Wer schon länger mit einem neuen Kindle, einem Echo-Lautsprecher oder einem Fire TV Stick liebäugelt, sollte die Preisschilder gerade genau im Blick behalten. Amazon hat die unverbindlichen Preisempfehlungen für zahlreiche eigene Geräte kräftig angehoben – in den USA teils über Nacht, in Deutschland zieht der Konzern nach. Bei manchen Produkten fällt der Aufschlag mit 40 bis 60 Prozent drastisch aus. Der Grund liegt nicht in besserer Technik, sondern in einem globalen Engpass bei Speicherchips, der durch den KI-Boom befeuert wird.
Die gute Nachricht für Sparfüchse: Die neuen, höheren Preise stehen zwar auf den Produktseiten, doch in der Praxis verkauft Amazon viele Geräte noch deutlich reduziert – manchmal sogar unter dem alten Niveau. Wer jetzt zuschlägt, kann die geplante Erhöhung gezielt umgehen. Wir ordnen ein, was hinter den Preissprüngen steckt, welche Geräte betroffen sind und wann sich der schnelle Kauf lohnt.
Die Speicherkrise als Auslöser
Hinter den Preiserhöhungen steht ein Problem, das die gesamte Elektronikbranche betrifft. Weil der Bedarf an Rechenleistung für künstliche Intelligenz rasant steigt, entstehen weltweit neue Rechenzentren. Diese mit Speicher auszustatten, ist für Chiphersteller oft lukrativer als die Belieferung des Endkundenmarkts – entsprechend haben viele ihre Produktion umgestellt. Die Folge: SSDs und Arbeitsspeicher für Computer, Laptops und Smartphones werden knapper und teurer.
Amazon begründet den Schritt in einer Stellungnahme offen. „Die Unterhaltungselektronikbranche sieht sich mit erheblichen Preissteigerungen bei Speicher- und Speicherkomponenten konfrontiert. Nachdem wir diese Preissteigerungen so lange wie möglich aufgefangen haben, haben wir kürzlich die Preise für unsere gesamten Produktreihen angepasst“, teilte das Unternehmen laut heise online mit. Der Konzern betont zugleich, weiterhin gute Produkte zu erschwinglichen Preisen anbieten zu wollen.
Amazon ist dabei kein Einzelfall. Wer aktuell ein neues MacBook Air kauft, zahlt laut t3n rund 200 Euro mehr als noch vor wenigen Monaten, auch das iPad kostete vor einem halben Jahr etwa 50 Euro weniger. Samsung, Dell und Lenovo haben ebenfalls Preiserhöhungen angekündigt. Besonders hart trifft die Krise die günstigen Einstiegsgeräte – ähnlich wie im Smartphone-Bereich, wo vor allem Budget-Modelle betroffen sind.
Kindle: Bis zu 50 Euro Aufschlag
Bei den E-Book-Readern der Kindle-Reihe steigen die Preise laut heise durchweg um rund 40 bis 50 Euro. In den USA klettert die 16-GByte-Version des einfachen Kindle von 110 auf 150 US-Dollar, das Paperwhite-Modell von 160 auf 200 US-Dollar. In Deutschland liegt der Kindle Paperwhite bislang bei 169,99 Euro, künftig soll er 209,99 Euro kosten.
Der Paperwhite gehört zu den beliebtesten Modellen der Serie. Sein 7-Zoll-Display setzt auf die typische E-Ink-Technologie, die gedrucktem Papier ähnelt und den Akku schont – laut Hersteller hält eine Ladung bis zu 128 Stunden durch. Der interne Speicher von 16 Gigabyte bietet Platz für Tausende Bücher, Zeitschriften und Comics, die sich direkt über das Amazon-Konto verwalten lassen. Wer jetzt bestellt, bekommt das Gerät vielfach noch zum alten Preis und spart damit die geplanten 40 Euro.

Echo: Der günstige Lautsprecher wird deutlich teurer
Amazons Alexa zählt zu den beliebtesten Sprachassistenten in Deutschland. Über die Echo-Geräte lassen sich Musik abspielen, Timer stellen, Wetter- und Verkehrsinfos abrufen sowie Smart-Home-Geräte wie Lampen oder Saugroboter per Sprache steuern. Das günstigste Modell ohne Bildschirm ist der handtellergroße Echo Dot – und genau ihn trifft die Erhöhung besonders spürbar.
