Die Nachrichtenlage rund um Künstliche Intelligenz ist Anfang September 2026 unübersichtlich – und genau das ist das Interessante daran. In derselben Woche, in der OpenAI meldet, dass über seine Bildmodelle jede Woche mehr als drei Milliarden Bilder entstehen, feiert die Document Foundation einen Download-Rekord für ein Office-Paket, das bewusst auf jede KI-Funktion verzichtet. Gleichzeitig fließen Milliarden in Chips und Start-ups, während Sicherheitsforscher zeigen, wie sich mit KI in Rekordzeit gefährliche Schadsoftware bauen lässt.

Das ergibt kein einheitliches Bild, sondern zwei parallele Bewegungen: Auf der einen Seite drückt die Branche KI in immer mehr Produkte, von der Smart-Home-Zentrale bis zum persönlichen Assistenten. Auf der anderen Seite wächst eine Gegenbewegung von Nutzern, die genau das nicht wollen. Wir ordnen die wichtigsten Meldungen ein.

Lokale KI zieht ins Smart Home ein

Bislang lief die smarte KI-Analyse fast immer in der Cloud – mit allen Nachteilen bei Datenschutz und laufenden Gebühren. Der Speicher- und Zubehörhersteller UGREEN will das ändern. Mit dem HomeAgent stellt das Unternehmen laut einem Bericht von iFun.de eine neue Zentrale vor, die lokale KI, Datenspeicherung und Gerätesteuerung unter einem Dach zusammenführt. Kameras, Lautsprecher, Bilderrahmen und kompatible Geräte anderer Hersteller sollen sich über eine gemeinsame Oberfläche steuern lassen. Die Standards Matter und ONVIF werden unterstützt.

Der entscheidende Unterschied zu vielen Sprachassistenten: Ein großer Teil der Verarbeitung soll direkt im heimischen Netzwerk stattfinden. Kameraaufnahmen lassen sich lokal analysieren und per Stichwort durchsuchen, erkannte Ereignisse automatisch zusammenfassen. Der zugehörige Sprachassistent namens "Uliya" soll alltägliche Formulierungen verstehen und etwa Lampen, Vorhänge oder vorbereitete Szenen steuern. UGREEN sieht ausdrücklich vor, aus Kameraaufnahmen und der lokalen Fotosammlung automatisch Erinnerungen und Highlight-Videos zusammenzustellen – Funktionen, die man sonst nur aus Cloud-Diensten kennt.

UGREEN HomeAgent: Lokale KI-Zentrale startet im Oktober
Foto: iFun.de

Interessant sind die Leistungsdaten. Den Einstieg bildet der HomeAgent HA100 mit 16 GB Arbeitsspeicher, drei SATA-Einschüben, einem M.2-Steckplatz und 26 TOPS KI-Leistung. Der HA100 Pro hebt die Rechenleistung auf 205 TOPS, kombiniert mit 32 GB RAM und 10-Gigabit-Ethernet. An der Spitze steht der MasterAgent MA100 mit NVIDIA Jetson Thor T5000, 128 GB gemeinsam genutztem Speicher und bis zu 2.070 TFLOPS bei Sparse FP4. Zum geplanten Ökosystem gehören außerdem drei neue SynCare-Kameras, ein Smart Speaker und smarte Bilderrahmen.

Der Haken steckt im Preis. Für die geplante Kickstarter-Kampagne nennt UGREEN Super-Early-Bird-Konditionen von 899 Dollar für den HA100, 2.999 Dollar für den HA100 Pro und 9.999 Dollar für den MA100. Die regulären Listenpreise liegen mit 1.799, 5.999 und 19.999 Dollar noch deutlich höher. Der Versand soll je nach Modell zwischen Ende Januar und Ende Juli 2027 anlaufen – noch ist das also Zukunftsmusik. In der Kommentarspalte von iFun.de wird bereits kritisch gefragt, wer bei diesen Summen überhaupt die Zielgruppe sein soll, zumal Kameras nicht einmal im Lieferumfang enthalten sind.

UGREEN ist mit dem Ansatz nicht allein: Auch Anker bewegt sich mit seiner neuen MindBase in eine ähnliche Richtung und bündelt lokale KI, Matter-Steuerung und eigenen Speicher. Der gemeinsame Nenner ist der Anspruch, zentrale Funktionen auch ohne Internetzugang weiterlaufen zu lassen – und für lokale Video-, Foto- und Smart-Home-Daten keine wiederkehrenden Cloud-Gebühren zu verlangen.

