen, jedem virtuellen Assistenten weitreichenden Zugriff auf das Gerät zu geben – inklusive Nachrichten lesen und senden, Käufe tätigen und Aktionen in beliebigen Apps ausführen, teils autonom. Apple hält das für ein Sicherheitsrisiko und hat mit dem „Trusted System Agent“ eine Zwischenlösung vorgeschlagen, die die Europäische Kommission laut Apple ablehnte.

Wie stark ist Apple wirtschaftlich aktuell aufgestellt?

Sehr stark, gemessen an den eigenen Rekorden: 109,4 Milliarden US-Dollar Umsatz im dritten Fiskalquartal 2026, ein Plus von 16 Prozent, sowie neue Juni-Quartalsrekorde bei iPhone, Mac und Services. Der Gewinn je Aktie stieg um 29 Prozent auf 2,02 US-Dollar. Zoll-Rückerstattungen halfen dabei zusätzlich.

Kann ich Apple Upgrade in Deutschland nutzen?

Nein. Apple Upgrade ist bislang ausschließlich in den USA verfügbar und wird dort von Klarna bereitgestellt. Für Deutschland hat Apple keine Einführung angekündigt. Hierzulande bleiben Direktkauf, Finanzierung und Inzahlungnahme über Apple Trade In die üblichen Optionen.

Was sollte ich wegen der BSI-Sicherheitswarnungen tun?

Aktualisiere iPhone, iPad und Safari zeitnah. Das BSI warnt vor mehreren Schwachstellen, über die Angreifer im schlimmsten Fall Code ausführen oder Daten abgreifen könnten. Aktiviere automatische Updates und installiere verfügbare Versionen umgehend – das ist der einfachste und wirksamste Schutz.