Bei Google ballen sich gerade Nachrichten aus sehr unterschiedlichen Ecken. Die irische Datenschutzbehörde bittet den Konzern wegen jahrelangen Standort-Trackings zur Kasse, gleichzeitig kündigt Google eine eigene Laptop-Reihe mit fest verbautem Gemini an, und in Gmail landet eine kleine, aber praktische Funktion für Einmalcodes. Drei Entwicklungen, die zusammen ein gutes Bild davon geben, wo das Unternehmen derzeit steht: zwischen Regulierungsdruck in Europa und einer Produktstrategie, die konsequent auf KI setzt.

Wir ordnen die Meldungen ein, nennen die konkreten Zahlen und Termine und erklären, was davon für dich als Nutzer wirklich relevant ist. Vorab der Hinweis: Uns liegt keines der neuen Geräte vor. Alle Angaben zu Hardware und Funktionen stammen aus den Ankündigungen von Google und der Berichterstattung der Fachpresse.

403 Millionen Euro Strafe wegen Standort-Tracking

Die irische Data Protection Commission (DPC) hat gegen Google ein Bußgeld verhängt, das die Berichte auf rund 403 Millionen Euro beziffern. Golem.de spricht von mehr als 400 Millionen Euro, iFun.de und heise online nennen konkret 403 Millionen. Der Grund: Google-Dienste sammelten laut Behörde jahrelang unzulässig Standortdaten von Nutzern. Beanstandet wurde der Umgang mit diesen Daten in den Bereichen Web- und App-Aktivitäten, Standortverlauf und Standortgenauigkeit im Zeitraum zwischen 2018 und 2020.

Die DPC ist zuständig, weil Google seinen europäischen Sitz in Dublin hat. Die Untersuchung selbst wurde bereits 2020 eingeleitet, nachdem sich mehrere europäische Verbraucherschutzorganisationen beschwert hatten. Die eigentlichen Beschwerden reichen sogar noch weiter zurück, bis November 2018. Zwischen dem ersten Vorstoß und dem Bußgeld liegen damit fast acht Jahre – eine Verfahrensdauer, die die Verbraucherschützer ausdrücklich kritisieren.

Missbrauch von Standortdaten: Google muss 400 Millionen Euro Strafe zahlen
Foto: Golem.de

Was genau beanstandet wurde

Nach Darstellung der DPC waren sich betroffene Personen möglicherweise nicht darüber im Klaren, dass ihre Standortdaten etwa dazu genutzt wurden, sie mit Werbung zu beeinflussen oder Rückschlüsse auf ihre Interessen zu ziehen. Der stellvertretende Behördenleiter Graham Doyle verwies darauf, dass Nutzer so die Kontrolle über ihre persönlichen Daten hätten verlieren können. Verschärft habe sich dieser Kontrollverlust dadurch, dass die Daten länger gespeichert wurden als nötig.

Grundlage der Beschwerden war eine Untersuchung des norwegischen Verbraucherrats Forbrukerrådet. Demnach seien Android-Nutzer durch die Gestaltung der Einstellungen, missverständliche Informationen und wiederholte Hinweise dazu gebracht worden, einer dauerhaften Standorterfassung zuzustimmen. Koordiniert wurde das Vorgehen vom europäischen Verbraucherverband BEUC. Dessen Vertreter Agustín Reyna formulierte scharf, Google habe hunderte Millionen europäischer Verbraucher über Jahre verfolgt, um möglichst viel über sie zu erfahren.

Warum das Thema als besonders heikel gilt: Standortdaten lassen weitreichende Rückschlüsse auf den Alltag zu. Regelmäßig erfasste Aufenthaltsorte können etwa Besuche bei Ärzten, in Krankenhäusern oder religiösen Einrichtungen sichtbar machen. Genau deshalb bewerten Datenschützer solche Informationen als besonders sensibel.

