Google versucht seit Jahren, seine Betriebssysteme für große Bildschirme in Form zu bringen. Mit den Googlebooks geht der Konzern nun einen radikalen Schritt: Die Geräte verschmelzen den Android-Technologie-Stack mit den Desktop-Grundlagen von ChromeOS zu einer eigenständigen Laptop-Kategorie. Angekündigt wurden sie am 21. und 22. September 2026, im Handel stehen sie ab dem 5. Oktober. Der Einstiegspreis liegt bei 1.199 Euro.
Im Zentrum steht ein klares Versprechen: Wer ein Android-Smartphone nutzt, soll seinen Laptop nicht mehr wie ein fremdes Gerät bedienen müssen. Google beschreibt die Googlebooks als Begleiter, der Einstellungen, Passwörter, WLAN-Netzwerke und laufende Aufgaben nahtlos vom Handy übernimmt. Gleichzeitig ist die KI Gemini fest ins System eingewoben. Wie gut das in der Praxis funktioniert, muss sich zeigen – die folgenden Fakten stammen aus Googles eigener Ankündigung sowie ersten Berichten von Golem und heise.
Was Googlebooks eigentlich sind
Google positioniert die Googlebooks ausdrücklich als neue Kategorie, nicht als weitere Chromebook-Generation. Technisch basieren sie laut Googles Ankündigung auf dem Android-Unterbau, kombiniert mit den Desktop-Funktionen aus ChromeOS. Das dazugehörige Betriebssystem trägt den Namen Googlebook OS. Es soll bis zu zehn Jahre lang mit regelmäßigen Feature Drops und Updates versorgt werden – ein Support-Zeitraum, der sich an dem orientiert, was Google zuletzt auch bei ChromeOS und Pixel-Geräten versprochen hat.
Die Idee dahinter ist pragmatisch: Viele Aufgaben beginnen heute auf dem Smartphone und werden später am größeren Bildschirm zu Ende gebracht. Genau diese Lücke will Google schließen, indem beide Geräte auf derselben Android-Basis laufen. Für Nutzer bedeutet das theoretisch weniger Reibung beim Wechsel zwischen Handy und Laptop – vorausgesetzt, das Zusammenspiel funktioniert so reibungslos wie beworben.
Die Hardware: fünf Modelle von fünf Partnern
Google baut die Googlebooks nicht selbst, sondern setzt auf etablierte Laptop-Hersteller. Zum Start liefern Acer, ASUS, Dell, HP und Lenovo insgesamt fünf Modelle. Laut Golem reicht die Palette vom Convertible über ein ultraleichtes 13,4-Zoll-Notebook bis zu 15-Zoll-Geräten – es gibt also für unterschiedliche Nutzungsprofile eine passende Bauform.
Bei den Materialien setzt Google auf Premium-Anspruch: Aluminium, Magnesiumlegierungen und Kohlefaser kommen zum Einsatz. Die Displays sind reaktionsschnelle Touchscreens mit bis zu 2,8K-OLED-Auflösung. Dazu kommen haptische Glas-Trackpads und beleuchtete Tastaturen. Ein Wiedererkennungsmerkmal ist die Glowbar: eine ins Gehäuse integrierte Leuchtleiste, die beim Start aufleuchtet, den Akkustand mit einer fließenden Bewegung anzeigt und bei Interaktion mit Gemini mit Animationen reagiert.
Chips, Speicher und Akku
Unter der Haube arbeiten je nach Modell Prozessoren von Intel und Qualcomm. Golem nennt konkret Intels Core-Ultra-5- und Core-Ultra-7-Serie sowie Qualcomms Snapdragon X Elite. Alle Geräte tragen dedizierte NPUs, die mehr als 45 TOPS für KI-Berechnungen leisten sollen – ein Wert, der für lokale Gemini-Funktionen relevant ist. Beim Arbeitsspeicher stehen 16 bis 32 Gigabyte zur Wahl, die SSDs starten bei mindestens 256 Gigabyte.
Die Akkulaufzeit gibt Google mit bis zu 14 Stunden an. Diese Zahl basiert nach Herstellerangaben auf kontrollierten Tests beim Surfen im Web und dürfte im Alltag je nach Nutzung, Netzbedingungen und Einstellungen niedriger ausfallen. Solche Laufzeitangaben sind grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen – sie markieren eher die obere Grenze als den Durchschnitt.
