Bei Google kommt derzeit ungewöhnlich viel gleichzeitig in Bewegung. Innerhalb weniger Tage hat der Konzern seine Suche in Europa umgebaut, das Pixel Tablet klammheimlich aus dem eigenen Store genommen, eine neue Schutzfunktion für YouTube am Fernseher ausgerollt und mit einem Fehler in Google Maps für Frust bei Autofahrern gesorgt. Manches davon ist eine Reaktion auf europäische Vorgaben, anderes eine strategische Entscheidung – und wieder anderes schlicht ein Bug.

Speediance: Neues Wearable trifft auf tragbares 100-Kilo-Fitnessstudio
Foto: iFun.de

Wer Android nutzt, mit Chrome sucht, Pixel-Hardware besitzt oder YouTube am Smart-TV schaut, ist von mindestens einer dieser Änderungen betroffen. Wir sortieren die wichtigsten Entwicklungen, erklären die Hintergründe und zeigen, worauf du achten solltest.

Google baut die Suche in Europa um – und warnt selbst davor

Die weitreichendste Änderung betrifft die Google-Suche. Der Konzern nimmt in Europa Anpassungen an seinen Suchergebnissen vor und bezeichnet den Umbau gegenüber Reuters selbst als die größte Verringerung der Servicequalität in der 29-jährigen Geschichte seiner Suchmaschine. Das ist eine bemerkenswert deutliche Ansage für ein Unternehmen, das sonst jede Produktänderung als Verbesserung verkauft.

Auslöser ist der europäische Digital Markets Act. Google wurde im Juli mit einer Geldbuße von 460 Millionen Euro belegt, weil der Konzern nach Auffassung der EU-Kommission eigene Angebote bei der Suche nach Einkaufsmöglichkeiten, Hotels, Verkehr und Sport bevorzugt hatte. Anschließend blieben Google 60 Tage Zeit für Anpassungen – andernfalls drohen weitere Strafzahlungen.

Vergleichsportale rücken nach oben

Konkret sollen bei entsprechenden Anfragen künftig zunächst spezialisierte Vergleichsportale prominent erscheinen, gefolgt von zwei weiteren Diensten mit weniger Informationen. Gemeint sind Vermittler wie Booking.com oder Expedia. Direkte Angebote von Hotels, Fluggesellschaften, Restaurants und anderen Unternehmen rutschen dagegen weiter nach unten. Gleichzeitig reduziert Google den Informationsumfang seiner bekannten Ergebnis-Karussells: Echtzeitpreise und weitere bislang direkt sichtbare Details verschwinden dort teilweise. Welche Vergleichsdienste in welcher Reihenfolge auftauchen, bestimmt weiterhin Googles Algorithmus.

Google argumentiert, die neuen Vorgaben kämen vor allem Vermittlern zugute und benachteiligten sowohl Nutzer als auch lokale Unternehmen. Frühere DMA-Anpassungen hätten laut Konzern bereits dafür gesorgt, dass kostenlose direkte Buchungszugriffe auf europäische Unternehmenswebseiten um rund 30 Prozent zurückgegangen seien. Die neue Darstellung habe man bereits mit Millionen Nutzern getestet; die Reaktionen seien überwiegend negativ ausgefallen, weil Anwender häufiger ihre Suchanfragen neu formulieren mussten. Außerhalb der EU bleibt die bisherige Darstellung erhalten.

Man sollte diese Selbstkritik einordnen: Google hat ein klares Eigeninteresse daran, die Regulierung in schlechtem Licht darzustellen. Die EU verfolgt mit dem DMA das Ziel, die Marktmacht großer Plattformbetreiber einzuschränken und konkurrierenden Diensten bessere Chancen einzuräumen. Ob die Ergebnisse für Nutzer tatsächlich schlechter werden oder nur anders, wird sich in der Praxis zeigen.

Pixel Tablet gestrichen: Google zieht sich erneut zurück

Deutlich handfester ist eine andere Entscheidung. Google hat das Pixel Tablet aus seinem Onlineshop entfernt – ohne offizielle Ankündigung. Wie Golem berichtet, tauchte das Gerät zunächst nicht mehr im US-Store auf, inzwischen ist auch in Deutschland die komplette Tablet-Kategorie aus der Navigation verschwunden. Lediglich beim Zubehör, etwa dem Ladedock mit integriertem Lautsprecher, finden sich noch Hinweise. Auch im übrigen Onlinehandel ist das Modell nicht mehr zu bekommen.

