Bei Windows 11 kommt im August einiges zusammen: Microsoft baut eine Funktion ein, die den Start vieler Apps merklich beschleunigt. Gleichzeitig zeigen sich zwei Nebenwirkungen aus der laufenden Systempflege – eine automatische Bereinigung, die unter bestimmten Bedingungen sogar GPU-Treiber entfernt, und eine versehentlich breit ausgerollte Foto-App, die Microsoft nun still und leise wieder verschwinden lässt. Dazu kommt ein frisches Sicherheits-Advisory des BSI, das gleich mehrere Windows-Versionen betrifft.
Wir sortieren, was neu ist, worauf du achten solltest und was sich mit wenigen Handgriffen selbst regeln lässt. Der rote Faden: Vieles davon läuft im Hintergrund ab, ohne dass du eingreifen musst – aber genau darin liegt bei zwei der Punkte auch das Problem.
Low Latency Profile: Warum Apps plötzlich schneller starten
Der auffälligste Neuzugang steckt im August-Update KB5121003. Microsoft aktiviert damit das sogenannte Low Latency Profile, eine Funktion, die den App-Start beschleunigt, indem sie die CPU kurzzeitig anders behandelt. Bislang belastete Windows den Prozessor während des Ladevorgangs nur so weit, wie es unbedingt nötig war. Das schont zwar die Auslastungskurve, verlängert aber gerade bei aufwendigen Anwendungen die Wartezeit.
Mit dem neuen Profil dreht das System für einen kurzen Moment auf: Die CPU liefert für ein bis drei Sekunden nahezu volle Leistung, um die rechenintensiven Startprozesse schneller abzuarbeiten. Sobald die App steht, fällt die Auslastung wieder ab. Das Prinzip zielt vor allem auf Programme, die technisch als besonders träge gelten.
Betroffen sind unter anderem WebView-2-Anwendungen. Deren Architektur bringt es mit sich, dass sie beim Laden lange brauchen und dabei ordentlich Ressourcen ziehen. Ein prominentes Beispiel ist die Wetter-App von Windows 11, die viele Nutzer kennen und die bisher spürbar zäh startete.

Was die Tests zeigen
Wie stark der Effekt ausfällt, hat Windows Latest laut einem Bericht von t3n gemessen. Im Vergleich startete das Testteam zunächst mehrere Programme ohne das Profil – darunter den Epic Games Store, Chrome, die Windows-Wetter-App und PowerPoint. Dabei blieb die CPU-Auslastung niedrig. Mit aktiviertem Low Latency Profile sprang sie kurzzeitig auf rund 80 Prozent.
Das Ergebnis ist konkret: Die Wetter-App brauchte ohne die Funktion etwa acht Sekunden, bis alle Oberflächenelemente vollständig geladen waren. Mit aktiviertem Profil war der Vorgang bereits nach vier Sekunden abgeschlossen – also eine Halbierung. Bei den übrigen getesteten Anwendungen zeigten sich ähnliche Verbesserungen.
Belastet das die CPU oder den Akku?
Naheliegende Sorge: Wenn der Prozessor beim Start plötzlich auf 80 Prozent geht, leidet dann die Hardware oder steigt der Stromverbrauch? Beides ist nach den vorliegenden Angaben nicht der Fall. Die Leistungsspitzen dauern nur ein bis drei Sekunden. Zum Vergleich: Bei vielen anderen Programmen läuft eine CPU deutlich länger unter Volllast, ohne dass das ein Problem darstellt.
Beim Energieverbrauch ergibt sich sogar ein günstiger Nebeneffekt. Eine kurze, hohe Auslastung, die den Start schnell abschließt, kann weniger Energie kosten als eine lange Phase mittlerer Last, die sich über mehrere Sekunden zieht. Die Rechnung geht also in Richtung „kurz und intensiv statt lang und mittelmäßig“.

Wann das Update bei dir ankommt
Die Funktion wird mit dem August-Patch an alle Nutzer verteilt. Wie üblich läuft der Rollout in Wellen, sodass das Update nicht überall gleichzeitig bereitsteht. Es gibt zwar Umwege, um das Low Latency Profile über zusätzliche Tools vorab zu aktivieren – nötig ist das aber nicht. Wer etwas Geduld hat, bekommt die Neuerung ohnehin automatisch auf seinen PC gespielt.
