Zwei sehr unterschiedliche Meldungen tragen den Namen Samsung durch die erste Septemberwoche 2026: Auf der einen Seite steht ein Wettbewerb für junge Entwickler, der Technologie mit gesellschaftlichem Nutzen verbinden will. Auf der anderen ein Beschluss des Oberlandesgerichts Düsseldorf, der weit über die Stadt Datteln hinaus Wirkung entfalten dürfte. Beide zeigen, wie breit Samsungs Rolle in Deutschland inzwischen aufgestellt ist – als Förderer von Innovationsprojekten und als Wettbewerber, der öffentliche Beschaffung juristisch anfechtet.
Wir ordnen ein, was beim Finale von Solve for Tomorrow 2026 passiert ist, welche Ideen sich durchgesetzt haben und was die Vergabe-Entscheidung aus Nordrhein-Westfalen für Schulträger im ganzen Land bedeutet.
Solve for Tomorrow: Das Finale in Berlin
Am 3. September 2026 traten sechs Finalisten-Teams des Samsung-Innovationsprogramms Solve for Tomorrow im Berliner Humboldt Carré gegeneinander an. Der Pitch-Abend war Teil der Samsung-Ausstellung im Rahmenprogramm der IFA 2026. Es war bereits die siebte Runde des Programms, das diesmal unter dem Motto „Tech for Life“ stand.
Die Aufgabe für die Teilnehmer: Ideen entwickeln, die an der Schnittstelle von Technologie und gesellschaftlicher Wirkung liegen. Drei Themenfelder gaben die Richtung vor – „Health & Tech“, „Green & Tech“ und „Sport & Tech“. Nach einem Idea Camp im Juli hatten die Teams Zeit, ihre Konzepte zu schärfen, Technologien zu verfeinern und an den Details zu arbeiten. Im Finale ging es dann nicht nur darum, die Jury von der Idee zu überzeugen, sondern auch vom konkreten Potenzial für gesellschaftliche Wirkung.
Durch den Abend führte Sophia Tran. Die sechs angetretenen Teams hießen Air2Growth, Artemis Civil Systems, Cancer EarlySignal Lab, Flowa, Memphis und TrainBack. Die Bandbreite der Ansätze reichte von der Nutzung von CO₂ als Ressource über die frühzeitige Erkennung von Umweltgefahren bis hin zu neuen Wegen in der Krebsfrüherkennung, digitaler Unterstützung bei Stottern, intelligenten Wearables und niedrigschwelliger Reha.

Die Jury und ihre Perspektiven
Über die Gewinner entschied eine Jury, die bewusst unterschiedliche Blickwinkel zusammenbrachte. Dabei waren Avo Schönbohm, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Controlling an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, Katharina Heby als Head of Innovation Consulting bei ekipa, Christoph Rohde, Head of Transactions bei FASE, sowie Marc Blunck, Director Sales Operations, Strategy & Supply Chain Management und Teil der AI Crew bei der Samsung Electronics GmbH.
Damit flossen Wissenschaft, Innovationsberatung, Impact-Finanzierung und Wirtschaft in die Bewertung ein. Peter Höhn, Senior Professional Corporate Citizenship bei Samsung in Deutschland, betonte laut Mitteilung, wie stark sich die Teams seit dem Idea Camp entwickelt hätten. Sein Punkt: In jungen Talenten stecke viel Innovationskraft, sobald Technologie mit einem klaren gesellschaftlichen Ziel verknüpft werde.
Die drei Gewinnerteams im Detail
Am Ende überzeugten drei Konzepte die Jury. Sie ziehen in die sogenannte Impact-Phase ein, in der die Ideen weiter geschärft und auf ihre praktische Umsetzung vorbereitet werden.
