Der September-Patchday hat Windows-Nutzern eine ganze Sammlung an Ärgernissen beschert. Seit Microsoft am 8. September 2026 das kumulative Update mit der Kennung KB5124008 für Windows 11 verteilt, wächst die Liste der bestätigten und vermuteten Fehler beinahe täglich. Stumme Lautsprecher, abbrechende Remote-Desktop-Verbindungen, ausfallende Ordnerfreigaben in Linux-VMs – die Bandbreite reicht vom Heim-PC bis in Unternehmensnetze.

Parallel dazu sorgt ein zweiter Windows-Fund für Aufsehen, der sich weniger nach Panne und mehr nach Erleichterung anfühlt: Windows 11 lässt sich derzeit über einen unscheinbaren Klick wieder mit einem lokalen Konto einrichten – ganz ohne den sonst obligatorischen Microsoft-Account. Beide Themen zeigen, wie holprig Microsofts Update- und Produktpolitik momentan verläuft. Wir ordnen ein, was betroffen ist, welche Workarounds es gibt und worauf du achten solltest.

Welches Update die Probleme auslöst

Im Zentrum steht das Update KB5124008, das auf Rechnern mit Windows 11 in den Versionen 25H2 und 24H2 landet. Es hebt das Betriebssystem laut t3n auf die Build-Nummern 26200.9445 (25H2) beziehungsweise 26100.9445 (24H2). Verteilt wird es seit dem 8. September, seitdem häufen sich im Netz die Beschwerden.

Microsoft hat inzwischen mehrere Fehler offiziell bestätigt. Die Krux dabei: Für keines der bislang eingeräumten Probleme gibt es eine fertige Lösung. Der Konzern versichert lediglich, an Korrekturen zu arbeiten und diese über künftige Updates auszuliefern. Wann das passiert, bleibt offen. Das ist besonders unglücklich, weil derselbe Patchday zahlreiche Sicherheitslücken schließt – wer das Update entfernt, öffnet sie wieder.

USB-Audio: Lautsprecher und Mikrofone bleiben stumm

Das wohl sichtbarste Problem betrifft den Ton. Nach der Installation können bestimmte Audiogeräte schlicht verstummen. Betroffen sind laut Microsoft vor allem USB-Audiogeräte der USB-Audio-Klasse 1.0. Diese starten in einigen Fällen gar nicht mehr und geben keinen Ton aus. Änderungen am Lautstärkeregler oder anderen Toneinstellungen bleiben dann wirkungslos.

Der Fehler äußert sich im Geräte-Manager mit der Meldung „Dieses Gerät kann nicht gestartet werden (Code 10)“. Wie t3n unter Berufung auf Windows Latest berichtet, hängt das Ganze offenbar mit einer fehlenden Kompatibilität zwischen der neuen Windows-Version und den Treibern der Audiogeräte zusammen. Ein klares Muster, welche Hersteller besonders betroffen sind, ließ sich zunächst nicht erkennen.

Neben stummen Lautsprechern melden erste Nutzer auch ausgefallene Mikrofone sowie Fehler bei der Wiedergabe von Mehrkanal-Audio. Bei Geräten mit Mehrkanal-Funktionen soll die Ausgabe teils auf den Stereomodus beschränkt sein. Immerhin gibt es hier einen Workaround: Wer manuell in den 2-Kanal-Modus umschaltet, bekommt den Ton oft wieder zum Laufen. Microsoft selbst empfiehlt diese vorübergehende Lösung.

RDP und Remote-Desktop-Services: Ärger in Unternehmen

Dass die September-Updates RDP-Verbindungen stören, zeichnete sich schon in der Woche vor der offiziellen Bestätigung durch Nutzerbeschwerden ab. Laut Golem.de räumt Microsoft nun ein, dass es nach der Installation zu Problemen mit den Remote-Desktop-Services (RDS) kommen kann.

Die Symptome sind vielfältig: Anmeldeprobleme und Instabilitäten, RDP-Verbindungen, die nach wenigen Minuten abbrechen, oder Server, die beim Verbindungsaufbau hängen bleiben. Auch zugehörige Werkzeuge reagieren mitunter nicht mehr – dazu zählen laut Microsoft die Microsoft Management Console (MMC), das RDS-Lizenzdiagnosetool und der Dateiexplorer. Zusätzlich soll die Windows-Update-Seite in manchen Fällen dauerhaft einen Ladeindikator anzeigen, ohne zu reagieren.

