Die ersten Novembertage 2026 brachten eine ungewöhnliche Mischung: viel Geld, ein Sicherheitsvorfall mit politischer Brisanz und zwei Meldungen, die zeigen, wie fragil die Technik im Alltag bleibt. Apple legte Rekordzahlen vor und verwies dabei schon auf das Weihnachtsgeschäft. Fast zeitgleich warnte der Konzern Abgeordnete und Regierungsmitglieder vor Spionagesoftware auf ihren iPhones.
Dazu kam Bewegung bei den KI-Schwergewichten: Anthropic steuert auf einen Börsengang in historischer Größenordnung zu, dessen Zahlen allerdings zwei Seiten haben. Und bei Android zeigte ein Sicherheitsforscher, wie sich Geräte mit einer einzigen Nachricht ausschalten lassen. Hier die vier Linien, die in diesen 48 Stunden wirklich zählten.
Apple: Rekordquartal und ein Blick auf das Weihnachtsgeschäft
Apple hat am 2. November die Zahlen für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 vorgelegt, das am 26. September endete. Der Umsatz lag bei 114,5 Milliarden Dollar, ein Plus von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Bruttomarge erreichte 47,9 Prozent, wobei rund ein Prozentpunkt auf Zollrückerstattungen zurückging. Der verwässerte Gewinn je Aktie stieg um 14 Prozent auf 2,10 Dollar, inklusive eines positiven Effekts von fünf Cent aus denselben Rückerstattungen. Die Details stehen in der Mitteilung im Apple Newsroom.
Für das September-Quartal meldete Apple Umsatzrekorde für das Gesamtunternehmen, für das iPhone und für die Services-Sparte, die einen neuen Allzeit-Höchststand erreichte. Über das gesamte Geschäftsjahr kam Apple damit auf einen Rekordumsatz von 479 Milliarden Dollar. Im Quartal flossen 28 Milliarden Dollar operativer Cashflow, dieselbe Summe gab der Konzern an seine Aktionäre zurück. Der Verwaltungsrat beschloss eine Dividende von 0,27 Dollar je Aktie, zahlbar am 16. November.
Bemerkenswert ist, wie das Management die Zahlen in den Kontext der neuen Produkte stellte. CEO John Ternus sprach vom iPhone Duo als dem transformativsten iPhone seit dem Original und nannte daneben das iPhone 18 Pro und das iPhone 18 Pro Max. Hinzu kamen laut Apple eine neue Hardware-Generation für das Zuhause, erstmals Touch-Bedienung auf dem Mac und eine überarbeitete Siri-KI. CFO Kevan Parekh verwies auf eine aktive Gerätebasis, die in allen großen Produktkategorien und Regionen neue Höchststände erreichte. Kurz gesagt: Apple geht mit voller Produktpalette und ohne erkennbare Wachstumsschwäche ins Weihnachtsquartal.
Spyware-Warnung: Apple alarmiert Bundestag und Regierung
Deutlich unangenehmer ist eine zweite Apple-Meldung. Nach Recherchen des ARD-Hauptstadtstudios hat Apple Mobilgeräte von Mitgliedern des Bundestags und der Bundesregierung als Ziel eines möglichen Hackerangriffs eingestuft. Digitalminister Karsten Wildberger bestätigte den Vorgang am Sonntagabend in der ARD-Sendung Bericht aus Berlin. Apple habe die Behörden informiert, dass bestimmte Geräte möglicherweise mit Spionagesoftware kompromittiert worden seien. Details zu Umfang, Zeitpunkt und möglichen Zielen nannte Wildberger nicht.
Dem Hauptstadtstudio liegt zudem ein Schreiben des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik vor. Demnach erhalten betroffene iPhones seit dem 29. Oktober sogenannte Bedrohungsmitteilungen von Apple, die auf einen Angriff mit kommerzieller Spionagesoftware hinweisen – Apple spricht von Mercenary Spyware. Das BSI stuft die Warnung als glaubwürdig ein, hat aber nach eigenen Angaben keine weiteren Erkenntnisse zu Anlass und Hintergrund. Die Behörde rät Betroffenen, vorsorglich davon auszugehen, dass ihr Gerät kompromittiert sein könnte.
Einordnung: Apple legt grundsätzlich nicht offen, was eine solche Benachrichtigung auslöst, und ordnet die Angriffe keinen konkreten Akteuren zu. Ob der Angriff tatsächlich erfolgreich war, geht aus der Mitteilung nicht hervor. Wichtig ist der grundsätzliche Charakter dieser Warnungen: Apple bezeichnet sie als hochgradig verlässlichen Hinweis darauf, dass eine Person gezielt attackiert wurde. Wer eine solche Nachricht bekommt, gehört also nicht zu einer breiten Spam-Welle, sondern zu einer kleinen, bewusst ausgewählten Gruppe.
