Kaum ein Google-Thema kommt derzeit ohne den Namen Gemini aus. In den vergangenen Wochen hat der Konzern seine KI-Modelle konsequent in immer mehr Produkte gedrückt: in einen neuen smarten Lautsprecher, in Google Earth, in das umbenannte Recherche-Tool NotebookLM und in die Pixel-Smartphones. Parallel dazu läuft im Hintergrund etwas viel Unspektakuläreres, aber Handfesteres – eine ganze Serie von Sicherheitswarnungen für den Chrome-Browser, den weltweit meistgenutzten Webzugang.
Dieser Artikel bündelt beides: die großen Produktankündigungen rund um Gemini und die sicherheitsrelevanten Chrome-Meldungen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). So bekommst du einen Überblick, was Google gerade wirklich vorantreibt – und wo du selbst aktiv werden solltest.
Der Google Home Speaker: Gemini zieht ins Wohnzimmer
Seit dem 4. August 2026 ist der Google Home Speaker für 119,99 Euro (inkl. MwSt.) im Handel erhältlich – bei Google selbst sowie bei MediaMarkt und Saturn. Es ist das erste Audiogerät, das von Grund auf für „Gemini for Home" entwickelt wurde. Der Unterschied zum klassischen Google Assistant liegt vor allem im Sprachverständnis: Statt starre Befehle auswendig zu lernen, sollst du mit dem Lautsprecher natürlicher reden können.
Konkret heißt das: Du kannst mehrere Anweisungen in einem Satz kombinieren („Dimme das Licht in der Küche, spiele entspannende Musik und stelle einen Timer auf 20 Minuten"), dich mitten im Satz korrigieren, und Gemini folgt dank eines Gesprächskontexts – einer Art Kurzzeitgedächtnis – dem Faden einer längeren Unterhaltung. Die Funktion „Durchgängige Unterhaltung" hält das Mikrofon nach einer Antwort kurz geöffnet, sodass Anschlussfragen ohne erneutes „Ok Google" möglich sind. Sie ist laut Google erstmals in allen unterstützten Sprachen verfügbar. Mit dabei sind zehn neue, natürlicher klingende Stimmen.
Einige der spannenderen Fähigkeiten sind allerdings an das kostenpflichtige Abo Google Home Premium gebunden. Dazu gehören der freie Dialogmodus Gemini Live („Hey Google, lass uns quatschen"), die Suche im Verlauf kompatibler Nest-Kameras („War Bello heute auf dem Sofa?") und sogenannte Home Briefings, also Zusammenfassungen dessen, was passiert ist, während du weg warst. Für großen Klang sorgt ein 360-Grad-Sound; zwei Lautsprecher lassen sich mit einem Google TV Streamer 2 zu einem kleinen Surround-Setup koppeln. In Deutschland gibt es das in 3D-Strickgewebe gehüllte Gerät in den Farben Hazel und Porcelain, per Kippschalter lässt sich das Mikrofon jederzeit stummschalten.
Gemini überall: Notebook, Earth und mehr
Der Lautsprecher ist nur ein Baustein einer viel breiteren Strategie. Ein sichtbares Zeichen dafür: NotebookLM heißt seit dem 16. Juli 2026 Gemini Notebook. Das ursprünglich 2023 auf der Google I/O als „Project Tailwind" gestartete Recherche-Tool wird laut Google inzwischen von mehr als 30 Millionen Menschen und über 600.000 Organisationen genutzt. Es bleibt ein eigenständiges Produkt, wird aber enger mit der Gemini-App und der Google Suche verzahnt.
Technisch bekommt jedes Notebook künftig einen sicheren Cloud-Computer, mit dem Gemini nativ Code schreiben und ausführen kann – gedacht für komplexere Datenanalysen auf Basis deiner eigenen Quellen. Diese Funktion startete zunächst für Nutzer von Google AI Ultra sowie bestimmte Workspace-Geschäftskunden und wird in den Wochen danach für alle Pro-Nutzer im Web ausgerollt.
Schon zuvor, am 10. Juni 2026, hatte Google Notebooks direkt in Gemini eingeführt. Sie funktionieren als persönliche Wissensdatenbanken, in denen du Chats, PDFs und andere Dateien zu einem Thema bündelst. Weil Notebooks zwischen Gemini und NotebookLM synchronisiert werden, taucht jede Quelle, die du an einem Ort hinzufügst, automatisch im anderen auf – inklusive spezieller Features wie Videoübersichten und Infografiken.
