Bei Google laufen gerade mehrere Baustellen parallel. Der Konzern verteilt ein außergewöhnlich umfangreiches Sicherheitsupdate für seinen Browser Chrome, kündigt den Start seiner Robotaxi-Tochter Waymo in München an und ordnet im Hintergrund sein KI- und China-Geschäft neu. Für Nutzer ist vor allem eine dieser Meldungen sofort relevant: Wer Chrome oder einen darauf aufbauenden Browser verwendet, sollte kurzfristig aktualisieren.
Dieser Überblick fasst zusammen, was diese Woche rund um Google passiert ist, was hinter den einzelnen Meldungen steckt und welche Schritte für dich konkret sinnvoll sind.
327 Sicherheitslücken: Das größte Chrome-Update seit Langem
Google hat mit dem jüngsten Chrome-Release insgesamt 327 Sicherheitslücken geschlossen. Das ist eine bemerkenswert hohe Zahl, auch wenn sie noch leicht unter der des Vormonats liegt. Zehn dieser Lücken stuft Google in seiner Release-Ankündigung als kritisch ein. Weitere 61 gelten als hoch, 184 als mittel und 72 als niedrig eingestufte Schwachstellen. Nach dem aktuellen Stand gibt es trotz der großen Menge bei keiner der Lücken Hinweise auf eine aktive Ausnutzung.
Das Gefährdungspotenzial ist breit gefächert. Nach Angaben des BSI-Warndienstes CERT-Bund kann ein Angreifer die Schwachstellen ausnutzen, um beliebigen Programmcode auszuführen, Berechtigungen zu erweitern, Sicherheitsmaßnahmen zu umgehen, sensible Informationen offenzulegen, Spoofing-Angriffe durchzuführen, Daten zu manipulieren oder einen Systemabsturz herbeizuführen. Für einige dieser Angriffe sind allerdings bestimmte Bedingungen oder eine Nutzerinteraktion nötig – etwa das Öffnen einer präparierten Webseite.
Als geschützt gelten laut Golem.de die Chrome-Versionen 152.0.7977.64 für Linux sowie 152.0.7977.64/.65 für Windows und macOS. Die Aktualisierung sollte zügig eingespielt werden, um das Zeitfenster für mögliche Angriffe klein zu halten.
Warum auch Edge, Brave und Vivaldi betroffen sind
Viele der geschlossenen Lücken stecken nicht in Chrome-spezifischem Code, sondern in der von Google gepflegten Chromium-Codebasis. Genau diese Basis nutzen zahlreiche andere Browser. Deshalb müssen auch Microsoft Edge, Brave und Vivaldi in Kürze eigene Updates nachschieben. Wer einen dieser Browser einsetzt, sollte in den kommenden Tagen aktiv nach Aktualisierungen suchen und sich nicht darauf verlassen, dass ausschließlich Chrome-Nutzer gemeint sind.
Bug Bounty: Wo das Geld hinfloss
Sieben der jetzt gepatchten Schwachstellen kamen von externen Sicherheitsforschern, die Google dafür im Rahmen seines Bug-Bounty-Programms vergütete. Die höchste Einzelprämie von 25.000 US-Dollar ging an CVE-2026-79282, eine kritische Lücke im WebGL-Backend Angle. Auf dem zweiten Platz folgte mit 8.000 US-Dollar die mittelschwere Lücke CVE-2026-79209 in Chromes Animation-Engine. Zusammen mit weiteren Auszahlungen von 2.000, mehrfach 1.000 und 500 US-Dollar summieren sich die Prämien für dieses Release auf 38.500 US-Dollar.
Interessant ist der Kontext dahinter: Der zunehmende Einsatz von künstlicher Intelligenz treibt die Suche nach Schwachstellen seit einigen Monaten spürbar an. Dass Browser-Updates inzwischen dreistellige Lückenzahlen abarbeiten, hängt auch damit zusammen, dass automatisierte Werkzeuge deutlich mehr Fehler aufspüren als früher.
Waymo bringt Robotaxis nach München
Deutlich langfristiger angelegt ist ein anderer Schritt: Googles Schwesterfirma Waymo will ihren autonomen Fahrdienst nach Deutschland bringen. Wie das Unternehmen am 25. August 2026 mitteilte, ist geplant, von Ende 2027 an in München einen vollautonomen Ride-Hailing-Dienst anzubieten. Waymo bezeichnet das laut Golem.de als „Beginn eines langfristigen Engagements des Unternehmens in Deutschland“.
