Es waren zwei Tage, an denen sich zeigte, wie eng Hardware, KI-Strategie und Politik inzwischen ineinandergreifen. Apple drängt seine Macs als Plattform für lokale KI-Modelle nach vorne und findet dabei ausgerechnet mit Meta zusammen – jenem Konzern, mit dem man sich jahrelang öffentlich bekriegt hatte. Gleichzeitig tauchte eine Spenderliste auf, die belegt, wie viel Geld große Tech-Konzerne in ein Prestigeprojekt von Donald Trump stecken.

Daneben gab es handfeste Produktnachrichten: einen neuen HomePod, dem die wichtigste KI-Funktion in der EU fehlt, eine 3D-Videokonferenz zum Preis eines Kleinwagens und neue Meta-Nutzungsbedingungen, die Verlagen und Unternehmen kaum eine Wahl lassen. Der Reihe nach.

Apple und Meta führen ein riesiges KI-Modell lokal auf Macs aus

Die vielleicht überraschendste Meldung: Apple und Meta haben eine Zusammenarbeit im KI-Bereich bekannt gegeben. Im Zentrum steht Metas Open-Weight-Modell Muse Spark Open, das für die beschleunigte Ausführung auf Apple-Hardware optimiert wurde und sich etwa über Hugging Face ohne zusätzliche Konfiguration herunterladen lässt. Es ist nicht Metas stärkstes Modell, taugt aber laut beiden Unternehmen für Programmierarbeiten, Videoanalysen und agentenbasierte Aufgaben.

Der entscheidende Punkt ist das lokale Rechnen. Das Modell läuft vollständig auf der eigenen Hardware, ohne Cloud-Server – das bedeutet mehr Datensicherheit und spart laufende Kosten. Der Haken steckt in den Anforderungen: Nötig sind laut Golem zwei bis vier Mac-Studio-Rechner mit M5-Ultra-Chip und jeweils 256 GB Arbeitsspeicher, die über Thunderbolt 5 und Apples MLX-Framework gekoppelt werden. Eine solche Konfiguration kostet in Deutschland mehr als 10.000 Euro pro Rechner.

iFun beschreibt den technischen Hintergrund etwas anders: Muse Spark Open habe 816 Milliarden Parameter, von denen pro Anfrage rund 42 Milliarden gleichzeitig genutzt würden. Der große, von Prozessor und Grafikchip gemeinsam nutzbare Arbeitsspeicher ist vor allem deshalb wichtig, weil die Modelldaten schnell abrufbar sein müssen. Vier Mac Studios sollen laut Apples technischem Bericht mehr als 36 Tokens pro Sekunde erzeugen. Meta stellt die Modellgewichte zum Download bereit, schränkt die kommerzielle Nutzung aber ein.

Für beide Seiten ist das strategisch bedeutsam. Nachdem Mark Zuckerberg und der frühere Apple-Chef Tim Cook sich jahrelang angefeindet hatten – ein Tiefpunkt war 2021, als eine Apple-Datenschutzänderung Meta rund 10 Milliarden US-Dollar an Werbeeinnahmen kostete –, findet der neue Apple-CEO John Ternus in der KI eine gemeinsame Basis. Für Meta ist es ein Vertrauensbeweis in die neue KI-Strategie unter KI-Chef Alexandr Wang, für Apple eine Demonstration, dass die eigenen Chips gegenüber Nvidia aufholen. Für Privatnutzer bleibt die Hardware vorerst schlicht zu teuer.

Apple zahlt 25 Millionen Dollar für Trumps Ballsaal

Eine der Washington Post vorliegende Spenderliste legt offen, wer den Bau des neuen Ballsaals im Weißen Haus finanziert. Apple steuert offenbar 25 Millionen Dollar bei und ist damit gemeinsam mit Nvidia der größte private Geldgeber des von US-Präsident Donald Trump vorangetriebenen Projekts. Google folgt mit 22 Millionen Dollar, Microsoft und Palantir mit jeweils 10 Millionen, Comcast NBCUniversal mit 7,5 Millionen. Amazon, Meta, Cisco, T-Mobile und Coinbase sind mit jeweils 5 Millionen Dollar dabei.

Mehr als die Hälfte der Gesamtkosten soll aus öffentlichen Mitteln stammen, den Rest tragen private Spender. Die Zahlungen laufen über eine gemeinnützige Organisation und dann auf ein Konto des Weißen Hauses, wobei offenbar andere Transparenzvorschriften gelten als für klassische Wahlkampfspenden. Eine detaillierte Aufstellung hatte die US-Regierung bis dahin nicht veröffentlicht; die Veröffentlichung der Liste sorgte intern für Unmut, das Weiße Haus kündigte Schritte gegen die Verantwortlichen an.

