Es ist ein seltener Moment in der Geschichte des Konzerns: Apple bekommt eine neue Spitze. Zum 1. September übernimmt der bisherige Hardware-Chef John Ternus den Posten des CEO, während Tim Cook nach 15 Jahren an der Spitze seinen letzten regulären Arbeitstag hinter sich hat. Der Wechsel fällt in eine Phase, in der Apple gleich an mehreren Fronten unter Zugzwang steht – von einem überraschenden Nachfrage-Boom bei Mac-Desktops über eine zunehmend zersplitterte iPhone-Palette bis hin zu einem Kurswechsel beim Kundensupport.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Nur wenige Tage nach dem Führungswechsel erwartet die Branche neue iPhones. Ternus gibt damit praktisch parallel zu einer der wichtigsten Produktvorstellungen des Jahres seinen offiziellen Einstand. Wir haben die aktuellen Meldungen zusammengetragen und ordnen ein, was der Umbruch für Kunden konkret bedeutet.
Der Stabwechsel: Von Cook zu Ternus
Mit dem 1. September endet Tim Cooks Amtszeit, die vor rund 15 Jahren begann – damals übernahm er den Chefsessel vom todkranken Mitgründer Steve Jobs. Wie heise online berichtet, übernimmt John Ternus mit 51 Jahren, also gerade einmal ein Jahr älter als Apple selbst. Cook wird dem Konzern erhalten bleiben: Er soll künftig als Executive Chairman das Board of Directors anführen und als eine Art Chefdiplomat auftreten.
Cook wurde anfangs skeptisch beäugt – wie sollte jemand die Tech-Legende Jobs ersetzen? In seinen Jahren an der Spitze entwickelte sich Apple aber zu einer beispiellosen Geldmaschine. Im August 2018 war das Unternehmen das erste, das laut den Berichten einen Marktwert von einer Billion US-Dollar erreichte. Bemerkenswert ist, dass Cook den Job, der ihn berühmt machte, ursprünglich gar nicht wollte: t3n zeichnet nach, wie der aus Alabama stammende Wirtschaftsingenieur zunächst bei IBM Karriere machte, später über Intelligent Electronics und Compaq lief und Headhunter von Apple lange abblitzen ließ. 1998 stand Apple kurz vor der Pleite – Compaq war die sichere Wahl. Erst ein Gespräch mit Jobs überzeugte ihn umzusteigen.
Sein Handwerk brachte Cook direkt mit: die Kunst der schlanken Lieferkette. Er verkleinerte Lagerbestände, reduzierte die Zahl der Zulieferer und lagerte die Produktion aus – etwa den bunten iMac zunächst an LG und später an Foxconn. Heute fertigt Apple überwiegend in Asien, mit einer bewusst diversifizierten Kette in China, Indien und Vietnam. Unter seiner Führung kamen die Apple Watch, Apple Pay und die AirPods, die anfangs belächelt wurden und heute Standard sind.
Ternus: der Hardware-Typ am Ruder
Ternus gilt als kompetent, fokussiert und als kreativer Problemlöser. In seiner Freizeit dreht er dem Wall Street Journal zufolge Runden mit seinem Porsche auf der kalifornischen Rennstrecke Laguna Seca – mit respektablen Zeiten unter 1:40 Minuten. Wichtiger ist aber sein fachlicher Hintergrund: Als bisheriger Hardware-Chef war er für die Endausführung der Geräte verantwortlich, die Apple von Umsatzhoch zu Umsatzhoch trugen.
Genau daran knüpft eine der zentralen Erfolgsgeschichten der Cook-Ära an, an der Ternus maßgeblich mitwirkte: die Entwicklung eigener Chips. Die M-Prozessoren wurden über die Jahre immer leistungsstärker und revolutionierten den Mac – ein Vorteil, den Apple gerade jetzt im Bereich lokaler KI ausspielen kann. Im Silicon Valley wird durchaus positiv gesehen, dass nach dem Lieferketten-Experten Cook nun wieder ein Ingenieur die Zügel übernimmt. Apple selbst signalisierte zuletzt neue Offenheit: Zur Entwicklerkonferenz WWDC im Juni schickte der Konzern den designierten Firmenchef zu einer Art Willkommensparty für Journalisten samt Fragerunde zum Thema KI.