Vor dem eigentlichen Start steht eine ausgedehnte Vorbereitungsphase. Schon in den kommenden Wochen sollen Waymo-Fahrzeuge in München unterwegs sein. Zunächst sitzen dabei ausgebildete Spezialisten am Steuer, während das System die nötigen Kartendaten für den vollständig autonomen Betrieb sammelt. Für diese Testfahrten suchte Waymo über die Transdev Autonome Services Deutschland GmbH nach englischsprachigen Sicherheitsfahrern – ausgeschrieben als befristetes Arbeitsverhältnis über ein Jahr, unter anderem für das manuelle Führen der Testfahrzeuge zur Datenerhebung.
Was rechtlich dahintersteht
Waymo arbeitet nach eigenen Angaben eng mit dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA), den zuständigen Landesbehörden und den Verantwortlichen in München zusammen, um die Genehmigungen für vollautonome Fahrten im Jahr 2027 zu erhalten. Die rechtliche Grundlage dafür besteht in Deutschland bereits: Der Bundestag hatte im Mai 2021 die Voraussetzungen für autonome Autos ohne Sicherheitsfahrer geschaffen. Zusätzlich sollen Anfang 2027 neue Zulassungskriterien in Kraft treten, die sowohl Level 2++ als auch Level 4 in Deutschland und Europa erlauben.
Bereits im Mai 2026 hatte Waymo in München eine Tochtergesellschaft eingetragen. Die Expansion passt ins Bild: In London soll der Betrieb schon in diesem Jahr starten, und nach München könnten weitere deutsche Städte folgen – Berlin gilt als möglicher Kandidat. Welche Fahrzeuge Waymo nach München bringt, ist noch offen. Im Einsatz sind bei dem Unternehmen zuletzt der Jaguar I-Pace sowie das speziell für den Dienst gebaute Robotaxi Ojai, das vom chinesischen Hersteller Zeekr stammt und mit Waymos sechster Technologiegeneration ausgestattet ist. Diese kommt mit weniger Kameras aus, ohne an Genauigkeit zu verlieren, und kombiniert die Bilddaten mit Lidar und Radar.
Googles KI- und China-Kurs
Weniger greifbar, aber strategisch bedeutsam ist Googles Manövrieren im Feld der KI-Modelle und im China-Geschäft. Golem.de veröffentlichte dazu im Rahmen seines Formats Tech Asia einen Beitrag über Googles China-Verschiebung und den Wettbewerb um KI-Modelle, erstellt zusammen mit Nikkei Asia und der Financial Times. Der Artikel ordnet die Dynamik in der asiatischen Tech-Industrie ein, in der der Auftragsfertiger TSMC eine zentrale Rolle spielt.
Dass Google im KI-Wettlauf um Partnerschaften und Rechenkapazitäten kämpft, zeigt sich auch am Rand der Branche: Berichten zufolge verhandelt der chinesische KI-Anbieter Moonshot AI mit mehreren Cloud-Größen – darunter Microsoft, Amazon und Google – über eine Umsatzbeteiligung für sein Modell. Solche Gespräche unterstreichen, wie stark sich das Geschäft mit großen Sprachmodellen inzwischen um Vertriebswege und Infrastruktur dreht, nicht mehr nur um die Modelle selbst.
Rundum-Blick: Was sonst durch die Tech-Woche lief
Neben den Google-Meldungen sorgte in derselben Woche eine ganze Reihe von Smart-Home-Neuheiten für Gesprächsstoff. Besonders im Fokus stand Philips Hue: Für Anfang September – mehrere geleakte Unterlagen nennen den 3. September – wird ein größeres Neuheitenpaket erwartet. Über iFun.de tauchten dazu bereits viele Details auf.

Das spannendste Gerät ist die Philips Hue Play Screen Sync Camera. Sie wird oben auf dem Fernseher befestigt und erfasst mit einem Fischaugenobjektiv das laufende Bild, um Farben und Helligkeit in Echtzeit auf die Hue-Leuchten eines Entertainment-Bereichs zu übertragen. Der Vorteil gegenüber der 349,99 Euro teuren Hue Play HDMI Sync Box 8K: Die Kamera sieht schlicht, was auf dem Bildschirm passiert – also auch integrierte Streaming-Apps und normales Fernsehen, unabhängig von HDMI-Version oder Auflösung. Der kolportierte Preis liegt bei rund 109,99 Euro.

Ergänzt wird das Paket unter anderem durch ein Wall Light Module, das vorhandene Nanoleaf Shapes für rund 39,99 Euro in die Hue-App holt, drei neue Festavia-Lichter für draußen (je 250 LEDs, voraussichtlich 219,99 Euro) sowie einen OmniGlow Outdoor Lightstrip, der sich erstmals kürzen lässt und dank Versiegelungsset seinen IP67-Schutz behält. Offiziell bestätigt hat Philips Hue diese Produkte noch nicht.