OpenAI schraubt am Bildgenerator

Bei den KI-Bildern gibt OpenAI das Tempo vor. Mit ChatGPT Images 2.5 hat das Unternehmen eine neue Version seines Generators veröffentlicht. Die Dimension wird an einer Zahl deutlich: Über ChatGPT Images und die GPT-Image-Modelle entstehen laut OpenAI inzwischen jede Woche mehr als drei Milliarden Bilder. Entsprechend zielt das Update weniger auf neue Grundfunktionen als auf Verbesserungen bei Tempo, Qualität und gezielter Bearbeitung.

Gegenüber der Vorversion Images 2.0 nennt OpenAI eine um bis zu 50 Prozent reduzierte Wartezeit bei der Generierung. Beleuchtung und Texturen sollen natürlicher wirken, Personen und Motive aus Referenzbildern besser erhalten bleiben. Auffällig ist der Kurs weg vom reinen Erzeugen neuer Motive hin zur kontrollierten Weiterbearbeitung: Images 2.5 soll etwa nur ein Produkt, den Hintergrund oder einen Textbestandteil verändern, ohne den restlichen Bildaufbau anzutasten. Auch bei längeren Bearbeitungsfolgen sollen frühere Änderungen erhalten bleiben und die Qualität nicht mit jeder Anweisung nachlassen.

ChatGPT Images: OpenAI stellt Bildgenerator neu auf
Foto: iFun.de

Neu ist die Funktion "Sketch": Nutzer können direkt in ChatGPT eine grobe Zeichnung anfertigen und diese zusammen mit einer Beschreibung als Vorlage nutzen. So lassen sich Raumaufteilungen oder die Form eines Kleidungsstücks vorgeben, ohne alles in Worten erklären zu müssen. Hinzu kommen Vorlagen für häufige Formate wie Poster, Produktbilder und Merchandise sowie die Möglichkeit, Bilder mit Kommentaren zu versehen. Verfügbar ist Images 2.5 nach Angaben von OpenAI für Nutzer von ChatGPT, ChatGPT Work und Codex auf Desktop, Mobilgeräten und im Web. Für Entwickler erscheinen parallel zwei API-Modelle: GPT-Image-2.5 Flare für schnelle, häufige Generierung und GPT-Image-2.5 Sunburst für aufwendigere Arbeiten mit engerer Kontrolle. Details finden sich in der Ankündigung von OpenAI sowie in einer Einordnung von heise online.

Die Gegenbewegung: LibreOffice ganz ohne KI

Während die großen Anbieter KI in jedes Menü packen, funktioniert der Gegenentwurf offenbar mindestens genauso gut. Die Document Foundation meldet für LibreOffice 26.8 mehr als 1,031 Millionen Downloads innerhalb einer einzigen Woche – nach eigenen Angaben ein Rekord, den keine frühere Version in diesem Zeitraum erreicht hat. Die Zahlen beziehen sich dabei nur auf Downloads über die LibreOffice-Webseite; über Linux-Distributionen dürften noch deutlich mehr Installationen hinzukommen.

Der Clou: In Version 26.8 wurde ganz bewusst auf alle KI-Funktionen verzichtet, und die Stiftung geht davon aus, dass genau das das große Interesse erklärt. Anders als bei Microsoft 365 oder Google Workspace ist keine generative KI integriert. Das bezeichnet die Foundation ausdrücklich als Designentscheidung: Dokumente würden nicht zur Verarbeitung an externe Dienste übertragen, und für die Grundfunktionen sei kein Netzwerkzugriff nötig. Wie Golem.de berichtet, kommt dieser Verzicht bei vielen Nutzern offensichtlich gut an.

Inhaltlich bringt die Version vor allem Verbesserungen bei Typografie und Kompatibilität. OpenType-Variable-Fonts werden nativ unterstützt, Writer erkennt die Schreibrichtung von Absätzen automatisch und verbessert Zeilenumbrüche bei Rechts-nach-links-Schriften und vertikalen Layouts. Ein neuer Paragraph Composer optimiert nicht mehr jede Zeile einzeln, sondern berücksichtigt beim Blocksatz mehrere aufeinanderfolgende Zeilen und vermeidet so stark schwankende Wortabstände. Bei einigen neueren OOXML-Diagrammtypen wie Box-Plot, Trichter oder Wasserfall bleibt LibreOffice allerdings weiter außen vor – anzeigen oder bearbeiten lassen sie sich nicht, die Daten bleiben beim Speichern aber erhalten.

Milliarden für Modelle und Chips

Dass hinter dem KI-Boom vor allem enorme Kapitalströme stecken, zeigen gleich zwei Meldungen. Das französische Start-up Mistral hat in einer Series-D-Runde 3 Milliarden Euro eingesammelt und wird damit auf mehr als 21 Milliarden Euro bewertet. Angeführt wurde die Runde von Samsung Electronics, dem weltweit größten Hersteller von HBM-Speicherbausteinen, die für das Training großer Modelle in riesigen Mengen benötigt werden. Weitere Investoren sind unter anderem EQT, Blackrock, Andreessen Horowitz, ASML und Nvidia. Für Samsung hat das einen doppelten Nutzen: Der Konzern sichert sich Mistral als Großabnehmer für die eigene Hardware.