Eine offizielle Meldung zur Einstellung gibt es nicht, doch die Entfernung aus dem eigenen Angebot spricht eine deutliche Sprache. Android Authority zufolge war das Pixel Tablet Ende August noch im US-Store gelistet, allerdings als ausverkauft markiert. Nach dem Pixel C von 2015 wäre das 2023 eingeführte Pixel Tablet damit das zweite eigene Android-Tablet, das Google ohne Nachfolger einstellt – das ebenfalls gestrichene Pixel Slate von 2018 lief noch mit Chrome OS.

Ein Muster, das sich wiederholt

Die Entwicklung erinnert an 2019, als Google die Entwicklung eigener Tablets schon einmal einstellte und angekündigte Slate-Nachfolger strich. Vier Jahre später folgte mit dem Pixel Tablet der nächste Anlauf. Das knapp elf Zoll große Android-Tablet ließ sich per Magnet mit einem Ladedock samt Lautsprecher verbinden und verwandelte sich so bei Nichtbenutzung in eine Smart-Home-Zentrale oder einen digitalen Bilderrahmen. In Tests fielen die Bewertungen gemischt aus – häufig wurde kritisiert, dass die mitgelieferte Docking-Station den Preis in die Höhe trieb, während beim Display gespart wurde.

Zu einer zweiten Generation kam es nie. Berichte über einen geplanten Nachfolger kursierten bereits Ende 2024, kurz darauf soll Google das Projekt eingestellt haben. Als Grund werden Zweifel an der Wirtschaftlichkeit genannt. Immerhin: Besitzer eines Pixel Tablet müssen sich beim Support keine unmittelbaren Sorgen machen. Google garantiert Betriebssystem- und Sicherheitsupdates bis Juni 2028, und über die Pixel Drops können bis dahin noch Funktionen nachkommen. Für den Moment sieht es aber so aus, als hätte das iPad einen Konkurrenten aus Googles eigener Hardware-Sparte erneut verloren.

YouTube: PIN-Schutz für Profile am Familienfernseher

Freundlicher fällt eine Neuerung bei YouTube aus. Der Dienst führt eine Schutzfunktion für gemeinsam genutzte Fernseher ein: Persönliche Konten lassen sich in der YouTube-App jetzt mit einem vierstelligen Code sperren. Damit sollen andere Haushaltsmitglieder nicht mehr ohne Weiteres auf Wiedergabeverlauf, Empfehlungen oder die persönliche Mediathek zugreifen können. Google beschreibt die sogenannte Kontosperre inzwischen ausführlich.

Aktiviert wird die Funktion direkt in der YouTube-App auf dem Fernseher: Über die seitliche Navigation rufst du dein Konto auf, öffnest die darunterliegenden Einstellungen und legst dort einen vierstelligen Code fest. Die Sperre gilt jeweils für das konkrete Gerät. Wer dasselbe Konto auf mehreren Fernsehern nutzt, muss den Schutz überall separat einrichten. Ist ein Profil gesperrt, verlangt YouTube vor dem Zugriff den festgelegten Code. Auf unterstützten Geräten geht die Freigabe auch bequemer: Eine Benachrichtigung wandert an die YouTube-App auf dem Smartphone, wo sich das Konto bestätigen lässt. Vergessene Codes lassen sich über die Option „Code vergessen?“ und eine erneute Anmeldung mit den Google-Zugangsdaten zurücksetzen.

Wichtig ist die Abgrenzung zum bereits vorhandenen Elterncode. Dieser soll vor allem verhindern, dass Kinder YouTube ohne Anmeldung nutzen, auf Profile älterer Familienmitglieder zugreifen oder Konten vom Fernseher entfernen. Die individuelle Kontosperre schützt dagegen gezielt einzelne Profile – praktisch, wenn mehrere Personen denselben Smart-TV oder ein Apple TV mit der YouTube-App verwenden und jeweils eigene Empfehlungen behalten möchten. YouTube zählt die Sperre zu mehreren TV-App-Verbesserungen, darunter ein überarbeiteter Profilwähler und ein vereinfachter Anmeldevorgang per QR-Code.

