Ein paar Tage vor der iPhone-Keynote ordnet Apple die eigene Führung neu – und dieser Schritt wiegt langfristig schwerer als jede Produktvorstellung im September. Zum 1. September 2026 gibt Tim Cook den Posten des Vorstandsvorsitzenden ab. Sein Nachfolger heißt John Ternus, bislang verantwortlich für die Hardwareentwicklung des Konzerns und seit Jahren fester Bestandteil des Führungsteams.
Der Wechsel markiert das Ende einer Ära. Cook hat Apple 15 Jahre lang geführt, seit er die Rolle 2010 von Steve Jobs übernahm. Dass ausgerechnet ein Ingenieur mit Wurzeln in der Produktentwicklung übernimmt, lässt Beobachter über eine mögliche Neuausrichtung des Unternehmens spekulieren. Was hinter dem Wechsel steckt, wer Ternus ist und welche Produkte in den kommenden Wochen ohnehin anstehen – hier die Einordnung.
Der Wechsel an der Spitze im Detail
Laut einem Bericht von iFun.de vollzieht Apple die Übergabe zum 1. September. Cook verschwindet dabei nicht aus dem Unternehmen: Er wechselt in den Vorsitz des Verwaltungsrats. Diese Konstellation soll den Übergang erleichtern, weil der scheidende Chef sich weiter einbringen kann und institutionelles Wissen nicht abrupt verloren geht.
Genau dieser Punkt wird allerdings auch kritisch gesehen. Wenn ein langjähriger CEO ohne zeitlichen Abstand direkt in den Aufsichtsrat wechselt – und dort noch den Vorsitz übernimmt –, kann das den Handlungsspielraum des Nachfolgers einschränken. Reformen lassen sich schwerer durchsetzen, wenn der Vorgänger als Kontrollinstanz präsent bleibt. Für Apple bedeutet die Doppelrolle einen bewussten Kompromiss zwischen Kontinuität und Neuanfang.

Bemerkenswert ist das Timing. Apple stellt seine neuen iPhone-Modelle traditionell in der zweiten Septemberwoche vor – 2026 wird der 8. oder 9. September als Termin gehandelt. Indem der Konzern den Führungswechsel eine gute Woche davor abschließt, trennt er die personelle Weichenstellung sauber vom Produktspektakel. Der neue CEO startet also mit einem klaren Auftrag in seine erste große öffentliche Bühne.
Wer ist John Ternus?
John Ternus verantwortet bei Apple bislang die Hardwareentwicklung und zählt seit mehreren Jahren zum engeren Führungskreis. Damit übernimmt erstmals seit Steve Jobs wieder ein Manager die Spitze, dessen beruflicher Kern unmittelbar in der Produktentwicklung liegt – und nicht, wie bei Cook, in Operations und Lieferkettenmanagement.
Dieser Unterschied ist mehr als eine Randnotiz. Cook hat Apple über eine Dekade lang zu einem operativ und finanziell hocheffizienten Konzern geformt. Ternus dagegen kommt aus dem Maschinenraum der Produkte. Beobachter erwarten deshalb, dass sich die langfristige Ausrichtung des Unternehmens wieder stärker in Richtung Produktentwicklung verschieben könnte. Ob und wie schnell sich das bemerkbar macht, bleibt abzuwarten – strategische Neujustierungen bei einem Unternehmen dieser Größe brauchen Zeit.
Wichtig ist die Einordnung: Ein Wechsel des CEO-Charakters bedeutet keinen Bruch mit dem Erfolgsmodell. Apple funktioniert heute als eng verzahnter Apparat aus Hardware, Software und Services. Ternus erbt eine Maschine, die läuft – die Frage ist, welche Akzente er setzt.
Cooks Bilanz und der neue Verwaltungsratsvorsitz
An Cooks wirtschaftlicher Bilanz gibt es wenig zu deuteln. Unter seiner Führung ist Apple zu einem der wertvollsten Unternehmen der Welt aufgestiegen. Zugleich hat sich der Charakter des Konzerns während seiner 15 Jahre spürbar gewandelt – weg vom reinen Produktunternehmen, hin zu einem breiten Ökosystem mit stark wachsendem Servicegeschäft.
Als künftiger Vorsitzender des Verwaltungsrats bleibt Cook eine zentrale Figur. Diese Rolle verschafft ihm Einfluss auf die grundsätzliche Ausrichtung, ohne dass er das Tagesgeschäft steuert. Für Anleger dürfte die Kontinuität beruhigend wirken, für die interne Dynamik bringt sie – wie oben skizziert – auch Reibungspotenzial mit. Beides gehört zur Wahrheit dieses Übergangs.
Die Abschiedsfeier im Apple Park
Wenige Tage vor dem Wechsel hat Apple Cook bereits offiziell verabschiedet. Die interne Veranstaltung fand im Apple Park statt, dem ringförmigen Hauptquartier in Cupertino. Einem Bericht zufolge nahmen rund 200 Personen teil, überwiegend Mitarbeiter des Unternehmens. Für die Musik sorgte die US-Band OneRepublic, die im Innenhof des Gebäudes auftrat.