Anders als bei den Audio- und VM-Problemen trifft der RDP-Bug ein breites Spektrum an Systemen. Betroffen sind laut Microsoft alle gängigen Varianten: die Desktop-Systeme Windows 10 (inklusive LTSC) und Windows 11 sowie die Windows-Server-Versionen 2012 (R2), 2016, 2019, 2022 und 2025. Damit ist gerade der Unternehmenseinsatz gefährdet, wo Remote-Desktop-Zugriffe zum Alltag gehören.

Ein kompletter Fix fehlt bislang auch hier. Zumindest lässt sich das Problem laut Microsoft durch einen Neustart der betroffenen Maschinen temporär beheben – eine wirkliche Lösung ist das freilich nicht, sondern eher ein Notpflaster.

Hyper-V und Linux-VMs: Ordnerfreigaben verschwinden

Ein weiterer bestätigter Fehler betrifft virtuelle Maschinen auf Linux-Basis, die unter Hyper-V laufen. Bei Anwendungen, die von HCS verwaltete VMs nutzen, treten Probleme auf, wenn Hostordner über die Plan9-Funktion für Linux-VMs freigegeben werden. Diese Ordner tauchen dann in der Gastumgebung schlicht nicht mehr auf.

Das klingt nach einem Nischenproblem, hat aber praktische Folgen für einige verbreitete Werkzeuge. Betroffen sind laut Microsoft unter anderem das Windows-Subsystem für Linux (WSL) sowie Claude Cowork. Wer auf entsprechende Ordnerfreigaben angewiesen ist, stößt hier auf Fehlfunktionen. Hyper-V-VMs, die die Plan9-Funktion gar nicht verwenden, bleiben dagegen verschont. Anders als der RDP-Bug listet Microsoft für die Audio- und VM-Probleme ausschließlich verschiedene Windows-11-Versionen als betroffen.

Die unbestätigte Fehlerliste wächst weiter

Über die offiziell eingeräumten Punkte hinaus kursieren weitere Beschwerden, zu denen sich Microsoft bislang nicht geäußert hat. Windows Latest hat mehrere davon gesammelt, wie Golem.de und t3n berichten. Dazu gehören:

  • Probleme mit dem Dateiversionsverlauf, bei dem Backups fehlerhaft ablaufen.
  • Schwierigkeiten mit Treibern für AMD-GPUs.
  • Startprobleme des Explorers, die dazu führen, dass Betroffene nach der Anmeldung nur einen schwarzen Bildschirm sehen. Abstürze von explorer.exe können diesen Zustand auslösen.
  • Weitere Störungen im Zusammenspiel mit Claude Cowork.

Der schwarze Bildschirm nach dem Login ist dabei besonders unangenehm, weil er den normalen Zugriff auf den Desktop blockiert. Solange Microsoft diese Punkte nicht offiziell bestätigt hat, bleibt offen, wie verbreitet sie sind und wann Abhilfe kommt.

Deinstallieren oder abwarten? Die Abwägung

Für die bestätigten Probleme gibt es zwei praktische Optionen, die beide ihre Haken haben. Die erste ist das Zurückdrehen des Updates: Eine Deinstallation von KB5124008 beseitigt die Fehler zuverlässig, öffnet aber die am Patchday geschlossenen Sicherheitslücken wieder. Das ist kein rein theoretisches Risiko – ausgerechnet Microsoft hat im Juli 2026 davor gewarnt, Updates länger als drei Tage aufzuschieben, weil KI-gestützte Angriffe frisch bekannte Schwachstellen sehr schnell ausnutzen könnten.

Die zweite Option ist das Aussitzen bis zum Fix. Für die RDP-Probleme hilft ein Neustart wenigstens vorübergehend, für die Mehrkanal-Audio-Probleme der Wechsel in den 2-Kanal-Modus. Gegen stumme USB-Audiogeräte, den schwarzen Bildschirm oder die verschwundenen Plan9-Freigaben bleibt aktuell aber nur das Warten oder eben die Deinstallation.

Der Nebenschauplatz: Kontozwang bei Windows 11 umgehen

Fast zeitgleich zum Update-Ärger machte ein zweites Windows-Thema die Runde. Microsoft möchte eigentlich, dass jede Windows-11-Installation über ein Microsoft-Konto und eine aktive Internetverbindung läuft. Wege, das zu umgehen, wurden in der Vergangenheit systematisch geschlossen – etwa durch die Entfernung des Skripts bypassnro.cmd.