Google Maps: Neues Android-Auto-Feature macht Ärger

Nicht jede Google-Änderung läuft glatt. Bei Google Maps unter Android Auto stoßen aktuell mehrere Nutzer auf einen Fehler. Wie t3n unter Berufung auf Android Authority berichtet, verschwindet bei Betroffenen die Geschwindigkeitsanzeige komplett. Diese war erst vor einigen Monaten für die Android-Auto-Version von Maps eingeführt worden und zählt zu den beliebteren Funktionen. Auf Mobilgeräten funktioniert die Anzeige weiterhin problemlos.

Neben dem Tempo fehlen bei manchen Anwendern auch die Anzeigen für Stoppschilder und Ampeln auf der Strecke. Einige berichten, dass sich die Optionen zwar aktivieren lassen, sich nach einiger Zeit in den Einstellungen aber selbstständig wieder abschalten. Andere Nutzer sind gar nicht betroffen – warum das so ist, bleibt unklar. Ein dauerhafter Workaround existiert bislang nicht. Wer die Anzeigen vermisst, muss sich vorerst gedulden, bis Google das Problem per Update behebt. Einen festen Zeitpunkt dafür gibt es noch nicht.

Pixel 11 Pro Fold: Google gegen Samsung im Foldable-Duell

Während Google beim Tablet den Rückzug antritt, hält der Konzern bei faltbaren Smartphones weiter mit. Golem hat das Pixel 11 Pro Fold gegen Samsungs Galaxy Z Fold 8 antreten lassen – und zeigt, wo Google punktet und wo es nachlässt.

Die Formate der beiden Falter könnten unterschiedlicher kaum sein. Mit 124 mm Höhe und 81,9 mm Breite ist das Galaxy Z Fold 8 zusammengeklappt breiter und weniger hoch als das Pixel 11 Pro Fold mit 155 × 76 mm. Zusammengefaltet fällt das Samsung-Modell mit 9,7 mm etwas dünner aus als das Google-Gerät mit 10,1 mm. Das breitere, kürzere Außendisplay des Fold 8 empfand die Golem-Redaktion als angenehm handlicher; auf dem höheren Pixel-Display ist bei Webseiten dagegen mehr Text zu sehen. Auch beim Design sieht Golem Samsung vorn, unter anderem wegen der kleineren Displayeck-Radien und der stimmigeren Gehäuseform.

Beim Kamerasystem dreht sich das Bild. Das Pixel 11 Pro Fold setzt auf drei Kameras inklusive Teleobjektiv, das Fold 8 muss aus Platzgründen mit zwei Kameras ohne Tele auskommen. In der Vergrößerung liefert das Pixel dank optischem Zoom die besseren Bilder, während Samsung bei der Hauptkamera durch die höhere Auflösung auch bei zweifacher digitaler Vergrößerung überzeugt. Bei der reinen Leistung liegt der Samsung-Falter laut Golem allerdings deutlich vorn. Das Design des Pixel 11 Pro Fold ist bis auf ein kleineres Kameramodul nahezu identisch mit dem Vorgänger Pixel 10 Pro Fold.

Google Home im Smart Home: Matter bindet immer mehr ein

Abseits von Suche und Hardware bleibt Google Home ein zentraler Baustein im vernetzten Zuhause – auch dank Matter. Ein aktuelles Beispiel liefert AVM: Mit den Laborversionen zu FRITZ!OS 8.50 erweitert der Router-Hersteller die Matter-Bridge der FRITZ!Box 5690 Pro. Angemeldete FRITZ!-Smart-Home-Geräte und kompatible Zigbee-Produkte lassen sich damit direkt in Apple Home, Google Home oder Amazon Alexa einbinden.

FRITZ!OS 8.50: Neue Laborversionen bringen zahlreiche Funktionen
Foto: iFun.de

Das zeigt, wie stark Google Home mittlerweile als eine von wenigen zentralen Steuerplattformen etabliert ist. Über den offenen Matter-Standard wandern Geräte verschiedenster Hersteller in dasselbe Ökosystem, ohne dass man sich für eine einzige App entscheiden muss. Auch günstige Smart-Steckdosen setzen darauf: Die weit verbreitete TP-Link Tapo P100 etwa lässt sich per Sprachbefehl über den Google Assistant steuern, ganz ohne separaten Hub – ein Beleg dafür, dass Googles Sprachsteuerung im Massenmarkt fest verankert ist, während die eigene Tablet-Hardware verschwindet.

Was bedeutet das für dich?