Eco-Modus als Falle: Windows löscht GPU-Treiber
Ein deutlich weniger erfreuliches Verhalten hat ein Reddit-Nutzer aufgedeckt. Windows 11 räumt standardmäßig ungenutzte Treiber auf, um Speicherplatz freizugeben. Das klingt sinnvoll, kann aber im ungünstigen Fall auch die dedizierte Grafikkarte treffen – mit der Folge, dass der GPU-Treiber komplett verschwindet.
Der Ausgangspunkt: Ein Notebook vom Typ Zephyrus G14 mit einer dedizierten RTX 5070 Ti lief über mehrere Wochen im Eco-Modus. Danach war der Nvidia-Treiber weg, und die Grafikkarte tauchte nur noch als „Microsoft Basic Display Adapter“ auf – sie wurde also lediglich vom Windows-Standardtreiber angesteuert.
Warum das überhaupt passiert
Die Ursache liegt im Zusammenspiel aus Energiesparen und Systempflege. Im Eco-Modus nutzt das Notebook nur die in den Prozessor integrierte Grafikeinheit. Der diskrete Grafikchip wird komplett vom Strom getrennt und taucht dann nicht einmal mehr als PCIe-Gerät auf. Für das Betriebssystem sieht das exakt so aus, als wäre die GPU ausgebaut worden – es kann eine stromlose Karte nicht von einer physisch entfernten unterscheiden.
An diesem Punkt greift die automatische Bereinigung. Normalerweise entfernt Windows 11 ungenutzte Treiber nach 30 Tagen, doch Hersteller können diesen Wert anpassen. Im dokumentierten Fall stand er auf 15 Tage. Weil die Karte über Wochen für das System praktisch nicht existierte, wurde ihr Treiber als überflüssig eingestuft und gelöscht. Zuständig dafür ist eine Routine im Rahmen der Festplattenbereinigung.
Nachvollziehen lässt sich das über die Protokolldatei der für Installationen zuständigen Windows-API unter C:\Windows\INF\setupapi.dev.log. Ältere Versionen werden mit Zeitstempel im Dateinamen aufbewahrt. Wird ein Treiber entfernt, findet sich dort ein passender Eintrag. Über die PCIe-Hersteller-IDs lässt sich per PowerShell gezielt nach entfernten Nvidia- oder AMD-Treibern suchen.
So schaltest du das Verhalten ab
Die gute Nachricht: Das Problem lässt sich abstellen, wie Golem beschreibt. Es gibt zwei Wege:
- Registry-Eintrag anpassen: Setze den Schlüssel HKLM\SOFTWARE\Microsoft\Windows\CurrentVersion\Explorer\VolumeCaches\Device Driver Packages auf 0. Damit deaktivierst du die automatische Treiberbereinigung.
- Energiemodus wechseln: Aktiviere regelmäßig den Standardmodus der Windows-Energieverwaltung. Dann ist die dedizierte GPU zwischendurch wieder sichtbar, und der Treiber wird nicht als ungenutzt eingestuft.
In der Praxis betrifft das nur einen relativ kleinen Kreis: nämlich Besitzer von Notebooks mit dedizierter GPU, die dauerhaft im Eco-Modus arbeiten. Für die Betroffenen ist es aber ausgesprochen ärgerlich, wenn sie ohne erkennbaren Grund immer wieder den Grafiktreiber neu installieren müssen.
OneDrive Photos: erst ungefragt verteilt, jetzt versteckt
Der dritte Punkt dreht sich um eine App, die Microsoft vielen Nutzern ohne Nachfrage untergeschoben hat – und die jetzt wieder aus dem Sichtfeld verschwindet. Konkret geht es um OneDrive Photos, eine auf WebView2 basierende Client-Anwendung für Fotos.
Die App greift sowohl auf lokal gespeicherte Bilder als auch auf Dateien in der Cloud unter OneDrive.com zu. Sie durchsucht automatisch die Ordner des Rechners nach Bilddateien und erlaubt, Speicherorte manuell hinzuzufügen oder auszuschließen. Der Ressourcenhunger hielt sich in Tests in Grenzen: Der Arbeitsspeicherverbrauch lag bei unter einem Gigabyte RAM.