In den USA steigt der Echo Dot von 50 auf 80 US-Dollar, in Deutschland soll der Einstiegspreis für alle Farbvarianten künftig bei 89,99 Euro liegen – bislang waren es ab 64,99 Euro. Der Echo Show 2 klettert in den USA von 220 auf 250 US-Dollar. Beim Neukauf des Echo Dot ist derzeit ein kostenloser Early-Access zur neuen KI-Version Alexa Plus enthalten.
Interessant ist die Kluft zwischen offizieller UVP und realem Verkaufspreis. Während die neue Preisempfehlung bei knapp 90 Euro liegt, war der Echo Dot laut Golem.de zwischenzeitlich für 39,99 Euro zu haben – rund 35 Prozent unter dem 90-Tage-Durchschnitt von etwa 62 Euro. Auch der Echo Spot mit rundem Display und der große Echo Show 11 mit 11-Zoll-Full-HD-Touchscreen tauchten in den vergangenen Tagen deutlich reduziert auf: der Show 11 für 199,99 Euro statt 269,99 Euro UVP.
Fire TV: Der größte Preissprung
Beim Fire TV Stick fällt der prozentuale Aufschlag am heftigsten aus. Mit dem kleinen Stick lassen sich ältere Fernseher internetfähig machen, um Streaming-Angebote wie Netflix, Prime Video oder Disney Plus zu nutzen – eine günstige Nachrüstlösung statt eines neuen TV-Geräts.
Der Fire TV Stick HD kostete bis vor Kurzem 44,99 Euro, künftig sollen 64,99 Euro fällig werden – ein Plus von über 44 Prozent. Ähnlich beim Fire TV Stick 4K Select, der von 54,99 auf 69,99 Euro steigt. In den USA klettert der Fire TV Stick 4K Max von 60 auf 85 US-Dollar, der Fire TV Cube wird mit 230 US-Dollar eingepreist, während er zum Marktstart noch 160 US-Dollar kostete. Selbst der Mesh-Router Amazon Eero steigt dort von 700 auf 800 US-Dollar.
Auch hier gilt: Die neuen UVP sind das eine, die tatsächlichen Preise das andere. In den vergangenen Tagen waren beide Stick-Varianten laut t3n schon ab 26,99 Euro erhältlich. Der Fire TV Stick 4K Max lag bei Golem zwischenzeitlich bei 47,99 Euro statt 79,99 Euro, der 4K Plus bei 37,99 Euro. Wer ohnehin einen Streaming-Stick plant, sollte den aktuellen Rabattfenstern also besondere Aufmerksamkeit schenken.
UVP versus Realpreis: Was du wirklich zahlst
Der wichtigste Punkt in dieser Preisdebatte ist die Lücke zwischen offizieller Empfehlung und Straßenpreis. Amazon zeigt auf den Produktseiten zwar die neuen, höheren UVP an, verkauft die meisten Geräte laut heise aber zu reduzierten Preisen, die teils sogar unter den alten Preisen liegen. Der Konzern weist ausdrücklich darauf hin, dass Kunden das ganze Jahr über mit regelmäßigen Sonderangeboten rechnen können.
Das bedeutet in der Praxis: Womöglich zahlst du die neuen höheren Preise nie – zumindest nicht bei den regelmäßig beworbenen Aktionen. Die UVP dient hier eher als Anker, von dem aus die Rabatte berechnet werden. Ein Beispiel: Wenn der Echo Dot künftig mit 89,99 Euro als UVP geführt wird und für 39,99 Euro über den Ladentisch geht, wirkt der Deal auf dem Papier mit 56 Prozent Rabatt besonders attraktiv – auch wenn der reale Verkaufspreis nahe am bisherigen Niveau bleibt.
Für Käufer heißt das vor allem eines: Der Blick auf einen Preistracker lohnt sich mehr denn je. Tools wie Keepa zeigen den historischen Preisverlauf und helfen einzuschätzen, ob ein angeblicher Aktionspreis wirklich günstig ist oder nur gegen die frisch erhöhte UVP glänzt.
Was bedeutet das für dich?
Die Preiserhöhung ist real, aber sie muss dich nicht sofort mehr kosten. Entscheidend ist das richtige Timing und ein wenig Recherche vor dem Kauf.
- Jetzt zuschlagen bei konkretem Bedarf: Wenn du ohnehin einen Kindle, Echo oder Fire TV Stick brauchst, kaufst du derzeit oft noch zum alten oder sogar reduzierten Preis, bevor sich die neuen UVP dauerhaft durchsetzen.