Nun ist ein überraschend simpler Weg aufgetaucht. Wie Golem.de unter Berufung auf Windows Latest berichtet, genügt es bei der Einrichtung, im Anmeldedialog auf den etwas versteckten Textlink „Weitere Informationen“ (englisch „Learn more“) zu klicken. Danach verlangt das System kein Microsoft-Konto mehr, sondern erlaubt die Erstellung eines lokalen Profils. Getestet wurde das mit Windows 11 Home in der aktuellen Version – ausgerechnet jene Edition, für die es bislang kaum vergleichbare Tricks gab.

Entdeckt hatte den Kniff der X-Nutzer „Bob Pony“, wie t3n schreibt. Ob es sich um eine gewollte Änderung oder um einen Programmfehler handelt, ist offen. Windows Latest vermutet einen Bug, der mit einem künftigen Update wieder verschwinden könnte. Wer die Offline-Einrichtung nutzen will, sollte also nicht zu lange zögern.

Warum ein lokales Konto Vorteile haben kann

Die Einrichtung im Offline-Modus bringt einige praktische Effekte mit sich. Laut t3n entfallen Werbeeinblendungen für Microsoft 365 und ähnliche Dienste sowie automatische Datensicherungen über OneDrive. Auch die automatische BitLocker-Verschlüsselung lässt sich auf diesem Weg umgehen, und Nutzer behalten mehr Kontrolle über Treiber und Updates.

Microsoft begründet den Zwang zu Internetanbindung und Online-Konto dagegen mit der Sicherheit – ohne diese Voraussetzungen könne der Rechner nicht „korrekt“ eingerichtet werden. Beobachter vermuten allerdings, dass auch die zunehmende Integration hauseigener KI-Werkzeuge und lukrative Online-Dienste eine Rolle spielen. Dass der Kontozwang intern nicht unumstritten ist, deutete Ende März 2026 Scott Hanselman an, Vice President in Microsofts Entwickler-Community, der den Zwang öffentlich kritisierte und an Änderungen zu arbeiten erklärte. Offizielle Neuerungen gibt es bislang aber nicht.

Rückblick: Warum 32-Bit-Windows bei 4 GByte RAM endete

Passend zur aktuellen Diskussion um Windows-Grundlagen hat Microsoft-Veteran Raymond Chen ein altes Missverständnis aufgeklärt. Die verbreitete Annahme, 32-Bit-Windows sei wegen der 32-Bit-Adressierung technisch auf 4 GByte physischen Speicher beschränkt, stimmt so nicht. Chen ist seit über 30 Jahren an der Windows-Entwicklung beteiligt und dokumentiert technische Hintergründe seit 2003 in seinem Blog „The Old New Thing“, wie Golem.de berichtet.

Mit dem Pentium Pro führte Intel die Physical Address Extension (PAE) ein, mit der 32-Bit-x86-Prozessoren 36-Bit-Adressen und damit deutlich mehr als 4 GByte physischen Speicher nutzen konnten. Windows Server 2003 SP1 Enterprise unterstützte so bis zu 64 GByte RAM, die Datacenter-Edition sogar bis zu 128 GByte. Für 32-Bit-Programme blieb der virtuelle Adressraum jedoch bei 4 GByte, von denen Anwendungen meist 2 GByte nutzen konnten.

Der Grund für die Deckelung der Client-Editionen lag nicht in der Adressbreite, sondern bei fehlerhaften Treibern. Werden mehr als 4 GByte über PAE bereitgestellt, dürfen Treiber physikalische Adressen nicht mehr als reine 32-Bit-Werte behandeln. Unangepasste Treiber verwarfen obere Adressbits oder trennten bei DMA-Übertragungen nicht sauber zwischen virtuellen und physischen Adressen – die Folge waren Datenbeschädigungen und Abstürze. Um Verbraucher-PCs davor zu schützen, deckelte Microsoft in Windows XP SP2 und Windows Server 2003 SP1 Standard Edition den physikalischen Adressraum bewusst auf 4 GByte. Server-Systeme, auf denen üblicherweise getestete Treiber laufen, durften mehr nutzen. Die günstigste Server-2003-Edition mit Unterstützung für über 4 GByte war seinerzeit die Enterprise-Version für 3.999 US-Dollar. 2020 stellte Microsoft die Auslieferung von 32-Bit-Systemen an PC-Hersteller ein, mit Windows 11 endete auch die Veröffentlichung von 32-Bit-Editionen vollständig.

Was bedeutet das für dich?

