Datenanalyse aller iPhone-Marktstartpreise seit 2007. Nominal plus 138 Prozent, inflationsbereinigt nur plus 65 – und seit 2020 wird der Einstieg real sogar günstiger. Pro Gigabyte kostet ein iPhone heute 93 Prozent weniger als 2007.
Gefühlt explodiert der iPhone-Preis: 399 Euro kostete das erste Modell 2007, heute sind es 949 Euro zum Einstieg – ein Plus von 138 Prozent. Rechnet man die Inflation heraus, schrumpft dieser Anstieg auf 65 Prozent. Und die eigentliche Überraschung steckt im Detail: Seit 2020 ist das günstigste iPhone real sogar billiger geworden, und pro Gigabyte Speicher ist es heute über 90 Prozent günstiger als 2007. Wir haben jeden deutschen Marktstart-Preis seit 2007 mit dem offiziellen Verbraucherpreisindex verrechnet, dazu die US-Preise, die Speicher-Aufpreise und die Modellklassen. Das Ergebnis passt in keine der üblichen Erzählungen – weder in „Apple zockt uns ab" noch in „früher war alles besser".
Vorweg, in einem Satz: Real ist auch der Einstieg teurer geworden – aber nur etwa halb so stark wie gefühlt, der eigentliche Sprung fand oben beim Spitzenmodell statt, und seit 2020 sinkt der reale Einstiegspreis sogar wieder. Warum sich das trotzdem nach Abzocke anfühlt, ist eine eigene, spannende Geschichte.
Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick
Nominal stieg der Einstiegspreis von 399 € (2007) auf 949 € (2025) – plus 138 Prozent.
Inflationsbereinigt (Kaufkraft 2025) sind das nur noch 574 € → 949 €, also plus 65 Prozent.
Seit 2020 ist der reale Einstiegspreis sogar gefallen: von rund 1.096 € (2020) auf 949 € (2025).
Pro Gigabyte kostet ein iPhone heute 3,70 € – 2007 waren es 49,90 €. Minus 93 Prozent.
In den USA liegt der Einstiegspreis seit 2020 stabil bei 799 Dollar. Der deutsche Anstieg ist zu großen Teilen Währung und Mehrwertsteuer.
Der reale Preissprung kam 2017 mit dem iPhone X – aber nur an der Spitze, nicht beim Einstieg.
Am dreistesten ist der Speicher-Aufpreis: rund 0,90 € pro Gigabyte, etwa das Zehnfache des Marktpreises.
Pro Rechenleistung ist ein iPhone seit 2017 über 75 Prozent günstiger geworden.
Die reinen Materialkosten machen nur rund 40 Prozent des Preises aus – der Rest ist aber nicht Gewinn.
Mit Inzahlungnahme zahlst du für ein Upgrade effektiv oft nur die Hälfte des Preisschilds.
Die Kernfrage: gefühlter Preis gegen echten Preis
Ein Preis von 2007 lässt sich nicht direkt mit einem von 2025 vergleichen. 399 Euro waren vor 18 Jahren schlicht mehr wert – man konnte mehr dafür kaufen. Um Preise über die Zeit ehrlich zu vergleichen, muss man sie auf dieselbe Kaufkraft umrechnen. Genau das zeigt die folgende interaktive Grafik: Fahr mit der Maus über die Jahre – die rote Linie ist der Preis, den man damals tatsächlich bezahlt hat, die blaue derselbe Preis in heutiger Kaufkraft.
Der iPhone-Einstiegspreis: gefühlt vs. inflationsbereinigt
Günstigstes iPhone zum Marktstart in Deutschland, in Euro. Real = Kaufkraft von 2025.
Man sieht sofort: In echter Kaufkraft war das iPhone schon 2010 bei über 870 Euro – gefühlt ein „günstiges" iPhone, real fast so teuer wie heute. Der reale Einstiegspreis kletterte bis 2020 auf rund 1.096 Euro und ist seitdem wieder gesunken. Der große, dramatische Aufwärtstrend, den alle im Kopf haben, ist zu einem guten Teil einfach – Inflation.