Anthropic: Milliardenumsatz, Milliardenverluste, Mega-IPO
Bei der KI drehte sich alles um Anthropic. Der Claude-Entwickler steuert auf einen Börsengang zu, der nach Einschätzung von Börsianern der größte aller Zeiten werden könnte. Ursprünglich stand eine Bewertung von rund zwei Billionen Dollar im Raum; laut t3n rechnen Investoren inzwischen eher mit 1,4 bis 1,5 Billionen Dollar. Selbst damit würde Anthropic den bisherigen Rekord-IPO von SpaceX, der 86,2 Milliarden Dollar einbrachte, deutlich übertreffen.
Die Zahlen hinter dem Hype haben zwei Seiten. Für das dritte Quartal 2026 meldete Anthropic ein Umsatzplus von 1.127 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 16,96 Milliarden Dollar. Im Quartalsvergleich bremst sich das Wachstum allerdings ab: Nach 132 und 144 Prozent in den ersten beiden Quartalen legte der Umsatz gegenüber dem Vorquartal nur noch um 47 Prozent zu. Gleichzeitig stand ein Verlust von 23,29 Milliarden Dollar in den Büchern, über neun Monate summierte sich das Minus auf 104 Milliarden Dollar. Ein Großteil davon stammt aus Neubewertungen von Wandelanleihen und Derivaten, doch operativ blieb im dritten Quartal ein Verlust von 567 Millionen Dollar – nach einem Gewinn von 974 Millionen im Quartal zuvor.
Noch stärker dürfte Investoren die Offenlegung der Verpflichtungen beschäftigen: Kaufverpflichtungen und Mietverträge, vor allem für Rechenleistung und Infrastruktur, belaufen sich auf gut 895 Milliarden Dollar, der Großteil davon in den kommenden fünf Jahren. Anthropic weist zudem auf das Risiko hin, dass Partner für den Kauf von KI-Chips womöglich keine Finanzierung erhalten. Das passt ins größere Bild: Die kreditfinanzierte Expansion der Branche bei gleichzeitig noch ausbleibenden Einnahmen in entsprechender Höhe hatte die Aktien großer Tech-Firmen zuletzt belastet. Dass Anthropic sein KI-Werkzeug Claude Code mittlerweile mit neuen Regeln einschränkt – etwa beim Nachbau bekannter Spiele – zeigt, dass das Unternehmen parallel an der rechtlichen Absicherung arbeitet.
Android: Eine SMS genügt, um das Telefon zu kippen
Auf der Sicherheitsseite sorgte eine Android-Lücke für Aufsehen. Der Forscher Mark Blaszczyk beschreibt unter dem Namen SMS of Death einen Fehler, mit dem sich viele Android-Geräte durch eine einzige, speziell gestaltete Nachricht lahmlegen lassen. Golem berichtet, dass eine WAP-Push-SMS den Telefoniedienst com.android.phone zum Absturz bringen, das Gerät aus einem laufenden Telefonat werfen oder in eine Bootschleife versetzen kann.
Technisch steckt der Fehler in der Dekodierungsfunktion WapPushOverSms.decodeWapPdu, die eine negative Array-Länge verarbeitet und eine nicht sauber abgefangene Ausnahme auslöst. Besonders heikel: Es handelt sich um einen Zero-Click-Angriff. Der Empfänger muss nichts anklicken, und er kann es laut Blaszczyk auch gar nicht, weil die Nachricht nie in der SMS-App erscheint. Damit lässt sich nicht einmal die Absendernummer auslesen. Auf Testgeräten – einem Google Pixel 9 und mehreren Samsung-Smartphones – führte bereits eine einzige SMS über etwa eine Woche zu wiederkehrenden Ausfällen, weil Netzbetreiber die Zustellung erneut versuchen. Rund 20 solcher Nachrichten sollen ein Gerät langfristig unbrauchbar machen; auch Notrufe werden gestört.
Betroffen sind die Android-Versionen 12 bis 17. Ein Code-Patch existiert seit Mitte Juni, für Android 14 bis 17 stellte Google ihn mit den Updates von Anfang Oktober bereit. Wie üblich müssen die Gerätehersteller das Update aber erst an ihre Nutzer verteilen. Android 12 und 13 sind aus dem Support gefallen und bleiben damit wahrscheinlich dauerhaft anfällig. Wer ein Gerät in der Bootschleife hat, kann es laut Forscher per PC über die Android Debug Bridge wieder flottmachen – andernfalls hilft nur der Werksreset mit Datenverlust.