Apple stand wegen seiner Nähe zu Trump schon mehrfach in der Kritik. Die Episode reiht sich ein in frühere Gesten wie ein Goldgeschenk im Vorjahr. In den Leserkommentaren schlug die Stimmung entsprechend um – der Vorgang trifft einen Nerv bei einer Nutzerschaft, die Apple einst andere Werte zuschrieb.

HomePod Mini 2: mehr Technik, aber Siri AI fehlt in der EU

Apple hat den HomePod Mini 2 vorgestellt. Äußerlich bleibt alles beim Alten – eine handtellergroße Kugel mit Touch-Oberfläche. Im Inneren steckt nun Apples S10-Chip, der Lautsprecher liefert 360-Grad-Sound und optimiert über Computational Audio Dynamik und Lautstärke in Echtzeit. Neu sind die Standards Wi-Fi 6E und Bluetooth 6 statt der betagten Wi-Fi-4- und Bluetooth-5-Technik der ersten Generation von 2020.

Dazu kommen Funktionen wie "Sound Glow", bei der die Lautsprecher synchron zur Musik pulsieren, eine Geräuscherkennung für Alarmsignale von Rauchmeldern sowie die Option, vier Geräte zusammen mit dem neuen Apple TV 4K als Surround-System zu nutzen. Als Smart-Home-Hub arbeitet der HomePod Mini 2 mit Türschlössern oder Thermostaten zusammen.

Der große Wermutstropfen betrifft die KI. Siri AI ist auf dem neuen Gerät weiterhin nicht verfügbar – und das liegt am Digital Markets Act. Laut Apple hätten die EU-Regulierungsbehörden in den vergangenen Monaten keinen der vorgelegten Lösungsvorschläge akzeptiert, weshalb Siri AI nicht wie geplant mit iOS 27 und iPadOS 27 starten könne. Einen Zeitplan für die EU nennt Apple nicht.

Preislich hat Apple deutlich zugelegt: Der HomePod Mini 2 kostet 169 Euro, Vorbestellungen laufen, die Auslieferung beginnt am 30. Oktober 2026. Zum Vergleich: Die erste Generation startete 2020 bei 99 Euro. Wer bereits ein älteres Modell besitzt, kann es weiter für Musik, AirPlay, klassische Siri und Smart-Home nutzen – eine Neuanschaffung des Vorgängers lohnt sich laut t3n kaum. Als günstigere Alternative nennt die Redaktion Amazons Echo Dot für 89,99 Euro, der mit Alexa Plus bereits eine KI-Assistenz bietet, aber kein vollwertiger Ersatz ist.

Meta zwingt Webseiten zum KI-Scraping

Parallel sorgte Meta mit einer Aktualisierung seiner Nutzungsbedingungen für kommerzielle Konten für Aufsehen. Wie Golem unter Berufung auf den Niemannlab der Harvard-Universität berichtet, erteilen Nutzer geschäftlicher Konten auf Facebook, Instagram oder WhatsApp dem Konzern damit die Erlaubnis, Web-Scraper, Bots und Crawler einzusetzen. Meta darf so Inhalte von Webseiten erfassen, die mit diesen Unternehmenskonten verknüpft sind – und sie explizit für das Training eigener KI-Produkte verwenden.

Da praktisch jedes Medienhaus mindestens ein Meta-Geschäftskonto betreibt, sind Nachrichtenverlage unmittelbar betroffen. Eine selektive Opt-out-Möglichkeit vor dem Stichtag gibt es nicht: Meta stellt Betreiber vor die Wahl, den Bedingungen zuzustimmen oder die geschäftliche Nutzung der Plattformen vor dem 30. Oktober 2026 einzustellen. Rechtsexperten vergleichen diese Kopplung mit kartellrechtlich bedenklichen Praktiken und ziehen Parallelen zu Google.

Besonders kritisch sehen Juristen die Erlaubnis, Testzugangsdaten zu erstellen – technisch ließen sich damit Registrierungsschranken umgehen. Ein Meta-Sprecher verwies zwar darauf, dass Betreiber den Zugriff über die robots.txt regeln könnten, doch Juristen bezweifeln, ob das greift, wenn Meta argumentiert, vertraglich akzeptierte Bedingungen hätten Vorrang. Dass der Konzern zeitgleich über Meta One beginnt, das Teilen externer Links für manche Konten kostenpflichtig zu machen, verschärft die Lage: Gebühren fürs Verlinken, kostenloser Zugriff per Scraping.