Nano Banana in Google Earth – und ein schneller Rückzieher
Ein lehrreiches Beispiel für Chancen und Risiken generativer KI lieferte Google Earth. Am 30. Juli 2026 startete die Bildgenerierung mit dem Modell Nano Banana 2 in Google Earth: Nutzer konnten auf einen Ort zoomen, auf „Bild erstellen" tippen und per Prompt etwa historische Szenen, Infografiken oder Architekturentwürfe generieren lassen – vom römischen Pompeji des Jahres 78 n. Chr. bis zu einer futuristischen Version des Google-Campus in Mountain View.
Bereits einen Tag später, am 31. Juli, zog Google die Funktion vorerst zurück. Der Grund: Es waren Screenshots generierter Bilder geteilt worden, die offenbar gegen die Richtlinien verstießen. Google betonte, die erzeugten Bilder seien für andere in der regulären Anwendung nicht sichtbar und als KI-generiert gekennzeichnet gewesen – arbeitet nun aber an strengeren Schutzmaßnahmen. Der Fall zeigt exemplarisch, wie schnell selbst gut gemeinte KI-Features an Grenzen stoßen, wenn Nutzer sie missbrauchen.
Pelés verlorenes Tor: KI als Werkzeug für Geschichte
Wie weit generative Modelle inzwischen sind, demonstriert ein Projekt vom 14. Juli 2026. Google hat mit DeepMind-Technologie das legendäre „Gol da Rua Javari" rekonstruiert – ein Tor, das Pelé am 2. August 1959 mit drei aufeinanderfolgenden Lupfern erzielte, ohne dass der Ball den Boden berührte. Der Moment wurde nie gefilmt und lebte über 60 Jahre nur in den Erinnerungen der Zeugen.
Für die Rekonstruktion sammelte ein Team um die Historikerin Anita Lucchesi fast 2.000 historische Aufzeichnungen und über 3.600 Bilder, interviewte Augenzeugen und nutzte ein maßstabsgetreues Stadionmodell. Zum Einsatz kamen die KI-Modelle Veo, Gemini Omni und Nano Banana Pro. Eine Kernrolle spielte „Performance Control" auf Basis von Veo 3: Damit wurde die präzise 3D-Bewegung eines modernen Stunt-Spielers extrahiert und auf Pelés Erscheinung übertragen. Zum Abschluss lief das Material durch eine Ausbelichtungsmaschine, um den Look des Kinos der 1950er-Jahre zu erzeugen. Das Ergebnis, ein Mini-Dokumentarfilm, wird im Pelé-Museum in Santos ausgestellt.
Chrome: eine dichte Serie von Sicherheitswarnungen
So viel zu den großen Ankündigungen – jetzt zum weniger glamourösen, aber praktisch wichtigsten Teil. Zwischen dem 9. Juli und dem 7. August 2026 hat das BSI über seinen Warndienst CERT-Bund und den Bürger-CERT gleich mehrere Sicherheitsmeldungen zu Google Chrome veröffentlicht. Das ist ungewöhnlich dicht getaktet und betrifft praktisch jeden, der den Browser nutzt.
Die jüngste und am höchsten eingestufte Warnung stammt vom 7. August 2026 und ist mit dem Risiko „hoch" versehen. Laut BSI kann ein Angreifer mehrere Schwachstellen ausnutzen, um beliebigen Programmcode auszuführen, vertrauliche Informationen offenzulegen, Daten zu manipulieren oder einen Denial-of-Service-Zustand herbeizuführen. Für den Bürger-CERT wird ergänzt, dass einige dieser Lücken eine Benutzerinteraktion erfordern – etwa den Aufruf einer manipulierten Website oder das Verarbeiten bösartiger Dateien.
Das war kein Einzelfall. Die Serie zieht sich durch die Wochen davor:
- 30. Juli 2026: Mehrere Schwachstellen, die Schadcodeausführung, Datendiebstahl, das Umgehen von Sicherheitsmaßnahmen und Systemabstürze ermöglichen können.
- 24. Juli 2026: Mehrere zunächst nicht im Detail beschriebene Schwachstellen, die einen nicht näher spezifizierten Angriff erlauben.