Software kurz notiert: ChatGPT und Affinity
Zwei Meldungen betreffen den Software-Alltag direkt. OpenAI stellt die bisherige Desktop-App für ChatGPT am 30. Januar 2027 ein; Nutzer werden bereits zum Wechsel auf die neue Version aufgefordert, die Chat, Codex, ChatGPT Work und einen integrierten Browser bündelt. Laut iFun.de kritisieren einige Anwender den höheren Ressourcenbedarf der neuen App; bestehende Chatverläufe sollen beim Umstieg erhalten bleiben.
Zudem ist Affinity früher als angekündigt in einer iPad-Version erschienen und laut iFun.de grundsätzlich kostenlos. Die zu Canva gehörende Suite vereint Bildbearbeitung, Vektorgrafik, Zeichnen und Layout in einer Anwendung und unterstützt neben PDF und SVG auch Adobe-Formate wie PSD, AI, INDD und IDML. Für zusätzliche KI-Funktionen wie automatische Hintergrundentfernung ist ein Premium-Abo nötig.
Was das für dich bedeutet
- Apple-Nutzer mit politischem oder journalistischem Profil: Nimm Apples Bedrohungsmitteilungen ernst. Sie gehen gezielt an Einzelpersonen. Wer eine erhält, sollte den Hinweisen des BSI folgen und vom schlimmsten Fall ausgehen.
- Android-Besitzer: Prüfe deinen Sicherheitspatch-Stand. Mit Android 14 bis 17 und dem Oktober-Update bist du gegen die SMS of Death abgesichert. Geräte mit Android 12 oder 13 ohne Herstellerpatch bleiben gefährdet – ein Umstieg oder Austausch ist eine Überlegung wert.
- ChatGPT-Desktop-Anwender: Plane den Wechsel vor dem 30. Januar 2027 ein. Deine Chatverläufe sollen übernommen werden, aber die neue App braucht mehr Arbeitsspeicher und Rechenleistung.
- Kreative auf dem iPad: Affinity lässt sich kostenlos testen. Nur wer die KI-Werkzeuge braucht, muss zum Abo greifen.
- Wer die KI-Börse beobachtet: Hinter Anthropics Umsatzexplosion stehen gewaltige Verluste und Verpflichtungen. Die Bewertung ist eine Wette auf künftige Einnahmen, nicht auf aktuelle Profitabilität.
Häufige Fragen
Wie gut war Apples Geschäftsjahr 2026 wirklich?
Nach den eigenen Angaben war es das beste Geschäftsjahr in der Firmengeschichte: 479 Milliarden Dollar Jahresumsatz und zweistelliges EPS-Wachstum. Das vierte Quartal brachte mit 114,5 Milliarden Dollar einen September-Rekord, dazu Allzeit-Höchststände bei den Services und eine wachsende aktive Gerätebasis. Teile der Marge gingen auf Zollrückerstattungen zurück, der Großteil des Wachstums aber auf das laufende Geschäft.
Woran erkenne ich, ob mein iPhone von der Spyware-Warnung betroffen ist?
Apple verschickt sogenannte Bedrohungsmitteilungen direkt an die betroffenen Konten. Im aktuellen Fall erhielten die iPhones laut BSI-Schreiben seit dem 29. Oktober solche Hinweise. Alle bekannten Empfänger seien schriftlich informiert worden. Wer keine entsprechende Benachrichtigung bekommen hat, zählt nicht zum Kreis der gezielt Gewarnten. Apple legt bewusst nicht offen, welche konkreten Anzeichen eine solche Mitteilung auslösen.
Bin ich als Privatperson von der SMS des Todes bedroht?
Technisch kann die Lücke jedes anfällige Android-Gerät treffen, da keine Nutzerinteraktion nötig ist. Betroffen sind die Versionen 12 bis 17. Entscheidend ist der Patch-Stand: Für Android 14 bis 17 steht seit Anfang Oktober ein Update bereit, das die jeweiligen Hersteller verteilen müssen. Android 12 und 13 erhalten als abgekündigte Versionen voraussichtlich keine offizielle Korrektur mehr.
Lohnt sich der Wechsel auf die neue ChatGPT-App schon jetzt?
Die alte Desktop-App läuft noch bis zum 30. Januar 2027. Danach dürfte sie sich nach Einschätzung von iFun.de nicht mehr nutzen lassen. Die neue App bündelt mehr Funktionen, verlangt dafür aber mehr Systemressourcen. Wer ChatGPT nur für einfache Textanfragen nutzt, kann mit dem Umstieg bis kurz vor dem Stichtag warten; die bisherigen Chats sollen in jedem Fall erhalten bleiben.