Google Beam: 3D-Videokonferenz, die echt wirkt – für 35.000 Euro

Golem konnte in München HP Dimension mit Google Beam ausprobieren. Das System stellt Gesprächspartner dreidimensional dar, ohne dass eine Brille nötig ist. Gesicht, Schultern und Hände bekommen glaubwürdige räumliche Tiefe, kleine eigene Kopfbewegungen verändern die Perspektive – der Eindruck ähnle eher einem Blick durch ein Fenster als einem Bildschirmgespräch.

Technisch kombiniert Beam sechs im Bildschirmrahmen integrierte Kameras, KI-Modelle in der Google Cloud und ein 65 Zoll großes Lightfield-Display mit 8K-Auflösung. Die Kameras nehmen aus unterschiedlichen Blickwinkeln auf, in der Cloud wird daraus in Echtzeit eine räumliche Darstellung rekonstruiert, inklusive Hintergrund und Schattenwurf. Trotz der aufwendigen Berechnung genügen laut HP je 50 MBit/s für Up- und Download. Die Grundlage bildet Googles Forschungsprojekt Starline von 2021, das nach über einem Jahrzehnt zum Produkt wurde. Seit Mitte Oktober 2026 wird das System auch in Deutschland angeboten – zum Preis von rund 35.000 Euro.

Was das für dich bedeutet

  • Lokale KI auf dem Mac bleibt Profi-Terrain. Die Apple-Meta-Kooperation zeigt, wohin die Reise geht, doch mit Hardwarekosten im fünfstelligen Bereich ist sie nichts für Privathaushalte. Realistischer sind laut Diskussionen kleinere Modelle, die bereits auf einem Mac mit deutlich weniger Arbeitsspeicher laufen.
  • Beim HomePod Mini 2 solltest du genau rechnen. Für 169 Euro bekommst du besseren Chip und neue Funkten, aber die beworbene Siri AI fehlt in der EU auf unbestimmte Zeit. Wenn dir diese KI-Funktion wichtig ist, kaufst du im Moment ein Gerät, das sein zentrales Versprechen hier nicht einlöst.
  • Wenn du ein Meta-Geschäftskonto betreibst, prüfe die neuen Bedingungen. Ab 30. Oktober 2026 willigst du faktisch ins KI-Scraping deiner verknüpften Webseiten ein. Ein selektives Opt-out gibt es nicht – nur Zustimmung oder Rückzug aus der geschäftlichen Nutzung.
  • Apples Trump-Spende ist eine Frage der Haltung, nicht der Technik. Am Produkt ändert sich nichts, wohl aber am Markenbild. Wer das kritisch sieht, kann das beim nächsten Kauf einpreisen – echte Alternativen im Apple-Ökosystem gibt es jedoch kaum.
Kurz beantwortet

Häufige Fragen

Warum braucht Metas Muse Spark Open so viel Mac-Hardware?

Das Modell ist mit 816 Milliarden Parametern sehr groß. Zwar nutzt es pro Anfrage nur rund 42 Milliarden gleichzeitig, doch die gesamten Modelldaten müssen schnell abrufbar im Arbeitsspeicher liegen. Deshalb sind laut den Berichten zwei bis vier Mac-Studio-Rechner mit M5-Ultra-Chip und sehr großem, gemeinsam von Prozessor und Grafikchip genutztem Arbeitsspeicher nötig, die über Thunderbolt 5 und Apples MLX-Framework die Rechenlast aufteilen.

Bekomme ich Siri AI auf dem HomePod Mini 2 in Deutschland?

Vorerst nicht. Apple begründet das mit dem Digital Markets Act: Die EU-Regulierungsbehörden hätten keinen der vorgelegten Lösungsvorschläge akzeptiert, weshalb Siri AI nicht wie geplant mit iOS 27 und iPadOS 27 starten könne. Ein Zeitplan für die EU wurde nicht genannt. Musik, AirPlay, die klassische Siri und die Smart-Home-Steuerung funktionieren aber normal.

Kann ich das Meta-Scraping meiner Inhalte verhindern?

Ein selektives Opt-out vor dem Stichtag am 30. Oktober 2026 sieht Meta nicht vor. Entweder stimmst du den Bedingungen zu oder du stellst die geschäftliche Nutzung der Plattformen vorher ein. Meta verweist auf die robots.txt als Steuerungsmöglichkeit, doch Juristen bezweifeln, ob diese technische Sperre greift, wenn Meta vertraglich akzeptierte Geschäftsbedingungen als vorrangig betrachtet.

Lohnt sich Google Beam schon für normale Unternehmen?

Für die meisten kaum. Die 3D-Darstellung ohne Brille wirkt laut dem Golem-Ausprobieren überzeugend, doch HP Dimension mit Google Beam kostet rund 35.000 Euro. Das System richtet sich damit an große Firmen mit hohem Bedarf an besonders realistischen Meetings, nicht an den breiten Markt.