Google muss wegen Standort-Tracking 403 Millionen Euro zahlen
Foto: iFun.de

Googles Reaktion und ein Blick zurück

Ein Google-Sprecher betonte gegenüber Golem.de, es gehe um frühere Praktiken, die inzwischen überarbeitet worden seien. Seit 2019 habe man die Verfahren umfassend weiterentwickelt und Werkzeuge eingeführt, mit denen sich Standortdaten leichter verwalten lassen. Konkret nennt Google die Möglichkeit, Daten automatisch in Abständen von 3, 18 oder 36 Monaten löschen zu lassen. Zeitachsendaten würden inzwischen direkt auf dem Gerät gespeichert, personalisierte Werbung lasse sich vollständig abschalten, und der Standort werde nur noch ungefähr erfasst. Alle relevanten Einstellungen seien zudem an einer zentralen Stelle gebündelt.

Neu ist der Vorwurf freilich nicht. Bereits 2018 wurde bekannt, dass Google trotz deaktivierter Standortverläufe die Geodaten von Smartphone-Besitzern sammelte. 2022 verurteilte man den Konzern in den USA wegen ähnlichen Vorgehens zu einer Strafe von 391,5 Millionen US-Dollar. Neben der Zahlung in Europa muss Google seine Verarbeitung von Standortdaten nun anpassen – die DPC hat dafür sechs Monate eingeräumt. Die vollständige Meldung findest du bei Golem.de sowie bei iFun.de.

Googlebooks: Laptops mit fest verbautem Gemini

Am 22. September 2026 hat Google eine eigene Notebook-Reihe vorgestellt: die Googlebooks. Der Ansatz dahinter ist simpel formuliert, aber ambitioniert. Statt KI nur über eine App nachzurüsten, bringt Google seinen Assistenten Gemini direkt ins System. Das Gerät soll laut Alexander Kuscher, Senior Director für Laptops und Tablets, vorausahnen, was du brauchst, alltägliche Aufgaben vereinfachen und proaktiv unterstützen. Ob das im Alltag hält, was die Ankündigung verspricht, lässt sich ohne Test nicht sagen – die folgenden Funktionen beschreiben den Stand der Herstellerangaben.

Der Magische Pointer

Das Kernstück ist der sogenannte Magische Pointer. Er soll das klassische Point-and-Click neu interpretieren: Ein kurzes Wackeln mit dem Mauszeiger oder ein Tastaturkürzel ruft Gemini genau an die Stelle, an der du gerade arbeitest. Die Funktion versteht laut Google Text, Bilder und Kontext. Google nennt einige Beispiele: Man könne einen Marathon-Trainingsplan auf einer Webseite markieren und Gemini bitten, die Läufe automatisch in den Google Kalender einzutragen. Bei einer verdächtigen E-Mail lasse sich per Mausüber-Bewegung prüfen, ob es sich um Spam handelt. Und mehrere Bilder ließen sich gemeinsam auswählen und visualisieren.

Beim Datenschutz betont Google, der Magische Pointer werde erst aktiv, wenn man ihn durch das Wackeln des Mauszeigers aufruft, und bleibe sonst deaktiviert. Für alle KI-Antworten gilt der übliche Hinweis, dass sie überprüft werden sollten und eine Internetverbindung nötig ist.

Klartext, eigene Widgets und Antigravity

Eine zweite Funktion nennt sich Klartext, im Englischen Rambler. Anders als eine herkömmliche Spracheingabe, die alles mitschreibt – inklusive Stottern und Füllwörtern – soll Klartext den Kontext hinter den Worten verstehen. Aus einem unstrukturierten gesprochenen Gedankenstrom macht die Funktion demnach bereinigte Notizen, gliedert Aktionspunkte in Aufzählungen und ergänzt sogar passende Emojis. Sie ist von Haus aus mehrsprachig, sodass man mitten im Satz die Sprache wechseln kann.

Mit „Eigenes Widget erstellen“ lassen sich ohne Programmierkenntnisse individuelle Widgets bauen, etwa ein Tracker für Spielstände des Lieblingsteams oder ein Countdown bis zum Familienurlaub. Diese Funktion startet zunächst nur in den USA, Kanada, Großbritannien und Australien auf Englisch, weitere Länder sollen folgen. Wer tiefer einsteigen will, findet auf jedem Googlebook zudem Google Antigravity vorinstalliert, um eigene Apps zu schreiben. Entwickler bekommen außerdem eine vollständige Linux-Terminal-Umgebung, in der sich Werkzeuge wie die Claude CLI oder Antigravity CLI ausführen lassen.