Zu Wort kamen mehrere Weggefährten, die Cook und Apple über viele Jahre begleitet haben. Darunter waren Laurene Powell Jobs, die Witwe von Steve Jobs, sowie Jeff Williams, der langjährige Apple-Manager, der im vergangenen Jahr in den Ruhestand gegangen war. Auch Services-Chef Eddy Cue und Nachfolger John Ternus sprachen bei der Feier. In sozialen Medien veröffentlichte Bilder des Konzerts wurden später wieder gelöscht.
Die Bühne war bewusst gewählt: Ein interner Rahmen mit geladenen Gästen unterstreicht, dass Apple den Wechsel als würdevolle Übergabe inszeniert – und nicht als abrupten Bruch.
Ternus' erster großer Auftritt im September
Seine Feuertaufe als Apple-Chef dürfte Ternus bei der iPhone-Keynote erleben. Der Termin fällt voraussichtlich auf den 8. oder 9. September, das genaue Datum könnte Apple kurzfristig bestätigen. Für den neuen CEO ist das eine ideale Startgelegenheit: eine eingespielte Produktshow, ein etabliertes Publikum und ein Format, das Apple seit Jahren beherrscht.
Interessant wird sein, welche Rolle Ternus persönlich einnimmt. Als früherer Hardwarechef kennt er die vorgestellten Produkte bis ins Detail. Ein CEO, der die Technik hinter den Geräten aus erster Hand erklären kann, sendet ein anderes Signal als ein reiner Manager. Ob sich das im Auftreten niederschlägt, zeigt sich am Keynote-Tag.
Neue Macs stehen ohnehin an: iMac M6 noch 2026
Während das iPhone im September die Schlagzeilen dominiert, müssen sich Mac-Interessenten etwas länger gedulden. Mit Blick auf die Vorstellungen der vergangenen Jahre erscheint eine Ankündigung im Oktober oder November wahrscheinlich. Offen ist, ob Apple dafür eine ausführliche Präsentation aufsetzt oder die Geräte schlicht über den hauseigenen Newsroom ankündigt – das dürfte vom Umfang der Neuerungen abhängen.
Zu den erwarteten Kandidaten zählt der iMac. Laut einem iFun.de-Bericht, der sich auf Bloomberg stützt, soll noch in diesem Jahr ein neues Modell mit M6-Prozessor erscheinen und auch in den Handel kommen. Große Überraschungen sind dabei nicht zu erwarten: Das schlanke Aluminiumgehäuse aus dem Jahr 2023 bleibt, hinzu kommen wohl neue Farbvarianten. Aktuell bietet Apple den iMac in Blau, Violett, Pink, Orange, Gelb, Grün und Silber ab 1.799 Euro an.
Wo der iMac zuletzt stand
Ein Blick auf die Historie ordnet das Update ein. Zuletzt hatte Apple den All-in-One-Rechner im November 2024 auf den M4-Chip gehoben. Ein Jahr zuvor kam der M3, davor lief der iMac rund zweieinhalb Jahre mit dem M1. Der Sprung auf M6 wäre damit ein regulärer Generationswechsel – mehr Leistung, keine Revolution.
In den Leserkommentaren zeigt sich eine hartnäckige Wunschliste: Viele Nutzer vermissen ein größeres Modell mit 27 oder 32 Zoll und höheren Bildwiederholraten. Der 24-Zoll-iMac ist manchen schlicht zu klein. Als Alternative greifen sie zur Kombination aus Mac mini und externem Monitor. Ob Apple diese Nachfrage bedient, ist offen – die Berichte deuten vorerst auf ein Update im bestehenden Formfaktor hin.
Mehr als nur der iMac
Denkbar ist, dass Apple ein solches Herbst-Event für weitere Produkte nutzt. Genannt werden längst erwartete neue HomePods und Smarthome-Geräte. Auch ein neuer Mac mini war zuletzt Thema und soll laut Berichten früher als erwartet erscheinen. Zudem kursieren Hinweise auf einen iMac M6 hinaus reichenden Fahrplan, der ebenfalls noch 2026 weitere Macs bringen könnte. Wer auf ein Update wartet, sollte den Herbst also im Blick behalten.
Wachsende Konkurrenz: Xiaomis Xring O3
Der Führungswechsel fällt in eine Phase, in der Apples technischer Vorsprung nicht mehr selbstverständlich ist. Ausgerechnet bei den Chips – lange eine Apple-Domäne – macht die Konkurrenz Druck. Xiaomi hat mit dem Xring O3 ein eigenes System-on-Chip für Smartphones offiziell vorgestellt, das laut Golem.de Apple und Qualcomm bei der Rohleistung überholen soll.
Die genannten Benchmark-Werte sind ambitioniert: Im Geekbench soll der O3 auf 3.945 Punkte im Single-Core und 15.000 Punkte im Multi-Core kommen – damit läge er vor Apples A19 Pro und Qualcomms Snapdragon 8 Elite Gen5. Die Grafikeinheit soll 85 Prozent schneller sein als beim Vorgänger. Technisch setzt Xiaomi auf ARMs aktuelle Lumex-CSS-Plattform mit C1-Kernen in drei Leistungsklassen, dazu eine Mali-G1-GPU mit 16 Kernen und als erstes Smartphone-SoC überhaupt auf LPDDR6-Speicher. Gefertigt wird der Chip in einem 3-nm-Prozess, vermutlich TSMCs N3P.