Der Punkt, den fast alle übersehen: seit 2020 wird der Einstieg real billiger
Das ist die eigentliche Nachricht dieser Auswertung. Zwischen 2020 und 2025 ist der Nominalpreis des Einstiegsmodells nur um 50 Euro gestiegen (899 auf 949 Euro) – während die Preise für alles andere im Laden um über 20 Prozent nach oben gingen. Real bedeutet das ein Minus von rund 13 Prozent. Apple hat den Einstiegspreis in einer Hochinflationsphase praktisch eingefroren, und ein eingefrorener Preis ist bei hoher Inflation eine stille Preissenkung.
Das heißt nicht, dass Apple plötzlich großzügig geworden wäre. Es heißt, dass die Schlagzeile „iPhone wird immer teurer" für das Einstiegsmodell seit einigen Jahren schlicht nicht mehr stimmt.
Was du fürs Geld bekommst: der wahre Preisverfall
Preis ist nur die halbe Wahrheit – die andere Hälfte ist, was man dafür bekommt. Das erste iPhone hatte 8 Gigabyte Speicher, das iPhone 17 startet bei 256. Rechnet man den Preis auf den Speicher um, kippt das Bild vollständig:
Was ein iPhone pro Gigabyte kostet
Einstiegspreis geteilt durch den Basis-Speicher – der stille Preisverfall.
2007 zahlte man umgerechnet fast 50 Euro pro Gigabyte, 2025 sind es 3,70 Euro. Die beiden großen Sprünge nach unten kamen 2016 (das iPhone 7 verdoppelte den Basisspeicher auf 32 GB) und 2021 (128 GB Standard). 2025 hat Apple den Einstiegsspeicher auf 256 GB verdoppelt – zum selben Preis. Wer nur auf die 949 Euro schaut, übersieht, dass er dafür 32-mal so viel Speicher bekommt wie der Käufer des ersten iPhone.
Noch krasser: der Preis pro Rechenleistung
Speicher ist nur ein Teil. Noch dramatischer wird der Wertzuwachs bei der reinen Rechenleistung. Nimmt man den Geekbench-6-Multi-Core-Wert als Maß und teilt den Einstiegspreis dadurch, kostet ein „Rechenpunkt" heute nur noch einen Bruchteil von früher:
Einstiegsmodell
Geekbench 6 (Multi)
Preis
€ pro 1.000 Punkte
iPhone 8 (2017)
1.595
799 €
501 €
iPhone 11 (2019)
3.513
799 €
227 €
iPhone 13 (2021)
5.189
899 €
173 €
iPhone 15 (2023)
6.315
949 €
150 €
iPhone 17 (2025)
~8.340
949 €
114 €
Geekbench-6-Multi-Core-Scores der jeweiligen Einstiegsmodelle (Größenordnung; Quelle: Geekbench). Preis pro 1.000 Punkte = Kaufpreis geteilt durch den Score.
Für praktisch denselben realen Preis bekommst du heute rund die fünffache Rechenleistung des iPhone 8 von 2017 – der Preis pro Rechenpunkt ist um über 75 Prozent gefallen. Zusammen mit dem Speicher-Effekt heißt das: Wer aufs Preisschild schaut, sieht einen Anstieg; wer auf die Gegenleistung schaut, sieht den größten Preisverfall der iPhone-Geschichte.
Alle Daten im Überblick
Zum Nachrechnen und Weiterverwenden hier die komplette Reihe: der deutsche Marktstart-Preis des jeweils günstigsten iPhone, nominal, inflationsbereinigt auf 2025 und umgerechnet auf den Preis pro Gigabyte Basisspeicher.
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Einstiegsmodell
Nominal
Real (2025)
USA ($)
Pro Max real
€/GB
2025
iPhone 17
949 €
949 €
799 $
1.449 €
3,70 €
2024
iPhone 16
949 €
970 €
799 $
1.481 €
7,40 €
2023
iPhone 15
949 €
991 €
799 $
1.514 €
7,40 €
2022
iPhone 14
999 €
1.105 €
799 $
1.603 €
7,80 €
2021
iPhone 13
899 €
1.063 €
799 $
1.477 €
7,00 €
2020
iPhone 12
899 €
1.096 €
799 $
1.523 €
14,00 €
2019
iPhone 11
799 €
979 €
699 $
1.530 €
12,50 €
2018
iPhone XR / XS Max
849 €
1.055 €
749 $
1.552 €
13,30 €
2017
iPhone 8 / X
799 €
1.010 €
699 $
1.453 €
12,50 €
2016
iPhone 7
759 €
974 €
649 $
1.154 €
23,70 €
2015
iPhone 6s
739 €
953 €
649 $
1.095 €
46,20 €
2014
iPhone 6
699 €
906 €
649 $
1.036 €
43,70 €
2013
iPhone 5s
699 €
915 €
–
915 €
43,70 €
2012
iPhone 5
679 €
903 €
–
903 €
42,40 €
2011
iPhone 4s
629 €
852 €
–
852 €
39,30 €
2010
iPhone 4
629 €
870 €
–
870 €
39,30 €
2009
iPhone 3GS
519 €
726 €
–
726 €
32,40 €
2007
iPhone
399 €
574 €
–
574 €
49,90 €
Nominal = Marktstart-Preis. Real = Kaufkraft 2025. USA = Einstiegspreis (ab 2014 vergleichbar). Quellen am Artikelende.