Die einzelnen Meldungen wirken zunächst unzusammenhängend, ergeben in Summe aber ein klares Bild: Google konzentriert sich stärker auf Dienste und Software als auf jede Hardware-Nische, und die europäische Regulierung greift zunehmend in den Alltag ein. Konkret solltest du dir Folgendes merken:

  • Bei der Suche in Europa lohnt es sich, künftig genauer hinzuschauen: Ganz oben stehen häufiger Vergleichsportale, direkte Anbieterpreise rutschen nach unten. Wer schnell den günstigsten Direktpreis eines Hotels oder Flugs will, muss unter Umständen mehr scrollen oder die Anfrage anders formulieren.
  • Falls du ein Pixel Tablet besitzt, kein Grund zur Eile: Updates gibt es garantiert bis Juni 2028. Ein Neukauf ist aber kaum noch sinnvoll, weil kein Nachfolger und keine langfristige Produktlinie in Sicht sind.
  • Am Familienfernseher solltest du die neue YouTube-Kontosperre einrichten, wenn du deinen Verlauf und deine Empfehlungen sauber halten willst. Denk daran, den vierstelligen Code auf jedem genutzten Gerät separat zu setzen.
  • Als Android-Auto-Fahrer mit fehlender Tempoanzeige in Google Maps hilft aktuell nur Abwarten auf ein Update. Wer nicht warten will, kann übergangsweise auf eine andere Navi-App ausweichen.
  • Beim Smartphone-Kauf gilt: Das Pixel 11 Pro Fold spielt seine Stärken bei den Kameras aus, während Samsungs Galaxy Z Fold 8 beim Format, Design und der Leistung vorn liegt. Die Wahl hängt stark davon ab, was dir wichtiger ist.
Kurz beantwortet

Häufige Fragen

Warum verschlechtert Google seine Suche in Europa freiwillig?

Freiwillig ist das nur bedingt. Google muss den Digital Markets Act umsetzen und darf eigene Angebote nicht mehr bevorzugt gegenüber Vergleichsportalen platzieren. Der Konzern setzt die Vorgaben so um, dass spezialisierte Vermittler wie Booking.com oder Expedia prominenter erscheinen und direkte Anbieterinformationen zurücktreten. Google stellt das als Qualitätsverlust dar, die EU sieht darin fairen Wettbewerb.

Bekommt mein Pixel Tablet weiterhin Updates?

Ja. Google hat die Streichung zwar nicht offiziell bestätigt, garantiert aber weiterhin Betriebssystem- und Sicherheitsupdates bis Juni 2028. Über die regelmäßigen Pixel Drops können bis dahin sogar noch neue Funktionen dazukommen. Am Gerät selbst ändert sich also erst einmal nichts.

Wie unterscheidet sich die YouTube-Kontosperre vom Elterncode?

Der Elterncode soll vor allem verhindern, dass Kinder YouTube ohne Anmeldung nutzen, auf fremde Profile zugreifen oder Konten vom Fernseher entfernen. Die neue Kontosperre schützt dagegen ein einzelnes persönliches Profil mit einer vierstelligen PIN, damit Verlauf und Empfehlungen privat bleiben. Beide Funktionen lassen sich unabhängig voneinander nutzen.

Was kann ich gegen die fehlende Tempoanzeige in Google Maps tun?

Aktuell gibt es keinen zuverlässigen Workaround. Bei manchen Nutzern schalten sich die Anzeigen für Geschwindigkeit, Stoppschilder und Ampeln unter Android Auto von selbst ab. Auf dem Smartphone funktioniert die Anzeige weiterhin. Bis Google ein Update liefert, bleibt nur, die Optionen erneut zu aktivieren oder vorübergehend eine andere Navigations-App zu verwenden.

Lohnt sich das Pixel 11 Pro Fold gegenüber dem Galaxy Z Fold 8?

Das hängt von deinen Prioritäten ab. Laut Golem punktet das Pixel 11 Pro Fold vor allem mit seinen drei Kameras samt Teleobjektiv und liefert bei Vergrößerungen bessere Bilder. Das Galaxy Z Fold 8 überzeugt dagegen mit dem handlicheren Format, dem stimmigeren Design und einer deutlich stärkeren Leistung. Wer viel fotografiert, ist beim Pixel gut aufgehoben; für alles andere hat Samsung die Nase vorn.