Die Verbindung zum Android-Smartphone
Der wichtigste Verkaufspunkt ist die enge Verzahnung mit dem Smartphone. Schon bei der Einrichtung übernimmt das Googlebook laut Google die Einstellungen des Android-Handys, gespeicherte Passwörter, WLAN-Netzwerke und Nachrichten – Ende-zu-Ende-verschlüsselt übertragen. Wer den Laptop anmeldet, soll ihn also mit vertrauter Konfiguration vorfinden, statt alles neu einzurichten.
Im laufenden Betrieb setzt Google auf mehrere Funktionen, die das Hin- und Herwechseln erleichtern sollen:
- Weiter auf: Eine auf dem Smartphone begonnene Aufgabe lässt sich am Laptop fortsetzen. Google nennt als Beispiel ein Musikprojekt in der App BandLab, das man unterwegs startet und am aufgeklappten Googlebook direkt über die Taskleiste weiterführt.
- Schnellzugriff: Über die Dateien-App am Laptop lassen sich Dokumente und Fotos vom Smartphone anzeigen, durchsuchen und öffnen – ohne den Umweg über Downloads oder E-Mails an sich selbst.
- Meine Apps streamen: Smartphone-Apps lassen sich in einem Desktop-Fenster streamen und bedienen. Das ist etwa praktisch, um eine Liefer-App zu nutzen oder einen Einmalcode aus den Nachrichten abzurufen, ohne zum Handy greifen zu müssen.
Wichtig für die Kompatibilität: Laut den Fußnoten in Googles Ankündigung setzen diese Funktionen ein Gerät mit Android 17 oder höher voraus sowie eine entsprechende Einrichtung. Wer ein älteres Smartphone besitzt, profitiert also nicht automatisch vom kompletten Funktionsumfang.
Gemini als fester Bestandteil des Desktops
Googlebooks sind ausdrücklich für Gemini Intelligence konzipiert. Die KI ist nicht als separate App gedacht, sondern in das Betriebssystem integriert. Mehrere Funktionen sollen den Arbeitsalltag beschleunigen:
Der Magische Pointer ruft Gemini per kurzem Wackeln mit dem Mauszeiger direkt auf den aktuellen Bildschirmbereich. Man kann die KI etwa bitten, einen unübersichtlichen Kalender zu ordnen oder Texte zu übersetzen, ohne zwischen Fenstern zu wechseln. Google betont, dass Gemini nur auf Anfrage aktiv wird und sich jederzeit deaktivieren lässt.
Klartext sitzt neben der Schnelleinfügen-Taste und wandelt gesprochene Gedanken in strukturierte Texte um. Aus eingesprochenen Notizen oder Aktionspunkten – auch in mehreren Sprachen – entstehen Überschriften, Checklisten und formatierte Zusammenfassungen.
Mit Eigenes Widget erstellen beschreibt man in Alltagssprache, was man braucht, und die KI generiert ein passendes Desktop-Widget. Diese Funktion startet allerdings zunächst nur in den USA, Kanada, Großbritannien und Australien auf Englisch; weitere Länder sollen folgen. In Deutschland ist sie zum Start also noch nicht verfügbar.
Google versieht die KI-Funktionen selbst mit Einschränkungen: Antworten sollten überprüft werden, eine Internetverbindung ist erforderlich, und manche Features sind Personen ab 18 Jahren vorbehalten. Diese Hinweise sind bei generativer KI Standard und ein guter Grund, sich nicht blind auf die Ausgaben zu verlassen.
Software, Apps und Gaming
Auf der Software-Seite kombinieren Googlebooks Web und App-Ökosystem. Mit an Bord ist der vollwertige Desktop-Chrome-Browser inklusive Erweiterungen. Dazu kommt der Zugriff auf Millionen von Android-Apps aus dem Google Play Store, von denen laut Google viele für große Bildschirme sowie Maus- und Tastatureingabe optimiert sind.
Als native Kreativprogramme nennt Google unter anderem Adobe Photoshop, Adobe Lightroom und CapCut. Streaming-Dienste wie Netflix und HBO Max laufen ebenfalls, teilweise mit Offline-Wiedergabe. Für Spieler gibt es Tausende Android-Titel sowie ein kostenloses Jahr GeForce NOW bei jedem Kauf, über das sich auch AAA-Titel per Cloud-Gaming spielen lassen. Über das Programm „Google Play Games Level Up“ sei bereits die Hälfte der Top-100-Titel für Tastatur, Maus und große Bildschirme optimiert.