Ein Rollout, der zu weit ging
Das eigentliche Ärgernis war die Verteilung. OneDrive Photos landete auch auf Unternehmens-PCs, wo die App allerdings gar nicht startete. Microsoft bezeichnete diesen breit gefächerten Rollout nachträglich als Versehen. Jeff Teper von Microsoft erklärte auf der Plattform X, dass eigentlich ein neuer Fotobereich in OneDrive erprobt werden sollte – dieser Test wurde dann aber weiter ausgerollt als vorgesehen.
Besonders kritisiert wurde, dass sich die App nicht sauber wieder loswerden ließ. Ein Klick auf „Deinstallieren“ führte in die Windows-Einstellungen zum Haupt-Synchronisations-Client von OneDrive. Wer diesen entfernt, riskiert jedoch, dass Ordnerverknüpfungen im Datei-Explorer beschädigt werden und die Cloud-Synchronisation abbricht. Die separate Entfernung nur der Foto-Komponente war schlicht nicht vorgesehen.
Was Microsoft jetzt macht
Als Zwischenlösung hat Microsoft die App aus der Oberfläche entfernt, wie Golem berichtet. In Windows 11 und Windows 10 taucht OneDrive Photos nicht mehr in den App-Listen des Startmenüs und in den Ergebnissen der Windows-Suche auf. Installiert bleibt sie aber weiterhin: Über den Installationsordner lässt sich die Datei Onedrive.App.exe nach wie vor direkt ausführen.
Im Admin-Portal hat das Unternehmen angekündigt, Steuerelemente nachzureichen, mit denen sich die Photos-Funktion unabhängig vom OneDrive-Hauptprogramm entfernen lässt. Diese Trennung soll die Dateisynchronisierung und bestehende Fotos unberührt lassen. Parallel bleibt die reguläre Fotos-App bestehen: Windows Photos bietet laut Microsoft weiterhin die Wahl zwischen lokalen und Cloud-Fotos sowie die Option, OneDrive zu nutzen oder darauf zu verzichten.
Sicherheit: BSI meldet mehrere Windows-Schwachstellen
Neben Funktionen und Aufräum-Nebenwirkungen gibt es auch eine Sicherheitsmeldung. Der CERT-Bund des BSI stuft mehrere Schwachstellen in Windows-Diensten als mittel ein. Betroffen ist eine breite Palette an Systemen: Windows 10 und Windows 11 ebenso wie die Server-Varianten von 2012 R2 über 2016, 2019 und 2022 bis hin zu Windows Server 2025. Auch Microsoft Windows Remote Help und die Windows-App für Mac stehen auf der Liste.
Laut der Warnung des BSI kann ein Angreifer die Lücken ausnutzen, um Administratorrechte zu erlangen, Spoofing-Angriffe durchzuführen, vertrauliche Informationen offenzulegen oder einen Denial-of-Service-Zustand auszulösen. Das ist ein breites Schadensspektrum, auch wenn die Einstufung nicht in den kritischen Bereich fällt. Die praktische Konsequenz ist simpel und altbekannt: Sicherheitsupdates zeitnah einspielen, statt sie aufzuschieben.
Microsoft 365 Copilot rückt bei Admins in den Fokus
Parallel zu den Endnutzer-Themen zeigt sich, wie stark Microsoft seine KI-Assistenten in den Arbeitsalltag drückt. Bei heise laufen aktuell Schulungsangebote rund um Microsoft 365 Copilot, die verdeutlichen, welche Fragen im professionellen Umfeld inzwischen anstehen: Lizenzierung, Update-Kanäle, Netzwerkanforderungen sowie die Anbindung an Dienste wie Exchange, OneDrive, SharePoint und Teams samt Zusammenspiel mit Entra ID.
Ein iX-Workshop für IT-Administratoren behandelt vor allem die datenschutzkonforme Implementierung, während ein weiterer heise-academy-Classroom die Entwicklung von Agents mit Copilot Studio und Foundry in den Mittelpunkt stellt. Der Trend ist eindeutig: Aus dem einfachen Chatbot ist ein Werkzeug geworden, das Aufgaben eigenständig übernimmt und unternehmensweit skaliert werden soll – mit allen Begleitthemen wie Zero-Trust, Governance und Betrieb.
Für Privatnutzer ist das erst einmal nur Kontext. Es zeigt aber, in welche Richtung Microsoft Windows und die Microsoft-365-Welt entwickelt: KI-Funktionen werden tiefer verankert, und Administratoren müssen zunehmend abwägen, welche Automatismen sie zulassen – was direkt an die OneDrive-Photos-Episode anknüpft.