Bekannte Gemini-Funktionen aus Chrome und Android stehen laut Google direkt nach dem Auspacken bereit, darunter Aufgabenautomatisierung, Gemini Live und proaktive Vorschläge auf Basis des Bildschirminhalts. Selbst zugeklappt soll der Laptop dank Gemini Spark im Hintergrund weiterarbeiten und komplexe Anfragen abschließen können.

Preis, Verfügbarkeit und Support

Ab 1.199 Euro startet die Reihe. Zu jedem Googlebook gehören zwölf Monate Google AI Pro mit 5 TB Cloud-Speicher und den Gemini-Advanced-Tools sowie drei Monate YouTube Premium, Adobe Photoshop und weitere Zugaben. Nach Ablauf verlängern sich diese Abos automatisch zu den regulären Preisen, sofern man nicht kündigt – Google AI Pro kostet danach etwa 21,99 Euro pro Monat. Beim Support setzt Google eine lange Latte: Googlebook OS soll bis zu zehn Jahre mit regelmäßigen Feature Drops und Updates versorgt werden. Im Handel sind die Geräte ab dem 5. Oktober. Alle Details stehen im Google-Blog.

Gmail: Einmalcodes schneller nutzen

Deutlich alltagsnäher ist eine Neuerung in Gmail. Wie t3n unter Berufung auf Android Police berichtet, erkennt die Mail-App künftig automatisch, wenn eine Nachricht einen Einmalcode enthält. Das betrifft die klassischen Fälle: die Zwei-Faktor-Authentifizierung per E-Mail-Code beim Login oder Bestätigungscodes bei der ersten Anmeldung bei einem Dienst.

Bisher musstest du solche Mails öffnen, den Code suchen, markieren und kopieren. Nun scannt Gmail die Nachricht und platziert den Code direkt unter der Betreffzeile im Posteingang – samt einer Schaltfläche „Code kopieren“. Ein Tippen genügt, und der Code landet in der Zwischenablage, bereit zum Einfügen in einer anderen App oder im Browser. Auch innerhalb der geöffneten Mail zieht Gmail den Code aus dem Text, zeigt ihn groß an und bietet dort ebenfalls einen Kopieren-Button.

Ganz rund läuft das offenbar noch nicht. Laut Bericht taucht der Kopieren-Button im Postfach nicht immer auf, sondern manchmal nur in der Mail selbst – vermutlich abhängig davon, wie der Absender seine Nachricht formatiert. Die Funktion soll in den kommenden Tagen für alle Gmail-Nutzer auf iOS und Android ausrollen. Wer Gmail im Browser nutzt, muss vorerst darauf verzichten, dort ist das Feature bislang nicht vorhanden. Mehr dazu bei t3n.

Ein Muster: KI im Zentrum, Datenschutz als Dauerthema

Nimmt man die drei Meldungen zusammen, zeigt sich ein Spannungsfeld. Auf der Produktseite rückt Google KI so weit nach vorn, dass sie nicht mehr Zusatz, sondern Fundament ist – vom fest verdrahteten Gemini in den Googlebooks bis zur automatischen Code-Erkennung in Gmail. Solche Funktionen verlangen naturgemäß Kontext: Der Magische Pointer versteht Bildschirminhalte, Gmail liest Nachrichten mit, um Codes zu finden.

Genau an dieser Stelle wird das Bußgeld interessant. Es dreht sich zwar um Praktiken von 2018 bis 2020, die Google nach eigener Darstellung längst überarbeitet hat. Doch es unterstreicht, wie kritisch europäische Behörden die Datenverarbeitung des Konzerns beobachten. Für Produkte, die noch tiefer in Aktivitäten und Inhalte hineinreichen, ist das ein Umfeld, in dem transparente Einstellungen und klare Einwilligungen kein Beiwerk sind, sondern Voraussetzung.

Was bedeutet das für dich?