Laut CEO Arthur Mensch soll das Geld vor allem in den Ausbau der Rechenkapazitäten fließen, um mit den führenden US- und chinesischen Laboren mithalten zu können. Mistral wirbt weiter mit Souveränität als Geschäftsmodell: eigene Modelle mit offenen Gewichten, eigene Infrastruktur inklusive Rechenzentren in Frankreich und Schweden, und das Versprechen an Unternehmen und Behörden, die Kontrolle über ihre Daten zu behalten. Die Details hat Golem.de zusammengetragen.

Noch größer ist die Summe bei einem Chip-Deal: Amazons Cloud-Sparte AWS wird KI-Chips für Rechenzentren im Wert von bis zu 60 Milliarden US-Dollar bei Qualcomm kaufen. Gemeinsam wollen beide an Beschleunigern für die KI-Inferenz – also die Ausführung bereits trainierter Modelle – sowie an optischen Interconnects mit bis zu 1,6 Terabit pro Sekunde arbeiten. Bemerkenswert ist die finanzielle Verflechtung: Qualcomm gewährt Amazon Optionsscheine im Wert von rund 4 Milliarden US-Dollar, geknüpft an Produktkäufe. Qualcomm zählt damit neben Microsoft und Meta einen weiteren Cloud-Riesen zu seinen Kunden und will den Umsatz mit Rechenzentrumschips bis 2029 auf 15 Milliarden US-Dollar steigern. Der Vertrag folgt einem ähnlichen Muster wie eine kurz zuvor geschlossene Vereinbarung zwischen Marvell und Alphabet.

Wenn KI zur Waffe wird

Die Kehrseite der Fortschritte zeigt ein Fall aus der IT-Sicherheit. Die kalifornische Firma Calif hat nach eigenen Angaben mit KI-Unterstützung eine Schwachstelle in der chinesischen Plattform WeChat aufgespürt – konkret einen Speicherfehler in der Voice-over-IP-Architektur des Tencent-Dienstes. Auf dieser Basis entwickelten die Forscher einen sogenannten Zero-Click-Wurm namens Weworm, der ohne jede Interaktion der Nutzer auskommt.

Die Verbreitung erfolgt schlicht über einen VoIP-Anruf, auch zwischen iOS- und Android-Geräten. Das Konto wird kompromittiert, ohne dass das Opfer den Anruf annehmen muss – nur ein schnelles Ablehnen innerhalb weniger Sekunden könnte den Exploit verhindern, wobei Angreifer es später erneut versuchen könnten. Übernimmt der Wurm ein Konto, ruft er automatisch Nummern aus der Kontaktliste an; weil die Angerufenen eine bekannte Nummer sehen, steigt die Erfolgsquote enorm. Calif zufolge hätte Weworm so binnen kurzer Zeit mehr als eine Milliarde WeChat-Konten übernehmen können. Besonders alarmierend ist das Tempo: Nach Identifizierung der Lücke erstellte die KI laut Firmenangaben in nur zwei Tagen einen ersten Exploit, die Entwicklung des Wurms dauerte eine weitere Woche. Ohne KI-Unterstützung hätte das laut CEO Thai Duong ein größeres Team und mehrere Monate gebraucht. Calif meldete den Fehler bereits im Juli 2026 an Tencent; im August wurde er per App-Update entschärft, ausgenutzt worden sein soll er laut Tencent nicht. Die Recherche schilderte t3n.

Persönliche Agenten und der Kampf um die Kaufentscheidung

Neben Bildern und Chips rückt eine dritte Produktkategorie in den Vordergrund: der persönliche KI-Agent. Meta Platforms hat mit Muse einen solchen Assistenten für alltägliche Aufgaben vorgestellt, der breit verfügbar sein soll. Details dazu ordnet heise online ein.

Solche Agenten könnten das Marketing verschieben. In einer Analyse beschreibt t3n einen neuen Wettbewerb zwischen KI-Agenten und Influencern um den vielleicht wichtigsten Moment im Kaufprozess: die Entscheidung. Während Influencer Produkte empfehlen und Vertrauen aufbauen, beraten Agenten hochgradig personalisiert, datenbasiert und zunehmend bis zum Kaufabschluss. Passend dazu rollt YouTube seit Anfang September in Deutschland sein neues Shopping-Affiliate-Programm aus. Creator können Produkte in Videos markieren; laut YouTube stellten allein im Juni 2026 mehr als 25 Millionen angemeldete Nutzer in Deutschland shoppingbezogene Suchanfragen. Videos mit Produkt-Tags erzielten in einem internen Testlauf mehr als doppelt so viele Produkt-Klicks wie solche mit reinen Beschreibungslinks. Die t3n-Analyse zeichnet nach, wie sich dieser Wettbewerb entwickeln könnte.