Die iPhone-Preisgeschichte in vier Epochen
Wer die Zahlen von 2007 bis 2025 durchgeht, erkennt vier klar unterscheidbare Phasen – jede mit ihrer eigenen Preislogik.
2007–2011: Die Vertrags-Ära
Das erste iPhone kostete 399 Euro (real 574 Euro), war in Deutschland aber exklusiv an einen Telekom-Vertrag gebunden – ein direkter Preisvergleich hinkt hier also. Es folgten das 3GS (519 Euro), das iPhone 4 (629 Euro) und das 4s (629 Euro). Real bewegten sich diese Geräte zwischen 574 und 870 Euro. Der niedrige Nominalpreis täuscht: Kaufkraftbereinigt war schon das iPhone 4 mit 870 Euro kein Schnäppchen.
2012–2016: Die ruhigen Jahre
Fünf Generationen lang stieg der Preis kaum: iPhone 5 (679 Euro), 5s (699 Euro), 6 (699 Euro), 6s (739 Euro), 7 (759 Euro). Nominal ein sanfter Anstieg, real erstaunlich flach – die Geräte pendelten zwischen 903 und 974 Euro in heutiger Kaufkraft. Es war die Ära „ein iPhone für alle": ein Modell, ein Preis, jedes Jahr ein bisschen besser. Genau diese Phase prägt bis heute die Erinnerung an das „günstige" iPhone – obwohl es real schon fast 1.000 Euro wert war.
2017–2018: Der Bruch mit dem iPhone X
2017 riss Apple die Preisstruktur auf. Neben dem iPhone 8 (799 Euro, real 1.010 Euro) stand plötzlich das iPhone X für 1.149 Euro – real über 1.450 Euro und damit rund 300 Euro teurer als jedes iPhone zuvor. 2018 verfestigte sich das Muster: ein günstigeres XR (849 Euro) neben einem XS Max für 1.249 Euro (real über 1.550 Euro). Ab hier gab es nicht mehr „das iPhone", sondern eine Preisspanne.
2019–2025: Die Reife
Überraschung 2019: Mit dem iPhone 11 zog Apple den Einstieg wieder auf 799 Euro herunter. Danach pendelte er sich bei rund 899 bis 949 Euro ein – der 999-Euro-Ausreißer 2022 war dem schwachen Euro geschuldet und wurde 2023 teilweise zurückgenommen. Real ist der Einstieg in dieser Phase sogar gesunken. Die Preissteigerung fand ausschließlich oben statt: Das Pro Max kletterte bis 2022 auf real über 1.600 Euro. 2025 verdoppelte Apple beim iPhone 17 den Einstiegsspeicher auf 256 GB – zum gleichen Preis.
Woher das „teuer"-Gefühl kommt: der iPhone-X-Moment
Wenn der Einstieg real so viel langsamer stieg als das Spitzenmodell – warum sind sich dann alle so sicher, dass das iPhone explodiert ist? Die Antwort heißt iPhone X. 2017 brachte Apple neben dem iPhone 8 (799 Euro) erstmals ein Modell für 1.149 Euro. Real waren das über 1.450 Euro – ein Sprung von rund 300 Euro gegenüber dem Vorjahres-Spitzenmodell, praktisch über Nacht. Seither fächert sich die Preisspanne immer weiter auf, wie die folgende Grafik zeigt (Serien lassen sich per Klick ein- und ausblenden):
Einstieg, Pro und Pro Max – inflationsbereinigt
Realpreis (2025) der drei Klassen. Nach oben zieht die Preisspanne immer weiter auf.