Was bedeutet das für dich?
Die vier Themen betreffen unterschiedliche Nutzergruppen, aber für die meisten gilt: abwarten, updaten und bei Bedarf gezielt eingreifen. Konkret heißt das:
- Speed-Boost genießen, nicht erzwingen: Das Low Latency Profile kommt mit dem August-Update automatisch. Prüfe unter Einstellungen, ob KB5121003 installiert ist. Ist es noch nicht da, warte den wellenweisen Rollout ab, statt mit Drittanbieter-Tools nachzuhelfen.
- Eco-Modus-Nutzer aufgepasst: Wenn du ein Notebook mit dedizierter Grafikkarte dauerhaft im Eco-Modus betreibst und immer wieder Treiberprobleme hast, deaktiviere die automatische Treiberbereinigung über den Registry-Schlüssel oder wechsle regelmäßig in den Standard-Energiemodus.
- Treiber-Löschungen prüfen: Bei Verdacht kannst du in C:\Windows\INF\setupapi.dev*.log nach Einträgen zu entfernten Nvidia- oder AMD-Treibern suchen – etwa per PowerShell über die Hersteller-IDs VEN_10DE (Nvidia) und VEN_1002 (AMD).
- OneDrive Photos in Ruhe lassen: Die App ist zwar aus Startmenü und Suche verschwunden, bleibt aber installiert. Warte auf die angekündigte separate Deinstallationsoption, statt den OneDrive-Hauptclient zu entfernen – sonst riskierst du beschädigte Ordnerverknüpfungen und unterbrochene Synchronisation.
- Sicherheitsupdates einspielen: Angesichts der vom BSI gemeldeten Schwachstellen solltest du ausstehende Windows-Updates zeitnah installieren, unabhängig davon, ob du Windows 10, Windows 11 oder eine Server-Version nutzt.
Häufige Fragen
Muss ich das Low Latency Profile selbst aktivieren?
Nein. Die Funktion ist Teil des August-Updates KB5121003 und wird automatisch an alle Nutzer verteilt. Weil der Rollout in Wellen läuft, kann es sein, dass sie bei dir noch nicht angekommen ist. Es gibt zwar Umwege über zusätzliche Tools, doch sie sind nicht nötig – etwas Geduld reicht.
Schadet die kurzzeitig hohe CPU-Auslastung meinem PC?
Nach den vorliegenden Angaben nicht. Die Leistungsspitzen dauern nur ein bis drei Sekunden. Prozessoren halten bei anderen Programmen deutlich längere Volllastphasen problemlos aus. Beim Energieverbrauch kann die Methode sogar günstiger sein, weil ein schneller Start weniger kostet als eine lange Phase mittlerer Auslastung.
Wieso ist mein Nvidia- oder AMD-Treiber plötzlich verschwunden?
Wenn du ein Notebook mit dedizierter GPU über längere Zeit im Eco-Modus betreibst, trennt Windows den Grafikchip komplett vom Strom. Das System sieht die Karte dann wie ausgebaut und stuft ihren Treiber nach 15 bis 30 Tagen als ungenutzt ein – die Festplattenbereinigung löscht ihn. Abhilfe schaffen der Registry-Eintrag oder ein regelmäßiger Wechsel in den Standard-Energiemodus.
Kann ich OneDrive Photos einfach deinstallieren?
Aktuell nicht sauber. Die App ist aus Startmenü und Suche ausgeblendet, bleibt aber auf dem System und lässt sich über Onedrive.App.exe weiter starten. Der bisherige Deinstallieren-Weg führt zum OneDrive-Hauptclient, dessen Entfernung die Synchronisation gefährdet. Microsoft hat eine separate Deinstallationsoption angekündigt, die Fotos und Sync unberührt lässt.
Wie ernst ist das aktuelle BSI-Advisory?
Der CERT-Bund stuft die Schwachstellen als mittel ein. Betroffen sind viele Windows- und Server-Versionen. Angreifer könnten unter anderem Administratorrechte erlangen, Informationen offenlegen oder Dienste lahmlegen. Kritisch ist die Einstufung nicht, dennoch solltest du verfügbare Sicherheitsupdates zügig installieren.