Hier liegt allerdings ein offener Punkt: Golem weist darauf hin, dass sich erst in der Praxis zeigen muss, ob diese Apps durch den Android-Unterbau gegenüber ihren vollwertigen Windows- und macOS-Versionen eingeschränkt sind. Wer professionell mit Photoshop oder Lightroom arbeitet, sollte den Funktionsumfang vor dem Kauf genau prüfen.
Für Entwickler und Bastler
Google adressiert auch technisch versiertere Nutzer. An Bord ist Antigravity, eine Entwicklungsplattform für KI-Agenten, mit der sich Apps direkt auf dem Gerät erstellen, testen und bereitstellen lassen. Entwickler erhalten zudem eine vollständige Terminal-Umgebung, um Werkzeuge wie die Claude CLI oder die Antigravity CLI auszuführen.
Sicherheit: Titan-Chip und zertifizierter Hypervisor
Bei der Sicherheit greift Google auf die Architektur von ChromeOS zurück. Als Fundament dient der Google Titan Hardware-Root-of-Trust, ergänzt durch eine mehrschichtige Defense-in-Depth-Architektur und geräteinterne Malware-Erkennung. Damit sollen persönliche Daten von Beginn an geschützt sein.
Als Novum in der Laptop-Kategorie bezeichnet Google einen nach Level 5 sicherheitszertifizierten Hypervisor. Er betreibt eine isolierte Linux-Umgebung mit vollem Terminal-Zugang. In dieser abgeschotteten Umgebung lassen sich Linux-Entwicklertools ausführen, Code-Repositories abrufen, Netzwerke und Ports ansprechen oder autonome Agenten starten – ohne das restliche System zu gefährden. Für Entwickler ist das ein interessanter Ansatz, der Sicherheit und Flexibilität verbinden soll.
Preis, Verfügbarkeit und Extras
Die Googlebooks starten bei 1.199 Euro (Golem nennt gerundet 1.200 Euro) und sind ab dem 5. Oktober 2026 im Handel. Im Preis enthalten ist ein umfangreiches Software-Paket: zwölf Monate Google AI Pro mit 5 TB Cloud-Speicher und Gemini-Advanced-Tools sowie jeweils drei Monate YouTube Premium, Adobe Photoshop und weitere Dienste.
Bei diesen Beigaben gilt das übliche Kleingedruckte: Die Probeabos verlängern sich nach Ablauf automatisch zu den regulären Preisen, sofern man nicht kündigt. Für Google AI Pro nennt Google einen aktuellen Monatspreis von 21,99 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Wer die Gratis-Monate nutzt, sollte sich die Kündigungsfristen notieren, um keine ungewollten Kosten auszulösen.
Nicht nur Laptops: das Tastatur-Smartphone Communicator
Parallel zum Googlebook-Start sorgt ein ganz anderes Android-Gerät für Aufmerksamkeit. Das britische Unternehmen Clicks bringt im Dezember 2026 das Smartphone Communicator auf den Markt – mit einer integrierten Hardwaretastatur, die auf Wunsch sogar im deutschen QWERTZ-Layout verfügbar ist. Das Gerät richtet sich laut Golem an alle, die von ungenauen Bildschirmtastaturen genervt sind und das Blackberry- oder Palm-Feeling vermissen.
Clicks hat die technische Basis vor dem Marktstart aufgewertet: Statt 8 GByte gibt es nun 12 GByte Arbeitsspeicher, der Flash-Speicher bleibt bei 256 GByte. Der Akku wurde von einem Silizium-Kohlenstoff-Modell mit 4.000 mAh auf einen Lithium-Ionen-Akku mit 4.350 mAh umgestellt – begründet mit mehr Sicherheit und Zuverlässigkeit. Als Prozessor kommt Mediateks Dimensity 8300 im 4-nm-Prozess zum Einsatz, das AMOLED-Display misst 4,03 Zoll bei einer ungewöhnlichen Auflösung von 1.080 x 1.200 Pixeln.
Besonders passend zum Android-Support-Thema: Der Communicator erscheint gleich mit Android 17 statt wie zunächst geplant mit Android 16. Clicks will neue Android-Hauptversionen vier Jahre lang liefern, Sicherheitsupdates fünf Jahre. In der Leertaste steckt ein Fingerabdrucksensor, dazu gibt es einen Micro-SD-Steckplatz und eine 3,5-mm-Klinkenbuchse – beides bei modernen Smartphones eine Seltenheit. Noch bis Ende September 2026 gilt ein Vorbestellpreis von 445 Euro, danach steigt der Preis auf 575 Euro.
