Meta baut sein Geschäftsmodell um: Neben Werbung soll künftig auch ein Abonnement Geld in die Kassen spülen. Mit Meta One stellt der Konzern einen Bezahldienst vor, der über Facebook, Instagram, WhatsApp und den KI-Assistenten Meta AI hinweg zusätzliche Funktionen und mehr KI-Nutzung freischaltet. Angekündigt wurde der Dienst am 15. September 2026 im Meta Newsroom. Nach Angaben des Unternehmens sind die Pläne bereits weltweit verfügbar.
Das Timing ist bemerkenswert, denn Meta rührt an einem Grundprinzip seiner Apps: Bisher war praktisch alles kostenlos, finanziert über Reichweite und Werbung. Meta betont zwar, dass die Kernfunktionen frei bleiben. Doch mit Meta One entsteht erstmals eine spürbare Zweiklassengesellschaft aus Gratis- und Bezahlnutzern. Gleichzeitig steht der Konzern wegen zwei weiterer Themen unter Beobachtung: dem geplanten Ende unabhängiger Faktenchecks und der Datenschutzkritik an den Ray-Ban-Datenbrillen.
Was genau ist Meta One?
Meta One ist keine einzelne Funktion, sondern ein Dachname für ein ganzes Bündel aus Abo-Stufen. Der Konzern beschreibt den Dienst als Ergänzung zu den bestehenden Apps: Wer zahlt, bekommt mehr Werkzeuge zur Selbstdarstellung, eine höhere Nutzungsgrenze für die rechenintensiven KI-Funktionen sowie professionelle Werkzeuge für Kreative und Unternehmen. Zum Start nennt Meta mehr als 50 Funktionen, die auf Instagram, Facebook, WhatsApp und in Meta AI verfügbar sind. Später sollen die Video-App Edits und die KI-Brillen folgen.
Ein paar Zahlen ordnet Meta selbst ein: Bislang habe es 15 Millionen Abonnements und Testphasen gegeben, die Einführung laufe schrittweise. Wichtig ist die Abgrenzung, die der Konzern immer wieder betont: Die Basisnutzung von Meta AI und den Apps bleibt gratis. Bezahlt wird für Spezialfähigkeiten und erweiterte KI-Kontingente, die sich laut Meta in einem kostenlosen Angebot für Milliarden Menschen nicht wirtschaftlich abbilden lassen. Übersetzt heißt das: Die teuren Rechenoperationen der generativen KI werden ausgelagert an zahlende Kundschaft.
Die Einzelpläne: Instagram Plus, Facebook Plus, WhatsApp Plus
Den Anfang machten schon früher im Jahr die sogenannten Einzelprodukt-Pläne. Sie richten sich jeweils an eine App und bringen exklusive Funktionen mit. Meta spricht von starker Kundenbindung und will die Pläne weiter ausbauen.
Facebook Plus kostet 3,99 US-Dollar pro Monat. Damit lässt sich die App stärker personalisieren, etwa über eigene App-Icons und sogenannte Super-Hearts. Meta erweitert den Plan zudem um Anpassungsoptionen für den Messenger, mehr Auswertungen zu Reels sowie ausgeweitete Super-Reaktionen für Reels und Feed-Beiträge.
Instagram Plus liegt ebenfalls bei 3,99 US-Dollar im Monat. Zuletzt kamen individuelle Schriftarten für Direktnachrichten und Storys hinzu, Benachrichtigungen, wenn bestimmte Personen deine Story ansehen, sowie Vorschauen für DMs. WhatsApp Plus ist mit 2,99 US-Dollar pro Monat der günstigste Einzelplan und zielt auf Organisation und Personalisierung: exklusive Themes und Icons, Spezialeffekt-Sticker und die Möglichkeit, mehr Chats anzupinnen. Getestet werden sollen zudem Speicher für Chat- und Medien-Backups sowie sogenannte Focus Schedules, mit denen sich Chats nach Zeitplan stummschalten oder ausblenden lassen.
