Google drückt aufs Tempo. Innerhalb weniger Tage rückt der Konzern gleich mehrere Produkte in den Vordergrund, die sich unmittelbar mit Apples Ökosystem messen wollen: ein neues Notebook-Betriebssystem samt passender Hardware, erweiterte Gesundheitsfunktionen für die Pixel-Uhren und eine noch tiefere Verankerung des KI-Assistenten Gemini. Auffällig ist dabei, wie konsequent sich Google an Konzepten orientiert, die Apple-Nutzer längst kennen – vom nahtlosen Gerätewechsel bis zur Uhr, die im Notfall selbst den Rettungsdienst ruft.

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Foto: iFun.de

Der sichtbarste Schritt ist der Marktstart der sogenannten Googlebooks. Was im Frühjahr noch als Konkurrenz zu Apples günstigem MacBook Neo eingeordnet wurde, tritt zum Verkaufsstart eine Klasse höher an. Parallel dazu verteilt Google erste Trendanalysen für die Pixel Watch, gibt seinen Sprachagenten ein Gesicht und baut die KI-Abos für Entwickler aus. Wir ordnen ein, was dahintersteckt.

Googlebooks: Android verlässt das Smartphone

Als Google die Notebook-Kategorie erstmals ankündigte, wirkte sie wie eine Antwort auf das MacBook Neo. Zum Start muss man diesen Vergleich korrigieren. Mit Preisen ab 1.199 Euro, mindestens 16 GB Arbeitsspeicher und hochwertigen Touchscreens spielen die ersten Googlebooks in einer höheren Liga und treten laut Berichten von iFun.de eher gegen das MacBook Air an.

Google baut die Geräte nicht selbst. Zum Deutschlandstart liefern Acer, ASUS, HP und Lenovo eigene Modelle, international gehört auch Dell zum Aufgebot. Das günstigste deutsche Modell ist das HP Googlebook 14 für 1.199 Euro. Es kombiniert einen Snapdragon X Elite mit 16 GB RAM, 512 GB SSD und einem 14 Zoll großen 3K-OLED-Touchscreen. Acer beginnt bei 1.249 Euro, Lenovo bei 1.379 Euro und ASUS bei 1.399 Euro. Verkaufsstart in Deutschland ist der 5. Oktober.

Interessanter als die reine Hardware ist die Software-Basis. Google verschmilzt hier zwei Welten, die bislang getrennt liefen: Die technische Grundlage stammt von Android, die Desktop-Funktionen übernimmt Google aus ChromeOS. Warum das Unternehmen diesen Weg geht, hat Google-Manager Rick Kuscher in einem Gespräch mit heise online erläutert.

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Googlebook OS: ein Chrome-Browser, viele Android-Apps

Für Nutzer bedeutet die Zusammenlegung vor allem eines: mehr Software auf einem Gerät. An Bord ist ein vollwertiger Chrome-Browser mit Erweiterungen und direktem Zugriff auf den Play Store. Android-Apps laufen nativ auf dem Laptop und müssen nicht mehr – wie bislang bei ChromeOS – in einer zusätzlichen Schicht ausgeführt werden. Das dürfte für spürbar flüssigere Bedienung sorgen.

Ein zentrales Verkaufsargument ist Gemini. Der sogenannte Magische Pointer holt die KI direkt an die aktuelle Position des Mauszeigers. Von dort kann sie Inhalte analysieren oder etwa Termine aus einer Webseite in den Kalender übernehmen. Die Funktion Klartext wandelt eingesprochene Gedanken in strukturierte Texte um. Auch selbst erstellte Widgets sind vorgesehen, die man per Prompt beschreibt – dieses Feature startet allerdings zunächst nur auf Englisch und in ausgewählten Ländern.