Zur Ehrlichkeit gehört auch die Kritik: Manche bemängeln, unter Cook habe Apple kein derart revolutionäres Produkt wie einst das iPhone mehr herausgebracht. Das lange verfolgte Elektroauto-Projekt zum autonomen Fahren wurde nach Ausgaben von angeblich rund zehn Milliarden Dollar aufgegeben. Und die technisch brillante Vision Pro blieb wegen ihres hohen Preises ein Verkaufsflop. Ternus erbt also ein extrem profitables Unternehmen – aber auch die Erwartung, wieder für den großen Wurf zu sorgen.
Der überraschende Mac-Boom – und der Lieferengpass
Ausgerechnet die Desktop-Macs sorgen derzeit für Schlagzeilen, weil Apple mit dem Nachschub nicht hinterherkommt. Laut einem Bericht des IT-Newsdienstes The Information, den t3n aufgreift, hat der Konzern den eigenen Erfolg schlicht unterschätzt. Der Grund ist der Trend zu lokaler KI: Immer mehr Modelle sind quelloffen oder kommen mit offenen Gewichten – also frei verfügbaren Modelldaten, die jeder auf eigener Hardware betreiben kann. Wer so arbeitet, braucht weder ein Abo noch muss er steigende Token-Kosten fürchten.
Spätestens mit der Welle lokaler KI-Agenten wie OpenClaw setzte ein Boom bei Apple-Rechnern ein: Sie sind vergleichsweise günstig und eignen sich dank schneller M-Chips gut für KI-Aufgaben. Sichtbar wird der Engpass bei den neuen Mac Minis mit M5 Pro und M6 sowie bei den Mac Studios mit M5 Max und M5 Ultra. Apple hat die Geräte angekündigt, liefert sie aber erst Wochen später aus. Für die Top-Variante des Mac Studio M5 Ultra mit 512 Gigabyte Arbeitsspeicher nannte der Konzern nicht einmal einen Preis – vor Oktober dürfte sie nicht erscheinen.
Dass Apple die Rechner schon im August vorstellte, führt The Information ebenfalls auf den KI-Boom zurück: KI-Labore und Cloud-Anbieter kauften die Geräte demnach „in LKW-Ladungen“. Firmen wie OpenAI sollen „Zehntausende“ Mac Minis und Mac Studios erworben haben – für Reinforcement Learning, also das Training von Modellen durch Belohnungssignale. Anthropic mietet Mac Minis bei Amazon Web Services. Und erste Anbieter kaufen große Mengen Apple-Hardware für eigene „Neoclouds“, stellen die Rechner in ihre Rechenzentren und vermieten die dort laufenden KI-Anwendungen weiter.
Speicherchips als Nadelöhr
Apple wirbt also aktiv für lokale KI, kann aber nicht schnell genug liefern. Schuld ist die Krise bei Arbeitsspeicher und SSDs: Die Speicherchips für die M-Prozessoren sind teuer und kaum zu bekommen – selbst für einen Großkunden wie Apple. KI-Chip-Hersteller wie Nvidia nehmen noch größere Mengen ab. Das birgt ein strategisches Risiko: „Wenn Firmen nicht in der Lage sind, ihre Macs zu bekommen, migrieren sie auf andere Hardware-Möglichkeiten“, zitiert The Information den Chef von webAI, das Apple-basierte KI-Werkzeuge an Firmen verkauft. Nvidia versucht diese Lücke mit eigenen lokalen KI-Rechnern wie dem DGX Spark zu füllen. Auch der Mac Mini mit M6-Prozessor spürt die Lage: Er bleibt zwar kompakt, kostet aber inzwischen über 1.000 Euro.
iOS 27 und Apple Intelligence: Fragmentierung wie nie
Wer über einen iPhone-Neukauf nachdenkt, sollte genau hinschauen. Wie t3n erläutert, macht Apple es Kunden mit iOS 27 unnötig kompliziert. Die gute Nachricht zuerst: Wer ein iPhone besitzt, auf dem iOS 26 läuft, muss nicht zwingend neu kaufen. Selbst das iPhone 11 aus dem Jahr 2019 bekommt das Update, entgegen früherer Gerüchte. Apple verspricht sogar, dass das neue System ältere Geräte wieder flotter macht – Apps sollen sich beispielsweise schneller öffnen.
Der Haken: Viele neue Funktionen fehlen auf älteren Modellen, allen voran Apple Intelligence. Und selbst innerhalb der kompatiblen Geräte gibt es Abstufungen. Konkret sieht die Lage so aus:
- iPhone Air, 17, 17 Pro und 17 Pro Max: alle neuen Features.