Solche Ankündigungen sind mit Vorsicht zu genießen – Herstellerangaben und Benchmark-Zahlen bilden nicht automatisch die reale Alltagsleistung ab, und Apples Stärke liegt seit jeher in der Verzahnung von Chip, Betriebssystem und Ökosystem. Dennoch zeigt der Vorstoß, dass Apple im Kernbereich Silizium nicht mehr uneinholbar vorn liegt. Für den neuen CEO mit Hardware-Hintergrund ist das ein passendes Signal: Der technische Wettbewerb zieht an.
Auch in Bestenlisten deutscher Fachmedien ist Apple längst nicht mehr immer Nummer eins. In einem heise-Vergleich kompakter Smartphones bis 6,3 Zoll setzt sich Xiaomi vor Apple. Das ist ein Segment, in dem Apple mit dem iPhone traditionell stark aufgestellt ist – umso bemerkenswerter ist das Ergebnis.
Was bedeutet das für dich?
Der CEO-Wechsel ändert für dich als Nutzer kurzfristig wenig – die Produkte, das Ökosystem und der Support laufen unverändert weiter. Mittel- bis langfristig könnte ein Chef mit Produktfokus jedoch die Prioritäten verschieben. Konkret solltest du Folgendes im Blick behalten:
- Kaufzeitpunkt beim iMac: Wenn du ohnehin einen neuen iMac planst und nicht dringend jetzt kaufen musst, lohnt das Warten auf das M6-Modell im Oktober oder November. Große Design-Änderungen sind nicht zu erwarten, aber der neuere Chip verlängert die Nutzungsdauer.
- Schnäppchen beim Auslaufmodell: Steht ein Nachfolger vor der Tür, sinken erfahrungsgemäß die Preise für das aktuelle M4-Modell – auch im Refurbished-Handel. Wer die letzte Chip-Generation nicht braucht, kann so sparen.
- iPhone-Keynote abwarten: Die neuen iPhones kommen voraussichtlich am 8. oder 9. September. Vor einem Neukauf lohnt es sich, die Vorstellung abzuwarten und die neuen Modelle mit den Vorgängern zu vergleichen.
- Konkurrenz ernst nehmen: Apple ist nicht mehr automatisch technischer Spitzenreiter. Wer offen für andere Plattformen ist, sollte aktuelle Tests von Xiaomi, Samsung und Co. in die Kaufentscheidung einbeziehen – gerade bei Chipleistung und Kamera.
- Smarthome-Pläne aufschieben: Wenn du auf neue HomePods oder Apple-Smarthome-Geräte spekulierst, könnte ein Herbst-Event Bewegung bringen. Ein größerer Kauf lässt sich womöglich sinnvoll verschieben.
Häufige Fragen
Wann übernimmt John Ternus offiziell den CEO-Posten?
Der Wechsel erfolgt zum 1. September 2026. Ab diesem Datum ist John Ternus Vorstandsvorsitzender von Apple und löst Tim Cook ab, der die Rolle 15 Jahre lang innehatte.
Was macht Tim Cook nach seinem Rücktritt als CEO?
Cook verlässt Apple nicht, sondern wechselt in den Vorsitz des Verwaltungsrats. In dieser Position kann er sich weiter in strategische Fragen einbringen und den Übergang begleiten, ohne das operative Tagesgeschäft zu steuern.
Wann kommt der neue iMac mit M6-Chip?
Berichte, die sich auf Bloomberg stützen, gehen davon aus, dass der iMac mit M6-Prozessor noch 2026 vorgestellt wird und auch in den Handel kommt. Wahrscheinlich ist eine Ankündigung im Oktober oder November. Bis auf den neuen Chip und mögliche zusätzliche Farben sind keine großen Änderungen zu erwarten; das schlanke Aluminiumgehäuse von 2023 bleibt.
Ist Xiaomis Xring O3 wirklich schneller als Apples Chip?
Nach den von Xiaomi genannten Geekbench-Werten – rund 3.945 Punkte im Single-Core und 15.000 im Multi-Core – läge der O3 vor Apples A19 Pro und Qualcomms Snapdragon 8 Elite Gen5. Diese Zahlen stammen jedoch vom Hersteller und bilden nicht zwangsläufig die reale Alltagsleistung ab. Apples Stärke liegt zudem im Zusammenspiel von Chip, Software und Ökosystem, das reine Benchmark-Werte nicht abbilden.
Ändert der CEO-Wechsel etwas an meinen Apple-Geräten?
Für bestehende Geräte, Software-Updates und den Support ändert sich unmittelbar nichts. Der Wechsel ist eine strategische Personalentscheidung. Ob sich langfristig die Produktausrichtung verschiebt, weil mit Ternus ein Manager mit Hardware-Hintergrund übernimmt, wird sich erst über mehrere Produktgenerationen zeigen.