Deutlich orientiert sich Google beim Zusammenspiel mehrerer Geräte an Apples Handoff-Prinzip. Mit der Funktion Weiter auf lässt sich eine auf dem Android-Smartphone begonnene Aufgabe auf dem Googlebook fortsetzen. Der Dateimanager greift direkt auf die Dateien des Telefons zu, und über Meine Apps streamen lassen sich Smartphone-Apps in einem Fenster auf dem Notebook bedienen. Selbst Benachrichtigungen werden zwischen den Geräten synchronisiert. Voraussetzung für diese engere Verzahnung ist allerdings ein Smartphone mit Android 17 oder neuer – wer ein älteres Modell nutzt, bleibt außen vor.

Beim langfristigen Support gibt sich Google großzügig: Für Googlebook OS verspricht der Konzern bis zu zehn Jahre Updates samt regelmäßiger Feature Drops. Ob dieses Versprechen hält, wird sich erst über die Jahre zeigen – in der Vergangenheit hat Google durchaus Produkte früher eingestellt.

Wie schlägt sich ein Googlebook gegen das MacBook?

Der direkte Vergleich mit Apples Portfolio ist inzwischen möglich – und er fällt nuancierter aus, als es die runde 1.199-Euro-Marke vermuten lässt.

Das MacBook Neo startet nach Apples jüngster Preiserhöhung bei 799 Euro und bietet dafür einen A18 Pro, 8 GB Arbeitsspeicher und 256 GB SSD. Das günstigste Googlebook liegt 400 Euro darüber, liefert dafür aber bereits 16 GB RAM, 512 GB Speicher und bei nahezu allen deutschen Modellen einen hochauflösenden OLED-Touchscreen. Genau deshalb liegt der Vergleich mit dem MacBook Air näher: Apples M5-Modell kostet aktuell mindestens 1.399 Euro und kommt ebenfalls mit 16 GB RAM und 512 GB SSD.

Apple hat hier weiterhin gewichtige Argumente. Der M5-Chip gilt als deutlich leistungsfähiger, macOS ist eine ausgereifte Softwarebasis, und die angegebene Akkulaufzeit von bis zu 18 Stunden ist ein starker Wert. Touchscreens gibt es bei Apple dagegen weiterhin nicht. Google punktet also weniger über den Preis als über Touch-Bedienung, die tiefe Android-Integration und Gemini.

Der wunde Punkt bleibt das Software-Angebot. Zwar stehen prominente Anwendungen wie Photoshop, Lightroom und CapCut bereit. Dabei handelt es sich aber um die Android-Versionen, die nicht zwangsläufig denselben Funktionsumfang bieten wie die vollständigen macOS- oder Windows-Programme. Für professionelle Arbeit behält das MacBook hier einen erheblichen Vorsprung. Wer nur Browser, Mail und ein paar Apps braucht, für den stellt sich schnell die Frage, ob es dafür ein Gerät jenseits der 1.200-Euro-Marke sein muss.

Google AI Pro als Türöffner

Ein Detail, das leicht untergeht: Bei allen Googlebooks sind zwölf Monate Google AI Pro mit 5 TB Cloudspeicher enthalten. Nach Ablauf verlängert sich das Abo ohne aktive Kündigung automatisch – derzeit für 21,99 Euro monatlich. Wer das nicht möchte, sollte sich rechtzeitig eine Erinnerung setzen, denn hier lauert eine dauerhafte Zusatzkosten-Falle.

Passend dazu baut Google seine KI-Abos auch abseits der Consumer-Geräte aus. In einer Meldung von heise online ging es zuletzt unter anderem um erweiterte KI-Angebote für Entwickler. Die Stoßrichtung ist klar: Gemini soll nicht nur ein Feature sein, sondern der Kern, über den Google seine Nutzer und Abonnenten langfristig bindet.

Gemini bekommt ein Gesicht

Wie stark Google auf sichtbare KI setzt, zeigt eine weitere Neuerung. Der Konzern stattet seine Gemini-Sprachagenten mit Echtzeit-Avataren aus, wie heise online berichtet. Aus einer reinen Stimme wird damit ein animiertes Gegenüber, das in Echtzeit auf Gespräche reagiert. Für Anwendungsfälle wie Kundenservice, virtuelle Assistenten oder interaktive Schnittstellen ist das ein logischer Schritt – die Technik rückt näher an ein natürliches Gespräch heran.