- iPhone 15 Pro, 15 Pro Max, 16, 16 Pro, 16 Pro Max, 16e und 17e: Apple-Intelligence-Funktionen, aber ohne die Möglichkeit, die Stimme der neuen Siri zu personalisieren, und ohne gleichzeitiges FaceTime-Streaming über Front- und Rückkamera.
- iPhone 11 bis iPhone 15, iPhone SE 2 und SE 3: das Funktions-Update ohne Apple Intelligence.
Damit ist die iPhone-Palette so zersplittert wie nie: Geräte ohne KI, Geräte mit KI und Geräte mit erweiterter Funktionalität. Besonders bitter für Käufer eines iPhone 15 Pro oder der 16er-Reihe, die eigentlich mit Fokus auf Apple Intelligence beworben wurde – auch sie bekommen nicht alles. Für Europa kommt hinzu, dass Apple die neue Sprachassistenz Siri AI vorerst nicht auf den Kontinent bringt. Das könnte sich noch ändern, wie schon bei der ersten Version von Apple Intelligence, die per Software-Update nachgereicht wurde.
Wer maximale Zukunftssicherheit will, könnte auf das Herbst-Aufgebot warten: Dem Vernehmen nach stellt Apple zunächst das iPhone 18 Pro und ein faltbares iPhone Ultra vor, bevor im Frühjahr iPhone Air 2, iPhone 18 und iPhone 18e folgen dürften. Allerdings dürfte Apple – wie zuvor bei Macs und iPads – die Chipkrise nutzen, um die Preise anzuheben.
KI im Kundenservice und in der Store-App
Apples KI-Offensive endet nicht bei der Hardware. Wie heise online im KI-Update berichtet, stellt der Konzern seinen Kundensupport in den USA teilweise auf KI um. Die offizielle Support-Hotline ist Medienberichten zufolge beim ersten Kontakt mit einer generativen KI besetzt, die möglichst viele Fragen direkt beantworten soll. Wer einen Menschen sprechen möchte, muss explizit danach fragen und unter Umständen warten. Das Ziel liegt auf der Hand: Apple will das Anrufvolumen in den Call-Centern senken. In Europa ist die Telefon-KI bislang nicht ausgerollt.
Parallel bekommt die Apple-Store-App auf dem iPhone einen KI-gestützten Einkaufsratgeber auf Basis eines Chatbots – zunächst als Vorschau-Version. Beide Schritte zeigen, wie stark Apple KI inzwischen auch in die eigenen Vertriebs- und Serviceprozesse verwebt, nicht nur in die Produkte.
Was sich beim Versand geändert hat
Eine praktische Änderung betrifft alle, die im Apple Online Store bestellen. Wie heise online meldet, haben Apple und UPS in Deutschland die Empfangsbedingungen verschärft – offenbar als Reaktion auf zunehmenden Sendungsdiebstahl. Neu ist, dass selbst bei geringwertigen Paketen ein Lichtbildausweis verlangt wird. Nutzer berichten, dass UPS-Boten inzwischen sogar Sendungen im Wert von nur 20 Euro nicht mehr ohne Ausweis herausrücken.
Das kann zum Problem werden, wenn niemand zu Hause ist: Auch Poststellen und Rezeptionen dürfen die Pakete dann nicht entgegennehmen, und ein telefonisches Bitten um Herausgabe wird abgelehnt. Apples zweiter Versanddienstleister, DHL Express, nimmt es laut Bericht weniger streng und liefert noch an Poststellen. Welcher Dienstleister kommt, erkennt man allerdings erst bei der Versandbenachrichtigung. Als Alternative bietet sich die Umleitung an einen UPS Access Point an – häufig kleine Läden oder Spätis, wo man das Paket mit Ausweis abholt. Wer sichergehen will, bestellt gleich in ein Abholgeschäft statt an die eigene Adresse.
Ein günstiges Angebot am Rande: AirTag im Viererpack
Wer ohnehin mehrere Gegenstände absichern möchte, findet aktuell ein attraktives Angebot. Golem berichtet, dass der AirTag der zweiten Generation im Viererpack bei Amazon auf 79,99 Euro gefallen ist – ein Rabatt von 33 Prozent auf die UVP von 119 Euro und laut Keepa-Preistracker der bisherige Amazon-Tiefstpreis. Das entspricht knapp 20 Euro pro Tracker.