Die drei Themen betreffen unterschiedliche Nutzergruppen, aber mehrere konkrete Schritte lohnen sich unabhängig davon:

  • Standort-Einstellungen prüfen: Wirf in deinem Google-Konto einen Blick auf Web- und App-Aktivitäten, Standortverlauf und die automatische Löschung. Du kannst dort die automatische Löschung nach 3, 18 oder 36 Monaten aktivieren und personalisierte Werbung abschalten.
  • Keine Entschädigung erwarten: Das Bußgeld fließt an die zuständige Behörde, nicht an einzelne Nutzer. Wer seine Daten schützen will, muss selbst die Einstellungen anpassen – das Verfahren nimmt dir diese Aufgabe nicht ab.
  • Gmail-Funktion einfach mitnehmen: Für den neuen Code-Button musst du nichts einrichten. Halte die App auf iOS oder Android aktuell, dann erscheint die Funktion in den kommenden Tagen automatisch. Im Browser bleibt vorerst alles beim Alten.
  • Googlebooks nüchtern betrachten: Vor einem Kauf lohnt der Blick auf die enthaltenen Abos. Sie verlängern sich nach der Testphase automatisch und kostenpflichtig. Wer sie nicht dauerhaft nutzen will, sollte rechtzeitig kündigen.
  • Auf unabhängige Tests warten: Die beschriebenen KI-Funktionen stammen aus Googles Ankündigung. Wie gut Magischer Pointer und Klartext im Alltag funktionieren, zeigt sich erst nach dem Marktstart am 5. Oktober.
Kurz beantwortet

Häufige Fragen

Wie hoch ist die Strafe gegen Google genau?

Die Angaben variieren leicht. Golem.de spricht von mehr als 400 Millionen Euro, während iFun.de und heise online die Summe konkret mit 403 Millionen Euro beziffern. Verhängt hat das Bußgeld die irische Datenschutzbehörde DPC, weil Google zwischen 2018 und 2020 Standortdaten unzulässig verarbeitet haben soll. Zusätzlich muss der Konzern seine Verarbeitung von Standortdaten innerhalb von sechs Monaten anpassen.

Bekomme ich als Nutzer etwas von dem Bußgeld?

Nein. Das Bußgeld ist eine Strafe, die an die Behörde geht und nicht an betroffene Nutzer ausgezahlt wird. Diese Unterscheidung sorgt in Kommentaren regelmäßig für Kritik. Wer den Umgang mit seinen Daten beeinflussen will, muss die Kontoeinstellungen selbst anpassen – etwa die automatische Löschung von Standortdaten aktivieren oder personalisierte Werbung deaktivieren.

Was unterscheidet Googlebooks von normalen Laptops?

Der zentrale Unterschied ist die tiefe Integration von Gemini ins Betriebssystem. Statt KI über eine App nachzurüsten, sind Funktionen wie der Magische Pointer, Klartext, „Eigenes Widget erstellen“ und die vorinstallierte Entwicklungsumgebung Antigravity direkt im System verankert. Google verspricht außerdem bis zu zehn Jahre Updates und legt für zwölf Monate Google AI Pro mit 5 TB Speicher bei. Die Geräte starten ab 1.199 Euro und sind ab dem 5. Oktober erhältlich.

Muss ich die neue Gmail-Funktion aktivieren?

Nein, die Erkennung von Einmalcodes rollt automatisch aus. Sobald sie bei dir verfügbar ist, erscheint ein „Code kopieren“-Button unter der Betreffzeile beziehungsweise in der geöffneten Mail. Die Funktion kommt zunächst für iOS und Android, die Web-Version von Gmail hat sie laut Bericht noch nicht. Vereinzelt taucht der Button je nach Formatierung der Absender-Mail bisher nur in der Nachricht selbst auf.

Sind meine Standortdaten heute noch betroffen?

Nach Angaben von Google beziehen sich die beanstandeten Praktiken auf den Zeitraum 2018 bis 2020 und wurden seit 2019 überarbeitet. Standortdaten werden demnach nur noch ungefähr gespeichert, Zeitachsendaten direkt auf dem Gerät, und es gibt Optionen zur automatischen Löschung. Ob dir das reicht, solltest du individuell entscheiden – die Kontrolle liegt bei den Einstellungen in deinem Google-Konto, die alle relevanten Optionen an einer zentralen Stelle bündeln.