Wenn du Windows 11 24H2 oder 25H2 einsetzt, lohnt sich ein prüfender Blick auf dein System – gerade wenn du auf Ton, Remote-Zugriff oder Linux-VMs angewiesen bist. Folgende Schritte helfen bei der Einordnung:

  • Prüfe, ob KB5124008 installiert ist. Unter Einstellungen > Windows Update > Updateverlauf siehst du, ob das September-Update bei dir aktiv ist.
  • Bei Audioproblemen zuerst den 2-Kanal-Modus testen. Für Mehrkanal-Ausgabe ist das der von Microsoft empfohlene Workaround. USB-Audiogeräte der Klasse 1.0 lassen sich damit aber nicht immer retten.
  • Bei RDP-Abbrüchen die betroffene Maschine neu starten. Das behebt das Problem nur temporär, verschafft aber Zeit bis zum offiziellen Fix.
  • Nutzt du WSL oder Hyper-V mit Plan9-Freigaben, sei vorsichtig mit dem Update. Fehlende Ordnerfreigaben können Arbeitsabläufe blockieren.
  • Deinstalliere nur mit Bedacht. Das Entfernen von KB5124008 beseitigt die Bugs, macht aber die geschlossenen Sicherheitslücken wieder angreifbar. Wäge Stabilität gegen Sicherheit ab.

Wer ohnehin einen neuen Rechner aufsetzt und Wert auf ein lokales Konto legt, sollte den aktuellen „Weitere Informationen“-Trick zeitnah nutzen, solange er funktioniert. Microsoft könnte die Lücke jederzeit schließen.

Kurz beantwortet

Häufige Fragen

Woran erkenne ich, ob das September-Update meine Probleme verursacht?

Ein starkes Indiz ist der zeitliche Zusammenhang: Treten Ton-, RDP- oder VM-Probleme erst seit der Installation von KB5124008 auf, ist das Update ein naheliegender Verdächtiger. Bei Audiogeräten liefert der Geräte-Manager mit der Meldung „Dieses Gerät kann nicht gestartet werden (Code 10)“ einen zusätzlichen Hinweis. Ob die Build-Nummer 26200.9445 (25H2) oder 26100.9445 (24H2) installiert ist, siehst du im Updateverlauf.

Sollte ich das Update KB5124008 deinstallieren?

Das hängt von deiner Situation ab. Wenn ein Problem deine Arbeit ernsthaft blockiert und kein Workaround hilft, kann eine Deinstallation sinnvoll sein. Bedenke aber, dass der Patchday viele Sicherheitslücken geschlossen hat, die durch das Entfernen wieder offen liegen. Microsoft hatte selbst davor gewarnt, Updates länger als drei Tage auszusetzen. Für viele ist das Abwarten des angekündigten Fixes daher die sicherere Wahl.

Hilft der Wechsel in den 2-Kanal-Modus bei allen Audioproblemen?

Nein. Der 2-Kanal-Modus ist der von Microsoft empfohlene Workaround speziell für Probleme mit der Mehrkanal-Wiedergabe. Bei USB-Audiogeräten der Klasse 1.0, die gar nicht mehr starten, sowie bei ausgefallenen Mikrofonen greift dieser Trick nicht. Für diese Fälle gibt es bislang keine offizielle Lösung außer der Deinstallation des Updates.

Funktioniert der lokale-Konto-Trick dauerhaft?

Das ist nicht garantiert. Der Klick auf „Weitere Informationen“ beziehungsweise „Learn more“ funktioniert derzeit mit Windows 11 Home in der aktuellen Version. Windows Latest vermutet jedoch, dass es sich um einen Programmfehler handelt, den Microsoft mit einem künftigen Update wieder schließen könnte. Microsoft hat in der Vergangenheit mehrfach solche Umgehungswege beseitigt. Wer die Offline-Einrichtung nutzen möchte, sollte das also lieber früher als später tun.

Betrifft das RAM-Limit von 4 GByte auch heutige Windows-Versionen?

Nein. Die 4-GByte-Grenze galt für 32-Bit-Client-Editionen und war eine bewusste Schutzmaßnahme gegen fehlerhafte Treiber, keine unumgängliche technische Schranke. Server-Editionen konnten dank PAE deutlich mehr nutzen. Da Microsoft die Auslieferung von 32-Bit-Systemen 2020 einstellte und Windows 11 ausschließlich als 64-Bit-Version erscheint, spielt diese historische Begrenzung für aktuelle Systeme keine Rolle mehr.