Air2Growth: CO₂ aus der Luft als Rohstoff
Das Team von Air2Growth verfolgt einen Ansatz, der Kohlendioxid nicht nur reduzieren, sondern nutzen will. Über Direct Air Capture soll CO₂ direkt aus der Umgebungsluft abgeschieden werden. Anschließend verarbeiten Mikroalgen in einem Photobioreaktor das gewonnene Gas weiter. Das daraus entstehende Produkt soll perspektivisch als CO₂-negativer Präzisionsdünger in der Landwirtschaft zum Einsatz kommen. Die Idee verbindet also eine Technologie zur CO₂-Entnahme mit dem Ziel, landwirtschaftliche Prozesse nachhaltiger zu gestalten.
Cancer EarlySignal Lab: Krebsfrüherkennung im Alltag
Das Cancer EarlySignal Lab will Früherkennung stärker in den Alltag holen. Zunächst mit Fokus auf Brustkrebs sollen Nutzer mithilfe eines Mikrosamplings selbstständig zu Hause eine Blutprobe entnehmen können. Die enthaltenen Biomarker werden analysiert und mithilfe von künstlicher Intelligenz über längere Zeiträume ausgewertet. Der Gedanke dahinter: Veränderungen ließen sich so früher erkennen und für die weitere medizinische Abklärung nutzbar machen. Ein niederschwelliger Zugang, der die Lücke zwischen regulären Vorsorgeterminen füllen soll.
TrainBack: Reha und Prävention digital
TrainBack richtet sich an Menschen nach Sportverletzungen. Eine App bündelt strukturierte Übungspläne und soll die oft lange Wartezeit bis zu einem Termin in der Physiotherapie sinnvoll überbrücken. Gleichzeitig will das Team dazu beitragen, dass Nutzer früher aktiv werden und Rehabilitation wie Prävention fester in ihren Alltag einbauen. Der Ansatz zielt damit auf ein bekanntes Problem: den Zugang zu qualifizierter Betreuung, der vielerorts durch knappe Kapazitäten erschwert wird.
Was die Gewinner jetzt bekommen
Mit dem Finale beginnt für die drei Teams die nächste Etappe. Über die kommenden sechs Monate sollen sie ihre Ansätze mit Unterstützung von Experten, Mentoren und Partnern weiterentwickeln, auf praktische Umsetzbarkeit prüfen und die Grundlagen für die nächsten Schritte legen. Dafür stehen zweckgebundene Preisgelder von insgesamt 22.500 Euro sowie ausgewählte Samsung-Geräte bereit.
Hinter dem Programm steht ein Netzwerk aus Partnern. Hashtag Gesundheit e.V., die Cradle to Cradle NGO und Team Deutschland haben die Teilnehmer bereits während des Idea Camps mit ihrer Expertise begleitet. ekipa fungiert als Umsetzungspartner und bringt Erfahrung aus Open Innovation und Startup-Förderung ein. FASE steuert Know-how rund um Impact Investing und wirkungsorientierte Finanzierung bei. Diese Kombination aus fachlicher Beratung, Kapitalperspektive und Mentoring soll den Teams helfen, aus Prototypen und Konzepten tragfähige Projekte zu machen.
Einordnend lässt sich sagen: Solche Programme sind für Konzerne auch ein Instrument der Markenpflege und des Talent-Scoutings. Für die Teilnehmer bieten sie aber einen realen Vorteil – strukturierte Begleitung, Zugang zu Netzwerken und Startkapital, das in der frühen Phase oft entscheidend ist. Ob aus Air2Growth, TrainBack oder dem Cancer EarlySignal Lab marktreife Produkte werden, wird sich erst in den kommenden Monaten und Jahren zeigen.
Der zweite Schauplatz: Datteln und die Schul-Tablets
Deutlich handfester wirkt die zweite Samsung-Meldung der Woche. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat eine Ausschreibung der Stadt Datteln für neue Schul-Tablets aufgehoben. Die Kommune wollte 665 iPads samt Schutzhüllen beschaffen, um bestehende Geräte zu ersetzen und zusätzlichen Bedarf zu decken. Samsung hatte dagegen eine herstellerneutrale Ausschreibung verlangt – und bekommt nun vorläufig Recht, wie iFun.de berichtet.
