Meta hat auf seiner Hausmesse Connect 2026 eine ganze Reihe neuer Brillen vorgestellt und dabei klargemacht, wohin der Konzern seine Hardware-Strategie steuert: weg vom klobigen VR-Headset, hin zu Geräten, die aussehen wie eine normale Brille. Im Zentrum stehen erweiterte Funktionen für die Meta Ray-Ban Display, eine ultraleichte VR-Brille mit rund 100 Gramm Gewicht sowie eine breit aufgefächerte Modellpalette aus Audio-Glasses und AI-Brillen.

Für den deutschsprachigen Raum ist vor allem eine Nachricht relevant: Die Ray-Ban Display, bislang auf die USA beschränkt, kommt nun auch nach Deutschland. Damit rückt eine Gerätekategorie näher, die hierzulande seit Monaten für Datenschutzdebatten sorgt. Zeitgleich weitet Meta seinen KI-Assistenten aus und bindet Partner wie Spotify ein. Ein Überblick über das, was die Quellen zur Connect 2026 melden.

Meta Ray-Ban Display: Neue Funktionen und Deutschland-Start

Die Ray-Ban Display ist Metas Datenbrille mit eingebautem Bildschirm im Sichtfeld, gesteuert über ein EMG-Armband. Auf der Connect kündigte das Unternehmen mehrere Software-Neuerungen an, die den Alltagsnutzen erhöhen sollen. Am auffälligsten ist die Hologramm-Funktion für Videoanrufe. Dabei erstellt die Meta-AI-App über einen kurzen Selbstscan eine fotorealistische digitale Version des eigenen Gesichts. Beim Telefonieren sieht der Gesprächspartner dann diese Nachbildung, ohne dass man ein Smartphone vor sich halten muss.

Das Besondere: Das Hologramm wird laut Golem vollständig über die Stimme gesteuert. Die KI leitet den passenden Gesichtsausdruck dynamisch aus dem Gesagten und der Stimmlage ab. Wer beim Kochen mit der Familie telefoniert, kann so die Hände frei behalten und wird trotzdem als bewegtes Gesicht angezeigt. Meta will die Funktion ab Herbst 2026 im Early Access über WhatsApp ausrollen, zunächst nur für Nutzer in den USA.

Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf der freihändigen Navigation. Die Brille bietet künftig Abbiegehinweise für Radfahrer sowie Echtzeit-Informationen zu Abfahrten im öffentlichen Nahverkehr, angezeigt direkt im Display. Diese Funktionen sollen laut Meta Newsroom noch im September in den USA und Kanada starten.

Interessanter ist die überarbeitete Fußgänger-Navigation. Statt nur auf Straßennamen zu verweisen, orientieren sich die Hinweise künftig an der sichtbaren Umgebung. Die Brille sagt also eher "links am gelben Haus abbiegen" als "links in die Dritte Straße". Für eine kopfbasierte Anzeige ist das ein sinnvoller Ansatz, weil man Straßenschilder oft gar nicht sieht, die Umgebung aber schon.

Weitere Neuerungen

Meta ergänzt außerdem eine On-Glasses-App namens Explore, über die sich neue Erlebnisse und Lernangebote direkt auf der Brille entdecken lassen. Der Kalender wird mächtiger: Man sieht Teilnehmer eines Termins, kann Einladungen annehmen oder ablehnen und Meetings beitreten. Dazu kommen gespiegelte Smartphone-Benachrichtigungen im Sichtfeld sowie der Zugriff auf kuratierte Community-Feeds von Threads. Als erstes Verbrauchergerät soll die Brille zudem Videos mit räumlichem Surround-Sound in Dolby Atmos aufnehmen können.