Was bedeutet das für dich?
Googlebooks sind ein ambitionierter Versuch, Android auf dem Laptop ernstzunehmen und die Kluft zwischen Handy und Notebook zu überbrücken. Ob das gelingt, hängt stark von der Praxis ab – und die lässt sich anhand der bisherigen Ankündigungen noch nicht abschließend beurteilen. Wenn du über einen Kauf nachdenkst, helfen dir diese Überlegungen:
- Prüfe dein Smartphone: Die spannendsten Funktionen wie „Weiter auf“ und „Meine Apps streamen“ setzen Android 17 oder höher voraus. Ohne passendes Handy bleibt vom Konzept nur ein Teil übrig.
- Kläre deinen App-Bedarf: Ob Photoshop, Lightroom oder spezielle Profi-Software auf der Android-Basis in vollem Umfang laufen, ist offen. Wer produktiv darauf angewiesen ist, sollte erste unabhängige Tests abwarten.
- Rechne die Extras ein: Die zwölf Monate Google AI Pro und die dreimonatigen Abos klingen attraktiv, verlängern sich aber automatisch. Trage dir die Kündigungsfristen ein.
- Vergleiche mit Alternativen: Ab 1.199 Euro spielst du in derselben Preisklasse wie viele Windows-Notebooks und Einsteiger-MacBooks. Der Mehrwert liegt vor allem in der Android-Anbindung – wenn du iPhone oder ein Windows-Ökosystem nutzt, entfällt dieser Vorteil weitgehend.
- Warte auf erste Berichte: Verkaufsstart ist der 5. Oktober. Bis unabhängige Redaktionen die Geräte über längere Zeit ausprobiert haben, bleibt vieles Herstellerversprechen.
Häufige Fragen
Was unterscheidet ein Googlebook von einem Chromebook?
Googlebooks basieren laut Google auf dem Android-Technologie-Stack, kombiniert mit den Desktop-Grundlagen von ChromeOS, und laufen unter dem neuen Googlebook OS. Der Fokus liegt auf der engen Verzahnung mit Android-Smartphones und der integrierten KI Gemini. Chromebooks setzen dagegen klassisch auf ChromeOS. Google positioniert die Googlebooks ausdrücklich als eigene, neue Laptop-Kategorie.
Wann kommen die Googlebooks und was kosten sie?
Die ersten Modelle sind ab dem 5. Oktober 2026 im Handel erhältlich. Der Einstiegspreis liegt bei 1.199 Euro, Golem nennt gerundet 1.200 Euro. Enthalten sind unter anderem zwölf Monate Google AI Pro mit 5 TB Cloud-Speicher sowie jeweils drei Monate YouTube Premium und Adobe Photoshop.
Welche Hersteller bauen Googlebooks?
Zum Start liefern Acer, ASUS, Dell, HP und Lenovo insgesamt fünf Modelle. Die Bauformen reichen vom Convertible über ein ultraleichtes 13,4-Zoll-Notebook bis zu 15-Zoll-Geräten. Angetrieben werden sie je nach Modell von Intels Core-Ultra-5- und -7-Prozessoren oder Qualcomms Snapdragon X Elite, mit 16 bis 32 GByte RAM und mindestens 256 GByte SSD.
Brauche ich ein bestimmtes Smartphone für alle Funktionen?
Für die Kernfunktionen der Smartphone-Anbindung – etwa „Weiter auf“ und „Meine Apps streamen“ – ist laut Googles Angaben ein kompatibles Gerät mit Android 17 oder höher sowie eine entsprechende Einrichtung nötig. Ohne ein passendes Android-Smartphone bleibt ein wesentlicher Teil des Konzepts ungenutzt.
Laufen auf Googlebooks dieselben Programme wie unter Windows oder macOS?
Googlebooks bieten den Desktop-Chrome-Browser mit Erweiterungen sowie Android-Apps aus dem Play Store, darunter Adobe Photoshop, Lightroom und CapCut. Golem weist allerdings darauf hin, dass sich erst in der Praxis zeigen muss, ob diese Apps durch den Android-Unterbau gegenüber den vollwertigen Windows- und macOS-Versionen eingeschränkt sind. Für professionelle Nutzung lohnt sich daher ein genauer Blick auf den tatsächlichen Funktionsumfang.