Die Pro- und Pro-Max-Linie erzählt die Geschichte, die im Kopf hängen bleibt: der Aufstieg zum 1.000-plus-Gerät. Die Einstiegslinie erzählt die Geschichte, die kaum jemand kennt: Sie stieg real bis etwa 2020 – aber viel langsamer als die Spitze – und ist seitdem sogar rückläufig. Die 1.000-Euro-Marke, die über jeder iPhone-Vorstellung schwebt, gehört zum Pro – nicht zum Einstieg.
USA vs. Deutschland: Als der Euro schuld war, nicht Apple
Ein Blick über den Atlantik entlarvt einen weiteren Denkfehler. In den USA kostet das Einstiegs-iPhone seit 2020 unverändert 799 Dollar – fünf Generationen lang derselbe Preis. In Deutschland stieg der Preis im selben Zeitraum von 899 auf zeitweise 999 Euro. Woran liegt das, wenn es dasselbe Gerät ist?
USA vs. Deutschland: derselbe Chip, ein anderer Preis
Einstiegspreis nominal: in den USA in Dollar, in Deutschland in Euro (inkl. MwSt.).
Zwei Währungen – entscheidend ist die Form: In den USA seit 2020 stabil bei 799 $, in Deutschland bewegt.
Zwei Gründe, die nichts mit Gier zu tun haben. Erstens die Mehrwertsteuer: US-Preise werden ohne Steuer ausgewiesen, deutsche mit 19 Prozent. Zweitens der Wechselkurs: Der große deutsche Preissprung 2022 (iPhone 14 für 999 Euro) fiel genau in die Phase, in der der Euro unter die Dollar-Parität rutschte. Als sich der Euro erholte, senkte Apple den deutschen Preis 2023 wieder um 50 Euro – während der Dollar-Preis stabil blieb. Wer Apple den 2022er-Aufschlag allein ankreidet, verwechselt Währungspolitik mit Preispolitik.
In den USA ist das iPhone real sogar deutlich günstiger geworden
Der eingefrorene US-Preis hat eine Konsequenz, die kaum jemand ausspricht. Wenn der Nominalpreis fünf Jahre lang bei 799 Dollar steht, während die US-Inflation zwischen 2021 und 2023 heiß lief, dann sinkt der reale Preis – und zwar deutlich.
USA: Auch dort wird der Einstieg real billiger
US-Einstiegspreis nominal (seit 2020 bei 799 $) und inflationsbereinigt auf die Kaufkraft von 2025 (US-CPI).
In heutiger Kaufkraft kostete das US-Einstiegsmodell 2020 rund 994 Dollar, 2025 sind es real nur noch 799 Dollar – ein Rückgang von etwa 20 Prozent in fünf Jahren. Der Effekt ist sogar stärker als in Deutschland, weil Apple den Dollar-Preis nominal gar nicht angehoben hat. Für amerikanische Käufer ist das iPhone real also spürbar billiger geworden. Das passt so gar nicht zur weltweiten „immer teurer"-Erzählung – ist aber genau das, was die Zahlen hergeben.
Wo die „Apple zockt ab"-These wirklich stimmt: der Speicher-Aufpreis
Es gibt einen Punkt, an dem sich Apple den Vorwurf redlich verdient – und er hat mit dem Grundpreis nichts zu tun. Für mehr Speicher verlangt Apple pro Stufe einen saftigen Aufschlag, und rechnet man ihn auf das zusätzliche Gigabyte um, wird es unangenehm:
Speicherstufe
Zusätzliche GB
Aufpreis
€ pro zusätzlichem GB
128 → 256 GB
128 GB
120 €
0,94 €
256 → 512 GB
256 GB
230 €
0,90 €
512 GB → 1 TB
512 GB
230 €
0,45 €
Aufpreise der aktuellen Apple-Generation (Deutschland). Zum Vergleich: Flash-Speicher kostet im Handel nur wenige Cent pro Gigabyte.
Rund 0,90 Euro pro Gigabyte – während dieselbe Menge Flash-Speicher im freien Handel nur wenige Cent kostet. Apple nimmt hier also ungefähr das Zehnfache des Marktpreises. Das ist die eine Stelle, an der die Empörung berechtigt ist: nicht der Einstiegspreis, sondern der Aufpreis, wenn du mehr Speicher willst. Der Basispreis ist fair kalkuliert – die Marge holt sich Apple bei den Upgrades. Wer clever kauft, nimmt lieber das Einstiegsmodell mit genug Speicher als aus Angst die nächstgrößere Stufe.