- 22. Juli 2026: Lücken für Schadcodeausführung, Systemabsturz, Informationsdiebstahl und das Umgehen von Sicherheitsmechanismen.
- 21. Juli 2026: Eine gemeinsame Warnung für Chrome und Microsoft Edge, da Edge auf demselben Chromium-Unterbau läuft. Mögliche Folgen reichen von Speicherbeschädigungen bis zur Codeausführung.
- 15. und 9. Juli 2026: Schwachstellen, bei denen laut BSI bereits das Laden einer bösartig gestalteten Webseite oder das Anklicken eines Links für eine erfolgreiche Ausnutzung genügen kann.
Wichtig zum Einordnen: Das BSI beschreibt hier keine bereits eingetretenen Massenangriffe, sondern warnt vor Schwachstellen, die Google mit Updates schließt. Genau deshalb ist die zeitnahe Aktualisierung des Browsers so entscheidend. Der Hinweis auf Microsoft Edge zeigt außerdem, dass die gleichen Chromium-Lücken viele andere Browser betreffen – von Edge über Brave bis Opera.
Pixel Drop Juni 2026: neue Funktionen für Alltag und Kreative
Auch bei der Hardware bleibt Gemini der rote Faden. Der Pixel Drop vom 16. Juni 2026 brachte zusammen mit Android 17 und Wear OS 7 mehrere neue Funktionen, die schrittweise ausgerollt werden.
Für Kreative ist die neue Funktion Screen-Reactions gedacht: Selfie-Videos lassen sich direkt in die Bildschirmaufzeichnung integrieren, sodass Reaction-Videos ohne mehrere Apps entstehen. Mit Gemini Omni können Pixel-Nutzer Videos per Chat erstellen und bearbeiten, mit „Musik erstellen" in der Gemini-App entsteht aus einer Beschreibung oder einem Foto ein Audio-Track. Beide KI-Funktionen setzen ein Google-AI-Abo voraus und sind für Personen ab 18 gedacht.
Praktisch im Alltag sind die Bubbles: Per langem Druck auf ein App-Symbol verwandelst du eine App in ein schwebendes Fenster – bis zu fünf gleichzeitig, Android 17 vorausgesetzt. Die Live-Übersetzungsfunktion „Dolmetschen" kommt auf das Pixel 10a und unterstützt Übersetzungen zwischen Englisch und Deutsch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch sowie Hindi (in der Preview). Quick Share ist auf dem Pixel 8a und 9a nun mit Apples AirDrop kompatibel.
Beim Thema Sicherheit erweitert Google die Notfallfreigabe: Erkennt ein Pixel einen schweren Autounfall, einen harten Sturz oder einen Pulsverlust, ruft es den Rettungsdienst und benachrichtigt gleichzeitig ausgewählte Notfallkontakte. Die Foto-Bearbeitung per Sprache („Frag Google Fotos") ist zudem in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien verfügbar – auf Pixel 6 und neueren Modellen.
Suchtrends und KI im öffentlichen Dienst
Wie stark KI inzwischen im Alltag angekommen ist, zeigt der Google-Trends-Reisereport 2026. Suchanfragen nach „ki für urlaubsplanung" wuchsen demnach um 280 Prozent, „reise planen mit ki" um 250 Prozent. Gleichzeitig boomen kontrastierende Wünsche: „Urlaub auf Balkonien" erreichte im Mai und Juni mit +4.950 Prozent Rekordwerte, während exotische Ziele wie Curaçao (+720 Prozent Suchinteresse) im Fahrwasser der FIFA-WM 2026 an Aufmerksamkeit gewannen.
Ein bemerkenswertes Beispiel für KI jenseits des Konsums ist das Projekt „Beyond Forms". Das CityLAB Berlin entwickelte mit Unterstützung von Google.org (eine Million US-Dollar Förderung und neun Fellows) einen KI-Assistenten, der komplexe Anträge für die Grundsicherung durch einen dialogbasierten Prozess ersetzt. In Berlin sind rund 100.000 Menschen auf Grundsicherung angewiesen, geschätzt 40 bis 60 Prozent der Berechtigten stellen aus Angst vor der Bürokratie erst gar keinen Antrag. Über 90 Prozent der Erstanträge werden fehlerhaft eingereicht. Erste Tests des Prototyps deuten darauf hin, dass sich die Fehlerquote von 90 auf bis zu 50 Prozent senken ließe. Der Code ist als Open-Source-Blaupause für andere Kommunen konzipiert.