Wichtig für die Region: Meta weitet die Verfügbarkeit der Ray-Ban Display auf Großbritannien, Kanada, Frankreich, Italien und Deutschland aus. In den USA, Kanada und Großbritannien startet der Verkauf sofort, in Frankreich, Italien und Deutschland ist die Brille laut Herstellerangaben ab dem 13. Oktober 2026 erhältlich. Vorbestellungen beginnen schrittweise. Sehstärken-Gläser gibt es in Frankreich und Italien ab dem 13. Oktober über Essilor-Luxottica-Geschäfte, in Deutschland erst später im Jahr.

Meta VR Glasses: Virtual Reality im Brillenformat

Die größte Hardware-Überraschung ist eine völlig neue VR-Brille. Die Meta VR Glasses wiegen laut Meta nur rund 100 Gramm, etwa so viel wie ein Kartenspiel, und sind damit fünfmal leichter als eine Meta Quest 3. Möglich macht das ein zweiteiliges System: Die Brille selbst beherbergt Sensoren und Display, während ein per optischem Kabel verbundener Puck die Rechenleistung, den Akku und den Speicher übernimmt. Der Puck lässt sich in die Tasche stecken.

Technisch fährt Meta auf: Ein 5K Infinite Display auf Basis von Micro-OLED-Panels liefert 37 Pixel pro Grad, was vor allem die Lesbarkeit von Text verbessern soll. Kompakte Pancake-Linsen sorgen dafür, dass das Gerät überhaupt wie eine Brille aussieht. Unterstützt werden Dolby Vision für die Bildqualität und Dolby Atmos für den Ton, direkt in den Rahmen integriert. Angetrieben wird das Ganze von Qualcomms neuem Snapdragon Reality Elite. Der Puck-Akku hält bis zu drei Stunden bei hochauflösender Medienwiedergabe und lädt mit 45 Watt.

Kino, Sport und Arbeit

Meta positioniert die VR Glasses ausdrücklich als Alltagsgerät für mehrere Szenarien. Es ist nach Angaben des Unternehmens das erste IMAX-Enhanced-zertifizierte VR-Gerät. Ab November sollen Disney+-Abonnenten in ausgewählten Ländern Filme wie Marvels The Avengers oder Black Panther in 3D streamen können, teils in themenbezogenen Umgebungen. Als Partner nennt Meta unter anderem Prime Video, YouTube, DIRECTV, AMC+, Crunchyroll, ESPN und Tubi. Peacock, HBO Max und Paramount+ bringen ihre 3D-Kataloge erstmals ein. Mit Regisseur James Cameron und Lightstorm Vision will Meta 2027 erstmals Blockbuster in 3D zeigen.

Für Sportfans gibt es "Immersive Sports" mit Sitzplatz in der ersten Reihe, 8K-Streaming und 180-Grad-Ansichten. Meta verspricht über 100 immersive Live-Sportereignisse pro Jahr, unter anderem mit MLB, NBC Sports, TNT Sports und UFC. Zum Arbeiten verwandelt die Brille jede flache Oberfläche in eine Tastatur samt Touchpad und blendet mehrere virtuelle Bildschirme ein. Dank Farb-Passthrough bleibt der Schreibtisch samt Handy sichtbar. Zum Start sind über 75 Spiele nur per Handgesten spielbar, über Xbox Cloud Gaming kommen hunderte weitere hinzu.

Auch die Hologramm-Technik hält hier Einzug: Für Videoanrufe erscheint das Gegenüber als fotorealistische 3D-Nachbildung im Raum, mit räumlichem Ton am passenden Ort. Das funktioniert app-übergreifend, von WhatsApp bis Zoom. Die Meta VR Glasses erscheinen laut Meta im Frühjahr 2027 zum Preis von 1.299,99 US-Dollar. Die Kollegen von heise online konnten das Gerät bereits ausprobieren.