Pixel Watch: Vom Fitnesstracker zum Frühwarnsystem

Deutlich konkreteren Alltagsnutzen versprechen die neuen Gesundheitsfunktionen für die Pixel-Uhren. Unter dem Namen Health Guardian verteilt Google erste Analysen, die es in dieser Form bei der Konkurrenz bislang nicht gibt. Gedacht sind sie für die Pixel Watches der dritten bis fünften Generation sowie für das Armband Fitbit Air. Die Auswertung übernimmt eine KI, die aus vorhandenen Sensordaten neue Erkenntnisse ableitet.

In der Google-Health-App erscheinen künftig drei neue Werte: Blutdrucktrends, Tendenzen zur Insulinresistenz und Messungen zur Atmungsqualität im Schlaf. Das Besondere daran ist der passive Ansatz. Für den Blutdruck etwa schätzt die Uhr die Werte laut Google anhand von Puls und Bewegungsmustern über den gesamten Monat hinweg, auch im Schlaf. Eine Blutdruckmanschette oder eine aufwendige Kalibrierung sind dafür nicht nötig.

Was die Insulinresistenz-Analyse leistet – und was nicht

Der spannendste Punkt ist die Insulinresistenz. Die Funktion wertet Körperdaten über mehrere Wochen aus und soll schleichende Veränderungen des Stoffwechsels erkennen, ganz ohne Blutentnahme. Insulinresistenz ist eine Stoffwechselstörung und gilt als Vorbote für Diabetes Typ 2. Wer frühzeitig einen Trend erkennt, könnte theoretisch gegensteuern.

Google stellt allerdings unmissverständlich klar, was die Funktion nicht ist: Sie diagnostiziert keine Krankheiten, sie ist kein Vorabtest auf Diabetes und sie überwacht den Blutzucker nicht in Echtzeit. Für die wissenschaftliche Grundlage verweist der Konzern auf eine von Google Research im Fachjournal Nature veröffentlichte Studie. Das ist eine wichtige Einordnung, die man ernst nehmen sollte – die Uhr ersetzt keinen Arztbesuch, sondern liefert bestenfalls einen Anlass für einen.

Die App meldet sich bewusst zurückhaltend. Über natürliche Schwankungen informiert sie nicht täglich, sondern zeigt am ersten Tag jedes Monats einen Überblick mit Einordnung. Nur bei auffälligen Veränderungen meldet sie sich zwischendurch. Damit die Auswertung überhaupt funktioniert, braucht es genügend Datenpunkte: Für die Insulinresistenz müssen an mindestens sieben Tagen eines Monats Daten vorliegen, für den Blutdruck an mindestens fünf aufeinanderfolgenden Tagen einer Woche. Die ersten Trendberichte sollen Anfang Oktober erscheinen.

Notruf bei Atemnot

In ausgewählten europäischen Ländern – darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz – gehört zum Health-Guardian-Paket außerdem die Erkennung von Atemnotfällen. Diese Funktion ist der Pixel Watch 4 und 5 vorbehalten. Fällt der Blutsauerstoff eines Trägers laut Google zu einem lebensbedrohlichen Wert ab, löst die Uhr automatisch einen Anruf beim Rettungsdienst aus. Das geschieht allerdings erst, wenn die Person nicht mehr auf den vorherigen Alarm reagiert. Zusätzlich informiert die Uhr hinterlegte Notfallkontakte.

Bei den Kosten gibt es einen wichtigen Unterschied. Auf den Pixel-Watch-Modellen 3 bis 5 sind die Health-Guardian-Funktionen laut Google kostenlos. Das rund 100 Euro teure Fitbit Air unterstützt die Trendanalysen zwar ebenfalls, dort gibt es sie aber nur als Teil des Abos Health Premium ab 9 Euro monatlich. Details fasst t3n in einem Bericht zur Pixel Watch zusammen.