Datteln setzt bereits umfangreich auf Apples Tablets. Die Stadt wollte deshalb auch in der nächsten Beschaffungsrunde im vorhandenen System bleiben. Als Begründung führte sie unter anderem ihre zentrale Geräteverwaltung an, eingespielte Abläufe und den zusätzlichen Aufwand, den ein Wechsel oder ein Mischbetrieb verschiedener Systeme verursachen könnte. Nachvollziehbare Argumente aus Sicht der IT-Verwaltung – juristisch aber nicht ausreichend belegt.

Warum das Gericht die Ausschreibung kippte
Der Kern des Beschlusses liegt im Vergaberecht. Öffentliche Auftraggeber dürfen eine Ausschreibung grundsätzlich nicht ohne Weiteres auf die Produkte eines einzelnen Herstellers zuschneiden. Ausnahmen sind zwar möglich, müssen nach Auffassung des Gerichts aber konkret begründet und gegebenenfalls nachgewiesen werden. Genau an dieser Hürde scheiterte Datteln.
Der Vergabesenat hielt die Angaben zum möglichen Wechsel des Mobile Device Managements für zu allgemein. Es fehlten konkrete Zahlen zum Zeitaufwand und zu den Kosten, die ein Systemwechsel verursachen würde. Auch mögliche Probleme beim parallelen Betrieb unterschiedlicher Tablet-Marken beschrieb die Stadt nur pauschal. Teile der vorgelegten Berechnungen bewertete das Gericht zudem als nicht plausibel.
Wichtig ist die Feinheit dahinter: Das Gericht verlangt nicht, dass Kommunen bestehende Systeme bei künftigen Beschaffungen grundsätzlich ignorieren. Es fordert aber eine nachvollziehbare Einzelfallprüfung. Eine vorhandene Apple-Infrastruktur allein genügt eben nicht als Freifahrtschein für weitere reine iPad-Ausschreibungen. Wer sich weiter auf einen Hersteller festlegen will, muss den technischen und wirtschaftlichen Vorteil deutlich genauer belegen.
Warum der Fall über Datteln hinaus zählt
Die Entscheidung des OLG Düsseldorf ist rechtskräftig. Will Datteln die Tablets weiterhin beschaffen, muss die Stadt das Verfahren neu aufsetzen und erneut untersuchen, ob tatsächlich ausschließlich iPads infrage kommen oder ob auch Geräte anderer Hersteller berücksichtigt werden können.
Die Tragweite reicht weiter. Viele Schulträger haben über Jahre nicht nur Tablets angeschafft, sondern ihre gesamte Verwaltung, Apps und Support auf ein bestimmtes Ökosystem abgestimmt. Bremens Schüler nutzen iPads, Niedersachsen würde gerne nachziehen. Das OLG stellt nun klar, dass ein solcher Bestandsschutz nicht automatisch für jede künftige Bestellung gilt. Das kann bedeuten, dass mehr Kommunen künftig aufwendiger dokumentieren müssen, warum sie bei einem Anbieter bleiben – oder dass sie ihre Beschaffung stärker öffnen.
Bemerkenswert ist die Rolle von Samsung dabei. Der Konzern trat hier nicht als Lieferant auf, sondern als Wettbewerber, der die Spielregeln der öffentlichen Beschaffung durchsetzte. Ob am Ende Samsung-Geräte in Dattelner Schulen landen, ist damit ausdrücklich nicht entschieden. Das Ergebnis einer neuen, offenen Ausschreibung könnte durchaus erneut zugunsten von iPads ausfallen – dann aber mit einer belastbaren Begründung.
Was bedeutet das für dich?
Je nachdem, aus welcher Richtung du auf die beiden Themen blickst, ergeben sich unterschiedliche Konsequenzen.