- Preisverlauf prüfen: Nutze einen Preistracker wie Keepa, um den 90-Tage-Durchschnitt zu sehen. So erkennst du, ob ein Rabatt echt ist oder nur gegen die erhöhte UVP gerechnet wird.
- Nicht von hohen Prozentzahlen blenden lassen: Ein „56 Prozent günstiger“ wirkt beeindruckend, sagt aber wenig aus, wenn die Ausgangs-UVP gerade erst angehoben wurde. Der absolute Euro-Betrag zählt.
- Auf Aktionen warten, wenn es nicht eilt: Amazon betont, dass es das ganze Jahr über Sonderangebote geben wird. Wer flexibel ist, findet die günstigen Fenster regelmäßig wieder.
- Alternativen einbeziehen: Bei Streaming-Sticks, Smart-Home-Beleuchtung oder Lautsprechern gibt es Konkurrenzprodukte, die von der Krise ähnlich betroffen sind – ein Vergleich bleibt sinnvoll.

Nicht nur Preise: Amazons Hardware-Baustellen
Neben der Preisrunde beschäftigen Amazon derzeit weitere Themen rund um die eigene Hardware. In den USA hat der Konzern angekündigt, seinen Drohnen-Lieferdienst Prime Air auf 500 weitere Städte auszuweiten – zuvor gab es ihn in elf US-Städten. Dass die Technik noch nicht ausgereift ist, zeigte prompt ein Vorfall in Texas: Eine Lieferdrohne öffnete ihre Ladeluke direkt über einem Gartenpool, das Paket landete im Wasser. Es war laut t3n nicht der erste Zwischenfall dieser Art. Ein Amazon-Sprecher betonte, solche Vorfälle seien „äußerst selten“.
Auch beim Streaming baut Amazon seine Position als Plattform aus. Über Prime Video lassen sich seit Jahren andere Streamingdienste direkt abonnieren und deren Inhalte dort ansehen. Laut ifun.de verwaltete Amazon im Juni mindestens 49 Millionen Abonnements anderer Anbieter. Dieses Bündelmodell wird zunehmend zum Branchenstandard – selbst Netflix denkt inzwischen über die Einbindung fremder Dienste nach.
Häufige Fragen
Warum erhöht Amazon die Preise für Kindle, Echo und Fire TV?
Auslöser ist die anhaltende Speicherkrise. Durch den KI-Boom entstehen weltweit neue Rechenzentren, deren Ausstattung für Chiphersteller besonders lukrativ ist. In der Folge werden Arbeitsspeicher und SSDs knapper und teurer. Amazon gibt diese gestiegenen Kosten nach eigenen Angaben weiter, nachdem es sie zunächst selbst getragen hatte.
Muss ich die neuen höheren Preise wirklich zahlen?
In vielen Fällen nicht. Amazon zeigt auf den Produktseiten zwar die neuen, höheren UVP an, verkauft die meisten Geräte laut heise aber weiterhin zu reduzierten Preisen – teils sogar unter dem alten Niveau. Der Konzern verspricht zudem das ganze Jahr über regelmäßige Sonderangebote.
Welche Geräte sind am stärksten betroffen?
Prozentual am heftigsten trifft es die günstigen Einstiegsgeräte. Der Fire TV Stick HD steigt um über 44 Prozent von 44,99 auf 64,99 Euro, der Echo Dot soll künftig 89,99 statt bisher ab 64,99 Euro kosten. Beim Kindle liegen die Aufschläge bei rund 40 bis 50 Euro pro Modell.
Lohnt es sich, jetzt schnell zu kaufen?
Wenn du ohnehin ein bestimmtes Gerät brauchst, ja. Viele Produkte sind derzeit noch zum alten oder sogar reduzierten Preis erhältlich. Prüfe aber vor dem Kauf den Preisverlauf über einen Tracker wie Keepa, um sicherzustellen, dass der beworbene Rabatt tatsächlich günstig ist und nicht nur gegen eine frisch erhöhte UVP glänzt.
Gelten die Preiserhöhungen auch in Deutschland?
Ja. Amazon hat bestätigt, dass die eigenen Produkte auch in Deutschland teurer werden. Die zuerst berichteten US-Preise sind teils schon einige Tage früher gestiegen, doch die Anpassung erfolgt inzwischen auch auf dem deutschen Marktplatz. Aktuell sind viele Geräte hierzulande allerdings noch reduziert.