Bündel für Vielnutzer: Core und Premium
Über die Einzelpläne hinaus gibt es die eigentlichen KI-Bündel. Core kostet 7,99 US-Dollar pro Monat und kombiniert die Funktionen der drei Einzelpläne mit deutlich mehr Nutzung der aufwendigen KI-Werkzeuge. Konkret nennt Meta mehr Bildgenerierung und -bearbeitung in Meta AI, das Erstellen von Videos über die hauseigenen Muse-Modelle sowie häufigere Nutzung von In-App-Tools wie Restyle auf Instagram.
Premium setzt für 19,99 US-Dollar pro Monat obendrauf und bietet die höchsten Kontingente für KI-Inhalte über die gesamte App-Familie hinweg. In frühen Tests hätten sich mehr als die Hälfte der Abonnenten sowohl mit den KI- als auch mit den Ausdrucksfunktionen beschäftigt, so Meta. Funktionen wie Restyle und Sprachfilter auf Instagram seien zu den häufigsten Gründen für ein Abo gezählt worden. Interessant ist die Preislücke: In der Einleitung nennt Meta individuelle Bündel ab 7,99 US-Dollar, in der Detailauflistung springt Premium dann auf 19,99 US-Dollar. Wie viel du am Ende zahlst, hängt laut Meta von Region, App und Konto ab.
Pläne für Creator und Unternehmen
Der teuerste und funktionsreichste Teil von Meta One richtet sich an Menschen, die auf den Plattformen professionell arbeiten. Die Grundidee: Werkzeuge zum Aufbau von Reichweite und zur Kundenkommunikation direkt in die Apps holen, ohne dass man ein zusätzliches Konto anlegen oder eine neue App installieren muss.
Zu den Funktionen gehören ein erweitertes Profil, das Website, Standorte und Bewertungen anzeigt, ein auffälliger Follow-Button auf Reels sowie automatische Follow-Einladungen an Personen, die mit den Inhalten interagieren. Dazu kommt erweiterter Zugriff auf den Meta Business Agent, einen KI-gestützten Assistenten, der rund um die Uhr auf Kundenanfragen reagieren soll.
Die Staffelung ist deutlich: Essential beginnt bei 14,99 US-Dollar pro Monat und bringt unter anderem ein verifiziertes Abzeichen, einen verifizierten Kanal in der WhatsApp-Business-App und Schutz vor Identitätsmissbrauch – jeweils nach erfolgreicher Verifizierung. Advanced startet bei 49,99 US-Dollar und ergänzt professionelle Publishing-Funktionen: das Planen von Storys bis zu 30 Tage im Voraus, Links in organischen Beiträgen und Reels, exportierbare Analysen sowie tiefere Zielgruppen-Einblicke. Teammitglieder können ohne Passwortweitergabe auf das Konto zugreifen. Für Teams, die im großen Stil arbeiten, gibt es schließlich Expert ab 149 US-Dollar und Max ab 499 US-Dollar im Monat mit den höchsten Zugriffsstufen. Angekündigt ist außerdem Edits Plus mit mehr Cloud-Speicher und zusätzlicher Nutzung eines kommenden Edits-Assistenten, der bei der Auswertung von Instagram-Insights und beim Ideensammeln helfen soll.
Community Notes statt Faktenchecks
Parallel zur Abo-Offensive verschiebt Meta die Verantwortung für Wahrheitsprüfungen zunehmend auf die Nutzer. Statt auf unabhängige Faktenchecker soll künftig verstärkt ein communitybasiertes System namens Community Notes greifen. Dabei entscheiden die Nutzer von Facebook, Instagram und Threads selbst, welche Beiträge sie als falsch, irreführend oder aus dem Kontext gerissen einstufen. Aktuell testet Meta das Modell laut t3n in 16 südamerikanischen Ländern, darunter Argentinien, Kolumbien, Venezuela, Chile und Mexiko.