Was kostet ein iPhone in der Herstellung – und was ist Marge?
Kaum ein Wert wird so gern zitiert wie „Apple verdient 80 Prozent pro iPhone". Teardown-Analysen, die ein iPhone in seine Einzelteile zerlegen und die Bauteile bepreisen, zeichnen ein differenzierteres Bild. Die geschätzten Materialkosten im Verhältnis zum US-Preis:
Modell
Materialkosten (geschätzt)
US-Preis
Materialanteil
iPhone (2007)
~218 $
499 $
44 %
iPhone X (2017)
~370 $
999 $
37 %
iPhone 11 Pro Max (2019)
~451 $
1.099 $
41 %
iPhone 15 Pro Max (2023)
~453 $
1.199 $
38 %
iPhone 16 (2024)
~416 $
799 $
52 %
iPhone 16 Pro Max (2024)
~485 $
1.199 $
40 %
Geschätzte Materialkosten (Bill of Materials) aus Teardown-Analysen. Nur Bauteile – ohne Entwicklung, Software, Montage, Marketing und Vertrieb.
Die reinen Bauteile machen also grob 40 Prozent des Verkaufspreises aus – über die Jahre erstaunlich stabil. Der Rest ist aber nicht einfach Gewinn: In diese Spanne fallen die Entwicklung des Chips, Jahre an iOS-Softwarearbeit, Montage, Logistik, Marketing, Ladenmieten und der Handel. Apples tatsächliche Bruttomarge auf Hardware liegt bei rund 37 Prozent, die Konzern-Nettomarge bei etwa 25 Prozent. Teuer in der reinen Herstellung ist ein iPhone nicht – aber die populäre „80 Prozent Gewinn"-Zahl ist ein Mythos, der Materialkosten mit Gewinn verwechselt.
Das teuerste iPhone aller Zeiten
Das absolute Spitzengerät ist derzeit das iPhone 17 Pro Max mit 2 TB Speicher – Apple ruft dafür rund 2.200 Euro auf. Das ist tatsächlich das teuerste iPhone, das es je gab: mehr als das Fünffache des ersten iPhone. Doch auch dieser Rekord relativiert sich, wenn man genau hinschaut.
Denn der Preis wird fast vollständig vom Speicher getrieben. Das Pro Max startet bei 1.449 Euro – die restlichen rund 750 Euro sind der Aufpreis für 1,75 Terabyte zusätzlichen Speicher, dieselbe fette Speicher-Marge wie zuvor beschrieben. Und selbst an der Spitze gilt die Inflationsregel: Das maximal ausgestattete iPhone 14 Pro Max mit 1 TB kostete 2022 schon rund 2.100 Euro. Real, in heutiger Kaufkraft, war dieses Modell teurer als das aktuelle Top-iPhone. Auch ganz oben ist „immer teurer" also nicht die ganze Wahrheit – es ist vor allem „immer mehr Speicher".
Wo ist das iPhone am teuersten? Der Ländervergleich
Derselbe Chip, dasselbe Gerät – aber je nach Land ein völlig anderer Preis. Ein aktueller Vergleich des iPhone 17 (Einstieg, 256 GB) zeigt, wie stark Steuern und Wechselkurse durchschlagen:
Land
Preis (lokal)
ungefähr in Euro
Anmerkung
USA
799 $
~735 €
ohne Verkaufssteuer ausgewiesen – günstigster großer Markt
Japan
129.800 ¥
~800 €
oft der günstigste Markt überhaupt
Indien
82.900 ₹
~870 €
trotz hoher Einfuhrabgaben
Großbritannien
799 £
~920 €
inkl. Steuer
Deutschland
949 €
949 €
inkl. 19 % Mehrwertsteuer
Türkei
—
über 1.600 €
mehr als das Doppelte des US-Preises – teuerster Markt
iPhone 17 (256 GB), Marktstart-Preise 2025. Euro-Umrechnung gerundet und wechselkursabhängig – als Größenordnung zu verstehen. Quelle u. a. Deutsche-Bank-Auswertung / Euronews.
Deutschland liegt damit im oberen Mittelfeld – teurer als USA und Japan, günstiger als die Türkei. Der Hauptgrund ist selten Apple-Willkür, sondern die lokale Steuer plus Wechselkurs. Wer im Urlaub ein iPhone „günstig" kaufen will, spart am ehesten in Japan oder den USA – muss dann aber Garantie- und Steuerfragen bedenken.