Ray-Ban Meta Audio und die neue Modellpalette

Neben den Display- und VR-Brillen verbreitert Meta seine Palette an AI-Glasses deutlich. Bis Jahresende will das Unternehmen über 100 verschiedene Brillenvarianten anbieten, verteilt auf Ray-Ban, Oakley und die Eigenmarke Meta Glasses. Neu ist die Ray-Ban Meta Audio, Metas erste reine Audio-Brille. Mit 43 Gramm ist sie die leichteste AI-Brille des Herstellers und verzichtet auf eine Kamera. Sie kombiniert Kopfhörer-Funktion mit KI-Assistent, hält bis zu 12 Stunden mit einer Ladung durch und kommt mit einem Ladecase auf bis zu 48 zusätzliche Stunden. Erhältlich in 23 Farb- und Glaskombinationen ab 349 US-Dollar, Auslieferung ab dem 13. Oktober.

Die Ray-Ban Meta (Gen 3) ist die dritte Generation der meistverkauften AI-Brille. Sie bekommt ein schlankeres Design, bis zu neun Stunden Akkulaufzeit (eine Stunde mehr als Gen 2) und einen neuen konfigurierbaren Action-Button für den Direktzugriff auf Meta AI. Ein Sechs-Mikrofon-Array filtert nach Herstellerangaben mehr als 90 Prozent der Hintergrundgeräusche. Die 12-Megapixel-Kamera nimmt 3K-Ultra-HD-Videos auf. Wie bei allen Generationen zeigt eine eingebaute LED an, wenn gefilmt oder fotografiert wird. Preise starten bei 449 US-Dollar.

Die Eigenmarke Meta Glasses wächst um die Stile Capri und Nova, eine Kylie-Jenner-Variante in der Farbe Ivory sowie eine Kollektion mit dem Star LISA. Mit dem neuen Meta Adventurer ab 249 US-Dollar bietet Meta seine bislang günstigste Variante an. Neue Märkte kommen hinzu, darunter Singapur, Südkorea, Mexiko und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Muse: Der KI-Agent und die Rolle von Spotify

Ein roter Faden durch alle Ankündigungen ist Metas persönlicher KI-Agent Muse. Er soll Aufgaben abnehmen, an Termine erinnern und langfristige Ziele in Handlungspläne übersetzen, alles freihändig über die Brille. Muse öffnet sich dabei für externe Dienste. Spotify hat als einer der ersten Partner erklärt, wie die Anbindung funktioniert: Über Muse lassen sich Musik abspielen, Songs speichern, Playlists erstellen sowie Bücher und Podcasts finden, komplett per Sprache.

Ein Beispiel aus der Spotify-Ankündigung: Vor einem Roadtrip lässt sich über Muse eine Fahr-Playlist erstellen, die passend zum Ziel zusammengestellt und automatisch gestartet wird, sobald man losfährt. Ebenso kann der Agent zeitgesteuert die Workout-Playlist zum morgendlichen Lauf abspielen oder während einer geblockten Fokuszeit im Kalender die Konzentrations-Musik einschalten. Um Spotify mit Muse zu verknüpfen, verweist der Dienst auf die Adresse muse.ai.

Datenschutz bleibt das große Fragezeichen

So ausgereift die Hardware wirkt, die Debatte um Datenschutz begleitet Metas Kamerabrillen weiter. Golem verweist darauf, dass die smarten Brillen in mehreren Ländern, darunter Deutschland, eine breite Diskussion ausgelöst haben, weil sie sich auch für unbemerkte Aufnahmen nutzen lassen. Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte kam in einer Untersuchung zu dem Schluss, dass sich die Geräte rechtssicher im Alltag kaum benutzen lassen. In den USA hat die Einwanderungsbehörde ICE private Datenbrillen sogar verboten und stuft sie als Body-Cams ein.