Was bedeutet das für dich?
Zwischen glänzenden KI-Ankündigungen und nüchternen Sicherheitswarnungen gibt es ein paar konkrete Dinge, die du jetzt tun kannst:
- Chrome sofort aktualisieren. Öffne das Menü (drei Punkte) → Hilfe → Über Google Chrome. Der Browser sucht dann automatisch nach Updates und installiert sie. Danach ein Neustart des Browsers – erst dann greift das Update. Das ist angesichts der dichten Warnserie die wichtigste Sofortmaßnahme.
- Andere Chromium-Browser nicht vergessen. Microsoft Edge, Brave oder Opera basieren auf demselben Unterbau und benötigen ebenso zeitnahe Updates.
- Automatische Updates aktiviert lassen. So schließt sich das Zeitfenster zwischen bekannt gewordener Lücke und Absicherung von selbst.
- Vorsicht bei Links und Dateien aus unbekannten Quellen. Einige der Chrome-Lücken lassen sich laut BSI schon durch das bloße Laden einer manipulierten Website ausnutzen.
- Bei Gemini-Funktionen aufs Kleingedruckte achten. Viele Features im Google Home Speaker, in Gemini Notebook oder auf Pixel setzen ein kostenpflichtiges Abo (Google Home Premium, Google AI Ultra/Pro) voraus. Prüfe vor dem Kauf, welche Funktionen wirklich inklusive sind.
- KI-Antworten prüfen. Google selbst weist bei Gemini darauf hin, dass Antworten kontrolliert werden sollten – gerade bei Fakten, Terminen oder Anträgen.
Häufige Fragen
Wie stelle ich fest, ob mein Chrome sicher ist?
Öffne im Chrome-Menü „Hilfe" und dann „Über Google Chrome". Der Browser zeigt die installierte Version an und lädt verfügbare Updates automatisch herunter. Nach einem Neustart bist du auf dem aktuellen Stand. Wenn dort steht, dass Chrome auf dem neuesten Stand ist, sind die vom BSI genannten Schwachstellen in der Regel bereits durch das jüngste Update geschlossen.
Brauche ich für den Google Home Speaker zwingend ein Abo?
Nein. Grundfunktionen wie natürliche Sprachbefehle, mehrere Anweisungen in einem Satz und die durchgängige Unterhaltung funktionieren ohne Abo. Erweiterte KI-Features wie Gemini Live, die Suche im Nest-Kameraverlauf und Home Briefings sind allerdings an das Abo Google Home Premium gebunden. Zusätzlich sind die Google Home App, WLAN und eine Internetverbindung nötig.
Warum hat Google die Nano-Banana-Funktion in Google Earth zurückgezogen?
Nutzer hatten Screenshots von generierten Bildern geteilt, die offenbar gegen Googles Richtlinien verstießen. Google zog die Bildgenerierung deshalb einen Tag nach dem Start vorerst zurück, um strengere Schutzmaßnahmen einzubauen. Nach Angaben des Unternehmens waren die erzeugten Bilder in der regulären Google-Earth-Anwendung für andere nicht sichtbar und als KI-generiert gekennzeichnet.
Was ändert sich durch die Umbenennung von NotebookLM in Gemini Notebook?
Der Name ändert sich, das Produkt bleibt eigenständig. Zusätzlich wird es enger mit der Gemini-App und der Google Suche verzahnt. Neu ist ein sicherer Cloud-Computer pro Notebook, mit dem Gemini Code schreiben und ausführen kann – gedacht für Datenanalysen auf Basis deiner eigenen Quellen. Diese Erweiterung startete zunächst für zahlende Nutzer und wird schrittweise breiter ausgerollt.
Welche Pixel-Funktionen des Juni-Drops sind in Deutschland verfügbar?
Die sprachgesteuerte Foto-Bearbeitung „Frag Google Fotos" ist unter anderem in Deutschland auf Pixel 6 und neueren Modellen verfügbar. Die Live-Übersetzung „Dolmetschen" auf dem Pixel 10a unterstützt unter anderem die Kombination Englisch–Deutsch. Weitere Funktionen wie Screen-Reactions, Bubbles und die erweiterte Notfallfreigabe werden ab dem Drop-Termin schrittweise ausgerollt; die Verfügbarkeit hängt vom jeweiligen Gerätemodell ab.