Für Gaming-Fans lieferte außerdem die Kooperation von IKEA und Xbox Neues: Die Kollektion YXSTABY umfasst neun Möbelstücke und Accessoires, die Elemente des Xbox-Controllers aufgreifen – vom Thumbstick-Hocker bis zum mobilen TV-Ständer für 99,99 Euro. In Deutschland soll die Reihe ab dem 1. Oktober erhältlich sein.
Was bedeutet das für dich?
Die praktisch dringendste Aufgabe betrifft deinen Browser. Alles andere ist vor allem Einordnung für die kommenden Monate.
- Chrome sofort aktualisieren: Öffne das Menü über die drei Punkte oben rechts, gehe auf „Hilfe“ und „Über Google Chrome“. Der Browser prüft dann automatisch auf Updates und lädt sie herunter. Danach ist ein Neustart nötig, damit die neue Version aktiv wird.
- Zielversion prüfen: Achte darauf, dass mindestens Version 152.0.7977.64 (Linux) beziehungsweise 152.0.7977.64/.65 (Windows, macOS) installiert ist.
- Andere Chromium-Browser nicht vergessen: Nutzt du Edge, Brave oder Vivaldi, halte in den nächsten Tagen nach deren Updates Ausschau und installiere sie ebenfalls.
- Automatische Updates einschalten: Wer Chrome regelmäßig komplett schließt, bekommt Updates ohnehin schneller. Ein gelegentlicher Neustart des Browsers hilft, damit heruntergeladene Patches wirklich greifen.
- Waymo entspannt beobachten: Für einen Robotaxi-Dienst in München bleibt bis Ende 2027 Zeit. Kurzfristig ändert sich für dich nichts – interessant wird es, wenn Testfahrzeuge im Stadtbild auftauchen.
Häufige Fragen
Wie stelle ich fest, welche Chrome-Version ich habe?
Klicke oben rechts auf das Drei-Punkte-Menü, wähle „Hilfe“ und dann „Über Google Chrome“. Dort zeigt der Browser die installierte Version an und startet automatisch eine Update-Prüfung. Liegt eine neuere Version bereit, wird sie geladen; nach einem Neustart ist sie aktiv. Sicher bist du ab Version 152.0.7977.64 beziehungsweise .65 unter Windows und macOS.
Muss ich mir Sorgen machen, obwohl keine aktiven Angriffe bekannt sind?
Dass bislang keine aktive Ausnutzung dokumentiert ist, heißt nicht, dass keine Gefahr besteht. Sobald ein Update öffentlich ist, lässt sich aus den behobenen Fehlern oft ableiten, wo die Schwachstellen lagen. Angreifer können daraus zügig funktionierende Angriffe entwickeln, die dann ungepatchte Systeme treffen. Ein schnelles Update verkleinert dieses Zeitfenster deutlich.
Warum sind bei einem Update gleich über 300 Lücken dabei?
Die hohe Zahl ist Teil eines Trends. Der Einsatz von KI-Werkzeugen bei der Schwachstellenforschung deckt inzwischen deutlich mehr Fehler auf als noch vor wenigen Jahren. Viele der Lücken sind zudem mittel oder niedrig eingestuft. Kritisch sind bei diesem Release zehn Schwachstellen – die restlichen verteilen sich auf hohe, mittlere und niedrige Schweregrade.
Wann kann ich in München tatsächlich ein Waymo-Robotaxi buchen?
Der vollautonome Fahrdienst ist für Ende 2027 geplant. Davor läuft eine mindestens einjährige Phase, in der Fahrzeuge mit geschulten Sicherheitsfahrern unterwegs sind und Kartendaten sammeln. Erste Testwagen sollen bereits in den kommenden Wochen in München fahren. Ein regulärer Buchungsstart hängt von den nötigen Genehmigungen ab, an denen Waymo mit dem KBA und den Behörden arbeitet.
Betrifft mich das Chrome-Update auch auf dem Smartphone?
Die genannten Versionsnummern beziehen sich auf die Desktop-Ausgaben für Windows, macOS und Linux. Unabhängig davon gilt aber grundsätzlich: Halte Chrome auch auf dem Smartphone aktuell, indem du Updates über den jeweiligen App-Store einspielst. Sicherheitsupdates werden dort separat ausgeliefert, folgen aber demselben Prinzip – zeitnah installieren lohnt sich.