Meta setzt als sichtbare Gegenmaßnahme weiterhin auf eine LED, die aufleuchtet, wenn die Kamera aktiv ist. Ob das im Alltag ausreicht, ist umstritten, gerade weil das Signal für Umstehende leicht zu übersehen ist. Bemerkenswert ist deshalb, dass parallel Alternativen entstehen: Das Start-up Vonder zeigte laut heise online Smart Glasses, die bewusst auf Kamera und Display verzichten, um genau diese Bedenken auszuräumen. Auch Metas neue Ray-Ban Meta Audio setzt auf ein kameraloses Konzept.

Was bedeutet das für dich?

Wenn du in Deutschland mit dem Gedanken spielst, eine Meta-Brille zu kaufen, lohnt sich ein nüchterner Blick auf deine Situation:

  • Verfügbarkeit prüfen: Die Ray-Ban Display ist in Deutschland laut Meta ab dem 13. Oktober 2026 erhältlich, mit Verkaufsstellen unter anderem in Frankfurt, Hamburg und München. Vorbestellungen starten schrittweise.
  • Kamera oder nicht: Wenn dir Datenschutz wichtig ist oder du die Brille auch im beruflichen Umfeld tragen willst, ist eine kameralose Variante wie die Ray-Ban Meta Audio (ab 349 US-Dollar) die unkompliziertere Wahl.
  • Funktionen realistisch einschätzen: Viele Highlights wie die Hologramm-Anrufe starten zunächst nur in den USA und über WhatsApp im Early Access. Rechne nicht damit, dass zum Deutschland-Start alle Features sofort verfügbar sind.
  • Auf VR warten: Die Meta VR Glasses kommen erst im Frühjahr 2027 und kosten 1.299,99 US-Dollar. Wer heute in VR einsteigen will, ist mit der bestehenden Quest-Reihe günstiger unterwegs.
  • Rechtslage beachten: Aufnahmen anderer Personen ohne deren Wissen sind in Deutschland heikel. Die Kritik der Datenschutzbehörden solltest du ernst nehmen, bevor du die Brille im öffentlichen Raum einsetzt.
Kurz beantwortet

Häufige Fragen

Wann kommt die Meta Ray-Ban Display nach Deutschland?

Laut Meta ist die Ray-Ban Display in Deutschland ab dem 13. Oktober 2026 verfügbar. Vorbestellungen beginnen schrittweise bereits vorher. Sehstärken-Gläser über Essilor-Luxottica-Geschäfte sollen in Deutschland erst später im Jahr folgen.

Was macht die Hologramm-Funktion genau?

Nach einem kurzen Selbstscan in der Meta-AI-App erstellt die Software eine fotorealistische digitale Version deines Gesichts. Bei Videoanrufen sieht dein Gegenüber diese Nachbildung, deren Mimik allein aus deiner Stimme und Sprechweise abgeleitet wird. Der Rollout beginnt zunächst in den USA über WhatsApp im Early Access.

Wie schwer sind die Meta VR Glasses?

Meta gibt das Gewicht mit rund 100 Gramm an, etwa so viel wie ein Kartenspiel. Das ist möglich, weil Rechenleistung, Akku und Speicher in einen separaten Puck ausgelagert sind, der über ein optisches Kabel mit der Brille verbunden ist und in der Tasche getragen wird.

Haben alle neuen Meta-Brillen eine Kamera?

Nein. Die neue Ray-Ban Meta Audio ist eine reine Audio-Brille ohne Kamera und Display. Die Ray-Ban Meta (Gen 3) und die Ray-Ban Display verfügen dagegen über Kameras. Brillen mit Kamera zeigen per LED an, wenn sie aufnehmen.

Wie hängen Spotify und Metas KI-Agent Muse zusammen?

Muse ist Metas persönlicher KI-Agent, der sich mit externen Diensten verbinden lässt. Über die Spotify-Anbindung kannst du per Sprache Musik abspielen, Songs speichern, Playlists erstellen und Podcasts oder Hörbücher finden. Muse kann Wiedergaben auch zeitgesteuert starten, etwa eine Playlist zum morgendlichen Lauf.