Was bedeutet das für dich?

Die Gleichzeitigkeit von KI-Boom und KI-Skepsis ist keine Momentaufnahme, sondern zunehmend eine echte Wahlmöglichkeit. Du musst KI weder blind übernehmen noch komplett meiden – entscheidend ist, wo deine Daten landen und was dir der Komfort wert ist.

  • Cloud oder lokal abwägen: Wer Wert auf Datenschutz legt, findet mit lokalen Ansätzen wie UGREEN HomeAgent oder Anker MindBase eine Alternative – muss aber hohe Anschaffungskosten und lange Lieferzeiten (frühestens 2027) einkalkulieren.
  • KI-freie Software gibt es: Wenn du generative Funktionen im Büroalltag nicht brauchst oder aus Datenschutzgründen ablehnst, ist LibreOffice 26.8 eine ernstzunehmende, kostenlose Option ohne Netzwerkzwang für die Grundfunktionen.
  • Bildgeneratoren gezielt nutzen: Für Bearbeitungen an vorhandenen Fotos lohnt ein Blick auf die neuen Funktionen von ChatGPT Images 2.5, etwa das gezielte Ändern einzelner Bildbereiche per Kommentar oder Skizze.
  • Sicherheitsupdates ernst nehmen: Der WeChat-Fall zeigt, wie schnell KI ausnutzbare Lücken findet. Halte Messenger und Betriebssysteme aktuell – die WeChat-Lücke wurde erst mit einem App-Update geschlossen.
  • Bei Kaufberatung skeptisch bleiben: Wenn ein KI-Agent dir künftig Produkte empfiehlt, ist die Empfehlung datenbasiert, aber nicht neutral. Prüfe, welche Interessen dahinterstehen könnten.
Kurz beantwortet

Häufige Fragen

Was unterscheidet lokale KI von Cloud-KI?

Bei lokaler KI läuft ein großer Teil der Verarbeitung direkt im eigenen Netzwerk statt auf den Servern eines Anbieters. Systeme wie der UGREEN HomeAgent analysieren Kameraaufnahmen und steuern Geräte laut Hersteller auch ohne Internetzugang, und für lokale Video-, Foto- und Smart-Home-Daten fallen keine wiederkehrenden Cloud-Gebühren an. Der Nachteil sind die hohen Hardwarekosten und, im Fall von UGREEN, eine Markteinführung erst 2027.

Was ist neu an ChatGPT Images 2.5?

Das Update setzt weniger auf neue Grundfunktionen als auf Feinschliff. OpenAI nennt eine um bis zu 50 Prozent kürzere Wartezeit gegenüber Images 2.0, natürlicher wirkende Beleuchtung und Texturen sowie besser erhaltene Motive aus Referenzbildern. Neu ist die Sketch-Funktion, mit der sich eine grobe Zeichnung als Vorlage nutzen lässt, dazu kommen Vorlagen für Formate wie Poster oder Produktbilder und die Möglichkeit, Änderungswünsche per Kommentar zu markieren.

Warum verzichtet LibreOffice bewusst auf KI?

Die Document Foundation bezeichnet den Verzicht als Designentscheidung. Ohne integrierte generative KI werden Dokumente nicht zur Verarbeitung an externe Dienste übertragen, und für die Grundfunktionen ist kein Netzwerkzugriff erforderlich. Die Stiftung führt den Download-Rekord von über einer Million Downloads in einer Woche selbst auf genau diesen Verzicht zurück.

Wie gefährlich war die WeChat-Sicherheitslücke?

Der mit KI entwickelte Wurm Weworm hätte laut der Sicherheitsfirma Calif binnen kurzer Zeit mehr als eine Milliarde WeChat-Konten übernehmen können, ohne dass Nutzer einen Anruf annehmen mussten. Die Lücke wurde im Juli 2026 an Tencent gemeldet und im August per App-Update für iOS und Android geschlossen. Nach Angaben von Tencent wurde sie zuvor nicht ausgenutzt.

Warum investieren Konzerne solche Summen in KI-Chips?

Training und Betrieb großer Modelle erfordern enorme Rechen- und Speicherkapazitäten. Amazon sichert sich mit dem bis zu 60 Milliarden US-Dollar schweren Qualcomm-Deal Chips für die KI-Inferenz, während Investoren wie Samsung bei Mistral zugleich einen Großabnehmer für ihre Speicherbausteine gewinnen. Die Deals zeigen, wie eng Modellanbieter, Cloud-Betreiber und Chiphersteller inzwischen finanziell verflochten sind.