- Für junge Gründer und Entwickler: Programme wie Solve for Tomorrow bieten strukturierte Begleitung, Mentoring und Startkapital. Wenn du an einer Idee mit gesellschaftlichem Nutzen arbeitest, lohnt sich der Blick auf solche Wettbewerbe – die nächste Runde dürfte 2027 folgen.
- Für Eltern und Lehrkräfte: Das Datteln-Urteil ändert kurzfristig nichts an bereits ausgeteilten Geräten. Mittelfristig kann es aber dazu führen, dass neue Ausschreibungen länger dauern oder andere Systeme ins Spiel kommen.
- Für Schulträger und Verwaltungen: Wer weiter auf ein bestimmtes Ökosystem setzen möchte, sollte den Aufwand eines Systemwechsels mit konkreten Zahlen zu Zeit und Kosten hinterlegen. Pauschale Hinweise auf „bereits etablierte Abläufe“ reichen nach diesem Beschluss nicht.
- Für Käufer im Privatbereich: Der Streit dreht sich um Vergaberecht, nicht um Gerätequalität. Für deine persönliche Kaufentscheidung zwischen iPad und Galaxy-Tablet bleiben die üblichen Kriterien maßgeblich – Ökosystem, App-Verfügbarkeit, Update-Dauer und Preis.
Konkret solltest du, falls du in einem Schulträger oder einer Verwaltung an Beschaffung beteiligt bist, deine bestehenden Ausschreibungsvorlagen prüfen. Zuschlagskriterien und Mindestanforderungen lassen sich so formulieren, dass funktionale Bedürfnisse abgebildet werden, ohne einen Hersteller namentlich vorzuschreiben. Genau das ist der Weg, den das Vergaberecht vorzeichnet.
Häufige Fragen
Wer hat Solve for Tomorrow 2026 gewonnen?
Die drei Gewinnerteams sind Air2Growth, TrainBack und Cancer EarlySignal Lab. Air2Growth arbeitet an der Nutzung von CO₂ aus der Luft als Präzisionsdünger, TrainBack an einer App für Reha und Prävention nach Sportverletzungen und das Cancer EarlySignal Lab an einer alltagstauglichen Krebsfrüherkennung per Blutprobe von zu Hause.
Wie viel Preisgeld gibt es beim Samsung-Programm?
Die drei Gewinnerteams teilen sich zweckgebundene Preisgelder von insgesamt 22.500 Euro. Zusätzlich erhalten sie ausgewählte Samsung-Geräte und werden über sechs Monate von Experten, Mentoren und Partnern wie ekipa und FASE bei der Weiterentwicklung ihrer Ideen begleitet.
Muss Datteln jetzt Samsung-Tablets kaufen?
Nein. Das OLG Düsseldorf hat lediglich die bisherige Ausschreibung aufgehoben, weil sie zu eng auf iPads zugeschnitten war. Will die Stadt weiter Tablets beschaffen, muss sie das Verfahren neu aufsetzen und ergebnisoffen prüfen. Am Ende können erneut iPads gewinnen – dann aber mit einer nachvollziehbaren Begründung.
Dürfen Schulen künftig gar keine iPads mehr ausschreiben?
Doch. Das Gericht verbietet reine iPad-Ausschreibungen nicht grundsätzlich. Es verlangt aber eine konkrete Einzelfallprüfung mit belastbaren Zahlen zu Zeitaufwand, Kosten und den Nachteilen eines Systemwechsels. Eine bestehende Apple-Infrastruktur allein reicht nicht als Rechtfertigung.
Was hat die IFA 2026 mit dem Wettbewerb zu tun?
Das Pitch-Finale fand am 3. September 2026 in der Samsung-Ausstellung statt, die Teil des IFA-Programms in Berlin war. Die Messe bildete damit den Rahmen für die Präsentationen der sechs Finalisten-Teams im Humboldt Carré.