Wie viele Arbeitstage kostet ein iPhone?
Es gibt eine Messlatte, die den nackten Preis relativiert: die eigene Arbeitszeit. Heute kostet das Einstiegs-iPhone (949 Euro) rund ein Fünftel eines durchschnittlichen Brutto-Monatsverdienstes eines Vollzeitbeschäftigten – der lag 2024 laut Statistischem Bundesamt bei etwa 4.700 Euro. Umgerechnet sind das grob vier Arbeitstage.
Ein sauberer Jahr-für-Jahr-Vergleich mit 2007 ist hier bewusst nicht möglich: Das Statistische Bundesamt hat die Verdienststatistik 2022 methodisch umgestellt, eine durchgehende Reihe würde einen Serienbruch verschleiern. Die grobe Richtung lässt sich aber benennen: Die iPhone-Nominalpreise stiegen seit 2007 mit plus 138 Prozent deutlich stärker als die deutschen Bruttolöhne, die im selben Zeitraum grob um die Hälfte zulegten. In reiner Arbeitszeit ist das Einstiegsmodell also spürbar teurer geworden – in einer ähnlichen Größenordnung wie in der Inflationsrechnung. Egal welchen Maßstab man wählt, allgemeine Kaufkraft oder Lohnentwicklung: Der reale Anstieg ist real da, aber nur etwa halb so groß, wie die nackten 138 Prozent vermuten lassen – und er fand vor allem bis 2020 statt.
iPhone vs. der Rest: Einordnung in die allgemeine Teuerung
Zum Schluss der Vergleich, der die 138 Prozent einordnet. Die allgemeine Teuerung in Deutschland – gemessen am Verbraucherpreisindex – liegt seit 2007 bei rund 44 Prozent. Der iPhone-Einstieg stieg nominal um 138 Prozent, also spürbar stärker als der Durchschnitt; genau deshalb bleibt real ein Plus von 65 Prozent.
Ein Ausreißer nach oben ist das aber nicht. Viele langlebige und alltägliche Posten legten ähnlich oder stärker zu: Super-Benzin kletterte von rund 1,35 Euro (2007) auf über 1,80 Euro pro Liter, Brot und Getreideprodukte verteuerten sich vor allem seit 2022 um mehr als 40 Prozent, und Neuvertragsmieten in Ballungsräumen stiegen teils um 50 bis 80 Prozent. Der entscheidende Unterschied: Fürs teurere iPhone bekommst du auch ein Vielfaches an Rechenleistung und Speicher – beim Liter Benzin oder beim Laib Brot nicht. Ein iPhone von 2007 und eines von 2025 tragen denselben Namen, sind aber grundverschiedene Geräte. Genau das macht den reinen Preisvergleich so tückisch.
Und Android? Der Preis ist nur die halbe Rechnung
Ein Preisvergleich mit Android greift zu kurz, wenn man nicht mitrechnet, wie lange man ein Gerät nutzen kann. Genau hier hat sich viel getan: Samsung und Google liefern für ihre Top-Modelle inzwischen sieben Jahre Updates – ähnlich lang wie Apple. Über die gesamte Modellpalette bleibt Apple bei der Update-Dauer aber vorn, und lange Update-Versorgung senkt den Preis pro Nutzungsjahr enorm. Wie lange dein iPhone versorgt wird, zeigt unser iPhone-Update-Ratgeber, den persönlichen Check machst du mit dem iPhone-Update-Check.
Der ehrlichste Preis: Kosten pro Nutzungsjahr
Es gibt eine Kennzahl, die den Kaufpreis fast bedeutungslos macht: der Preis pro Jahr, das du das Gerät wirklich nutzt. Das erste iPhone bekam nur rund zwei bis drei Jahre lang Updates – 399 Euro auf drei Jahre sind etwa 133 Euro pro Jahr. Ein iPhone 17 für 949 Euro wird voraussichtlich sieben Jahre versorgt – das sind rund 136 Euro pro Jahr.
Mit anderen Worten: Pro genutztem Jahr kostet ein iPhone heute praktisch genauso viel wie 2007 – bei einem Vielfachen an Leistung, Speicher und Lebensdauer. Der Preissprung, über den sich alle aufregen, verschwindet fast vollständig, sobald man ihn auf die deutlich längere Nutzungsdauer verteilt. Genau deshalb ist die wichtigste Spar-Entscheidung nicht der Kaufpreis, sondern wie lange du das Gerät behältst.