Die zweite AirTag-Generation setzt laut Herstellerangaben vor allem auf bessere Ortung: verbessertes Ultrabreitband und Bluetooth-Chips sollen die Genaue Suche aus größerer Entfernung erlauben, die nun auch mit kompatiblen Apple-Watch-Modellen funktioniert. Der integrierte Lautsprecher ist laut Apple 50 Prozent lauter. Die Stromversorgung übernimmt weiterhin eine austauschbare CR2032-Knopfzelle mit über einem Jahr Laufzeit, der Schutz nach IP67 gegen Staub und Wasser bleibt. Voraussetzung ist ein kompatibles Apple-Gerät.
Was bedeutet das für dich?
Der Führungswechsel selbst ändert für den Alltag zunächst wenig – Ternus setzt erklärtermaßen auf Kontinuität. Konkret relevant sind die anderen Entwicklungen. So gehst du sie an:
- Mac-Kauf planen: Wenn du einen neuen Mac Mini oder Mac Studio willst, rechne mit wochenlangen Wartezeiten. Beim Mac Studio M5 Ultra mit 512 GB stand zuletzt nicht einmal ein Preis fest – erwarte hier frühestens Oktober.
- iPhone-Modell gezielt wählen: Ist dir Apple Intelligence in vollem Umfang wichtig, brauchst du iPhone Air, 17, 17 Pro oder 17 Pro Max. Das iPhone 17e und ältere Pro-Modelle bekommen nur den eingeschränkten Funktionsumfang.
- Realistisch bleiben in Europa: Die neue Siri AI kommt vorerst nicht nach Europa. Kaufe kein Gerät allein wegen eines Features, das hier noch nicht verfügbar ist.
- Warten abwägen: Wer Zeit hat, kann auf die kommende iPhone-Generation schielen – muss aber mit höheren Preisen wegen der Chipkrise rechnen. Refurbished-Geräte sind eine günstigere und nachhaltigere Alternative.
- Beim Bestellen vorsorgen: Nimm dir am Liefertag frei oder leite die Sendung direkt an einen menschlich besetzten UPS Access Point um. Am sichersten ist die Bestellung gleich in ein Abholgeschäft.
Häufige Fragen
Wer ist der neue Apple-CEO und was ändert sich?
Zum 1. September übernimmt John Ternus, bislang Hardware-Chef, den Posten von Tim Cook. Ternus gilt als Ingenieurstyp und setzt auf Kontinuität. Cook bleibt dem Konzern als Executive Chairman und Chefdiplomat erhalten. Kurzfristige Strategiewechsel sind daher nicht zu erwarten.
Warum sind Mac Mini und Mac Studio so schwer lieferbar?
Der Grund ist ein unerwartet starker Nachfrage-Boom durch lokale KI-Anwendungen. KI-Labore und Cloud-Anbieter kaufen die Rechner in großen Mengen. Gleichzeitig sind Speicherchips für Arbeitsspeicher und SSDs teuer und knapp, weil auch Chiphersteller wie Nvidia riesige Mengen abnehmen. Das führt zu wochenlangen Wartezeiten.
Bekommt mein älteres iPhone iOS 27 und Apple Intelligence?
iOS 27 läuft auf allen Geräten, die schon iOS 26 unterstützen – bis hinunter zum iPhone 11. Apple Intelligence gibt es aber erst ab dem iPhone 15 Pro. Den vollen Funktionsumfang, etwa personalisierte Siri-Stimme, erhalten nur iPhone Air, 17, 17 Pro und 17 Pro Max. Ältere Geräte bis iPhone 15, SE 2 und SE 3 bekommen nur das Basis-Update ohne KI.
Warum verlangt UPS bei Apple-Lieferungen jetzt einen Ausweis?
Apple und UPS haben in Deutschland die Empfangsbedingungen verschärft, offenbar wegen zunehmender Paketdiebstähle. Inzwischen wird laut Berichten selbst bei Sendungen im Wert von nur 20 Euro ein Lichtbildausweis kontrolliert. Poststellen und Rezeptionen dürfen solche Pakete nicht annehmen. Eine Umleitung an einen UPS Access Point oder die Bestellung in ein Abholgeschäft umgeht das Problem.
Lohnt sich das AirTag-Angebot im Viererpack?
Bei 79,99 Euro statt 119 Euro liegt der Stückpreis bei knapp 20 Euro – laut Preistracker der bisherige Amazon-Tiefstpreis. Die zweite Generation bietet laut Apple bessere Ortung, einen lauteren Lautsprecher und Unterstützung durch kompatible Apple Watches. Sinnvoll ist der Kauf vor allem, wenn du mehrere Gegenstände absichern willst und ein kompatibles Apple-Gerät nutzt.