Der Kurswechsel ist nicht neu, sondern die Fortsetzung einer Entscheidung von Anfang 2025. Damals kündigte Meta an, sein Moderationsmodell in den USA umzustellen. CEO Mark Zuckerberg begründete das mit dem Ziel, die freie Meinungsäußerung wiederherzustellen. Einige Faktenprüfer seien politisch voreingenommen gewesen und hätten mehr Vertrauen zerstört als aufgebaut, so seine Argumentation. Auch US-Präsident Donald Trump hatte unabhängige Faktenchecks zuvor als Zensur bezeichnet. Seit 2016 hatte Meta auf unabhängige Prüfer gesetzt, die vor allem konkrete Tatsachenbehauptungen kontrollierten, um die Verbreitung von Desinformation einzudämmen.
Kritik kommt ausgerechnet vom hauseigenen Kontrollgremium. Das 2020 gegründete Oversight Board – besetzt unter anderem mit dem früheren Guardian-Chefredakteur Alan Rusbridger und Dänemarks Ex-Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt – wird von Meta finanziert, agiert rechtlich aber unabhängig. Das Gremium warnt davor, den bisherigen Faktencheck einfach durch Community Notes zu ersetzen. Ein solches System könne Debatten zwar bereichern und die freie Meinungsäußerung fördern, aber auch reale Schäden verursachen, die Meta zu verantworten hätte. Der Konzern solle Community Notes deshalb nicht als direkten Ersatz betrachten, sondern alle Instrumente gegen Falschinformationen nutzen. Das Modell selbst ist keine Erfindung von Meta: Auch die Plattform X setzt bereits auf communitybasierte Hinweise statt auf Prüfungen durch unabhängige Agenturen. Meta könne sich diesen Schritt ebenfalls vorstellen, sofern der Test erfolgreich verläuft – ein konkretes Datum nannte der Konzern laut den Berichten aber noch nicht.
Datenschutz-Ärger um die Ray-Ban-Brillen
Ein drittes Baustellenschild betrifft Metas Hardware. Der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit kommt in einem Abschlussbericht zu einem deutlichen Urteil: Die Ray-Ban-Datenbrillen von Meta lassen sich im Alltag kaum rechtssicher verwenden. Das berichtet Golem.de. Die Probleme betreffen sowohl Hard- und Software als auch grundsätzliche Fragen von Aufnahmen und Datenverarbeitung.
Der Kernvorwurf: Man kann mit den Brillen im Alltag mehr oder weniger unbemerkt Personen filmen und die Aufnahmen anschließend per KI-Abfrage weiterverarbeiten. Zwar leuchtet bei Aufnahmen eine kleine LED auf. Im Sonnenlicht sei diese aber kaum erkennbar. Bei den Modellen der zweiten Generation leuchte die Lampe zudem nicht, wenn Nutzer eine KI-Anfrage zur Umgebung stellen. Meta hält in einem Statement dagegen, bei bewussten Kameraaufnahmen leuchte die LED immer. Zusätzlich fand der Datenschutzbeauftragte Code-Fragmente, die auf eine Gesichtserkennung hindeuten – ein besonders heikler Punkt.
Rechtlich bleibt der Träger der Brille in der Verantwortung. Nach DSGVO gilt er als Verantwortlicher für die Einhaltung der Vorgaben. Im öffentlichen Raum sind aber fast immer fremde Personen im Bild, die dann eigentlich um Erlaubnis gefragt werden müssten, weil die sogenannte Haushaltsausnahme nicht greift. Besonders problematisch: Die Daten würden von Meta zum Training kommerzieller KI-Modelle genutzt, was unzulässig sei und den Träger in einer verfolgbaren Verantwortung zurücklasse. Der Beauftragte sieht die Brillen derzeit als Geräte, die Anforderungen an Transparenz und Zweckbindung systematisch unterlaufen, und fordert von Meta Verbesserungen bei den Signalisierungssystemen.
Was bedeutet das für dich?
Für die meisten Nutzer ändert sich zunächst wenig – Meta betont, dass die Grundfunktionen kostenlos bleiben. Trotzdem lohnt es sich, die Entwicklungen im Blick zu behalten, weil sie zusammengenommen die Richtung des Konzerns zeigen. Konkret solltest du folgende Punkte prüfen:
- Abo genau abwägen: Meta One rechnet sich vor allem, wenn du intensiv mit den KI-Werkzeugen arbeitest oder professionell Inhalte erstellst. Für reine Gelegenheitsnutzung sind die 50-plus-Funktionen kaum nötig.