Was bedeutet das für dich?

Googles Offensive trifft unterschiedliche Nutzergruppen sehr verschieden. Ordne für dich ein, wo du stehst:

  • Du überlegst, ein Googlebook zu kaufen: Prüfe zuerst, ob dein Smartphone Android 17 oder neuer unterstützt – ohne das bleiben die spannenden Verbindungsfunktionen wie Weiter auf und App-Streaming außen vor. Kläre außerdem, ob die Android-Versionen deiner wichtigsten Programme den Funktionsumfang bieten, den du gewohnt bist.
  • Du willst das inklusive KI-Abo nutzen: Notiere dir das Enddatum der zwölf Gratis-Monate von Google AI Pro. Andernfalls startet automatisch die Abrechnung von 21,99 Euro pro Monat.
  • Du vergleichst mit einem MacBook: Rechne ehrlich, ob du Touchscreen und Android-Integration wirklich brauchst. Für reines Arbeiten mit Desktop-Software bleibt das MacBook Air trotz höheren Preises die produktivere Wahl.
  • Du besitzt eine Pixel Watch ab Generation 3: Die Health-Guardian-Trends kommen kostenlos. Trage über mehrere Tage die Uhr durchgehend, sonst fehlen die nötigen Datenpunkte für Blutdruck- und Insulinresistenz-Analysen.
  • Du interessierst dich für die Gesundheitswerte: Behandle die Ergebnisse als groben Trend, nicht als Diagnose. Auffällige Werte gehören in ärztliche Hände, nicht in eine Selbsttherapie per Uhr.
Kurz beantwortet

Häufige Fragen

Ab wann und zu welchem Preis gibt es Googlebooks?

Die ersten Googlebooks kommen am 5. Oktober in Deutschland in den Handel. Den Einstieg bildet das HP Googlebook 14 für 1.199 Euro mit Snapdragon X Elite, 16 GB RAM, 512 GB SSD und 3K-OLED-Touchscreen. Modelle von Acer, ASUS und Lenovo reichen preislich bis rund 1.399 Euro.

Brauche ich für ein Googlebook zwingend ein Android-Smartphone?

Nicht zwingend, aber für den vollen Funktionsumfang praktisch schon. Die engeren Verbindungsfunktionen wie das Fortsetzen von Aufgaben, der Zugriff auf Telefondateien und das Streamen von Smartphone-Apps setzen ein Gerät mit Android 17 oder neuer voraus. Ohne passendes Telefon nutzt du das Googlebook weitgehend eigenständig.

Kann die Pixel Watch jetzt Diabetes erkennen?

Nein. Die Insulinresistenz-Analyse zeigt lediglich Tendenzen über mehrere Wochen und soll auf schleichende Stoffwechselveränderungen aufmerksam machen. Google betont ausdrücklich, dass die Funktion keine Krankheit diagnostiziert, kein Diabetes-Test ist und den Blutzucker nicht in Echtzeit misst. Sie kann höchstens ein Anlass sein, ärztlichen Rat einzuholen.

Sind die neuen Gesundheitsfunktionen kostenlos?

Auf den Pixel-Watch-Modellen 3 bis 5 sind die Health-Guardian-Trends laut Google kostenlos. Beim rund 100 Euro teuren Fitbit Air stehen dieselben Analysen dagegen nur mit dem Abo Health Premium ab 9 Euro pro Monat zur Verfügung.

Lohnt sich ein Googlebook gegenüber einem MacBook Air?

Das hängt vom Einsatzzweck ab. Preislich liegen die Geräte nah beieinander, Google bietet Touchscreen, OLED-Displays und tiefe Gemini-Integration. Apple hält mit dem leistungsstärkeren M5-Chip, der ausgereiften macOS-Software und langer Akkulaufzeit dagegen. Wer professionelle Desktop-Programme braucht, ist beim MacBook meist besser aufgehoben; wer Android und Touch schätzt, findet im Googlebook eine echte Alternative.