- Preise checken, bevor du buchst: Meta weist ausdrücklich darauf hin, dass Pläne, Vorteile und Preise je nach Region, App und Konto variieren. Starte den Abo-Prozess, um zu sehen, was für dein Konto tatsächlich verfügbar ist.
- Nicht vom günstigsten Einstiegspreis blenden lassen: Die 2,99 US-Dollar gelten für WhatsApp Plus. Die KI-Bündel und Business-Pläne kosten ein Vielfaches – bis zu 499 US-Dollar im Monat für die größte Stufe.
- Bei Faktenchecks kritisch bleiben: Wenn Community Notes das bisherige System ablösen, hängt die Bewertung von Inhalten stärker von der Community ab. Prüfe wichtige Informationen künftig verstärkt selbst über unabhängige Quellen.
- Ray-Ban-Brillen bewusst nutzen: Wer eine Meta-Datenbrille trägt, trägt im öffentlichen Raum die rechtliche Verantwortung für Aufnahmen. Filme keine fremden Personen ohne deren Einverständnis.
Unterm Strich zeigt sich ein Meta, das an mehreren Fronten umbaut: neue Einnahmequelle durch Abos, weniger Aufwand bei der Moderation, mehr KI in Software und Hardware. Für dich heißt das vor allem, genauer hinzuschauen, welche Funktion gratis ist, welche Geld kostet und wo Verantwortung auf dich übergeht.
Häufige Fragen
Bleiben Facebook, Instagram und WhatsApp kostenlos?
Ja. Meta betont mehrfach, dass die Kernfunktionen der Apps und des KI-Assistenten Meta AI kostenlos bleiben. Meta One schaltet lediglich zusätzliche Spezialfunktionen und höhere KI-Kontingente frei, die über das kostenlose Angebot hinausgehen.
Was kostet Meta One?
Die Einzelpläne beginnen bei 2,99 US-Dollar pro Monat für WhatsApp Plus, Instagram Plus und Facebook Plus kosten je 3,99 US-Dollar. Das KI-Bündel Core liegt bei 7,99 US-Dollar, Premium bei 19,99 US-Dollar. Für Kreative und Unternehmen reichen die Pläne von 14,99 US-Dollar (Essential) über 49,99 US-Dollar (Advanced) bis zu 149 US-Dollar (Expert) und 499 US-Dollar (Max). Preise und Verfügbarkeit können je nach Region und Konto abweichen.
Was sind Community Notes bei Meta?
Community Notes ist ein communitybasiertes System, bei dem Nutzer selbst Beiträge als falsch, irreführend oder aus dem Kontext gerissen markieren. Es soll bei Meta die bisherigen unabhängigen Faktenchecks ergänzen oder ersetzen. Aktuell läuft ein Testlauf in 16 südamerikanischen Ländern; die Hinweise sind für andere Nutzer dort noch nicht sichtbar.
Warum kritisiert der Datenschutzbeauftragte die Ray-Ban-Brillen?
Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte hält die Brillen für kaum rechtssicher im Alltag nutzbar. Personen lassen sich unbemerkt aufnehmen, die LED ist im Sonnenlicht kaum sichtbar, und bei KI-Anfragen der zweiten Generation leuchtet sie laut Bericht gar nicht. Zudem gibt es Hinweise auf Gesichtserkennung, und die Verantwortung für Aufnahmen im öffentlichen Raum liegt beim Träger der Brille.
Muss ich für Meta AI künftig bezahlen?
Für die alltägliche Nutzung nicht. Meta AI bleibt laut Konzern kostenlos. Die Bündel Core und Premium richten sich an Nutzer, die deutlich mehr Bilder und Videos generieren oder Werkzeuge wie Restyle und Sprachfilter häufiger einsetzen wollen, als es das Gratiskontingent erlaubt.