Der Preis, den kaum jemand rechnet: mit Inzahlungnahme
Die 949 Euro auf dem Preisschild zahlt fast niemand wirklich – zumindest nicht, wer sein altes Gerät in Zahlung gibt. Apples Trade-in-Programm zieht den Restwert direkt vom Neupreis ab. Aktuelle Höchstwerte in Deutschland (bestes Modell, top Zustand):
Altgerät
Apple Trade-in (bis zu)
iPhone 15 Pro Max
770 €
iPhone 15 Pro
680 €
iPhone 15
515 €
iPhone 14 Pro Max
615 €
iPhone 14
405 €
iPhone 13
300 €
Apple-Inzahlungnahme Deutschland (Stand 2025), jeweils „bis zu"-Werte für das Modell mit dem meisten Speicher in einwandfreiem Zustand.
Konkret heißt das: Wer vom iPhone 15 auf ein iPhone 17 (949 Euro) wechselt, zahlt nach Inzahlungnahme effektiv nur noch rund 434 Euro. Beim Pro-Max-Wechsel (1.449 Euro minus 770 Euro fürs 15 Pro Max) bleiben rund 680 Euro. Der „echte" Preis eines iPhone-Upgrades ist also oft nur die Hälfte des Preisschilds.
Ein Haken bleibt: Apples Trade-in-Werte fallen meist niedriger aus als der Privatverkauf. Wer etwas Aufwand nicht scheut, bekommt für ein gepflegtes iPhone 15 auf dem Gebrauchtmarkt oft 50 bis 150 Euro mehr als Apples Gutschrift – dafür ist die Inzahlungnahme bequemer und sofort.
Warum es sich trotzdem teurer anfühlt
Die Zahlen sagen das eine, das Bauchgefühl das andere – und beide haben ihre Gründe. Vier Effekte sorgen dafür, dass wir das iPhone als immer teurer wahrnehmen:
Die Pro-Isierung. Apple bewirbt und zeigt bevorzugt die teuren Modelle. Die Schlagzeile ist der Pro-Max-Preis, nicht der Einstieg.
Das 1.000-Euro-Schild. Seit dem iPhone X gibt es ein Modell jenseits der 1.000 Euro. Diese Marke bleibt hängen, egal was der Einstieg kostet.
Das billige Modell ist weg. Mit dem Ende der mini- und der klassischen SE-Reihe fehlt der ganz günstige Anker. Wer neu kauft, startet gefühlt „oben".
Raten und Vergleich. Finanzierung über 24 Monate macht die Summe abstrakt, und das iPhone ist längst ein Statusgut, dessen Preis emotional verhandelt wird.
Was das für deinen nächsten Kauf bedeutet
Das Einstiegsmodell ist das beste Preis-Leistungs-Verhältnis, das Apple je hatte – gemessen an Speicher und Leistung pro Euro.
Beim Speicher lieber einmal richtig, aber nicht aus Panik zwei Stufen höher. Der Aufpreis ist der teuerste Teil des ganzen Geräts.
Der wahre Spar-Hebel ist die Nutzungsdauer. Wer sein iPhone sechs bis acht Jahre nutzt, drückt den Preis pro Jahr weit stärker als jeder Rabatt.
Fazit: Wird das iPhone wirklich teurer?
Nominal ja, deutlich – plus 138 Prozent. Real bleibt ein Anstieg von rund 65 Prozent, also nur die Hälfte des gefühlten – und beim Einstiegsmodell ist der Preis seit 2020 sogar wieder gefallen. Was am stärksten teurer geworden ist, sind das Spitzenmodell (seit dem iPhone X) und der Aufpreis für mehr Speicher. Der Rest ist zu großen Teilen Inflation, ein schwacher Euro und clevere Produktinszenierung. Das iPhone ist nicht das Paradebeispiel für Preisexplosion, für das es viele halten – es ist eher ein Lehrstück darüber, wie sehr sich gefühlter und echter Preis unterscheiden können.
Kurz beantwortet
Häufige Fragen
Wie viel kostete das erste iPhone in Deutschland?
Das erste iPhone startete 2007 bei 399 Euro (8 GB), damals gekoppelt an einen Telekom-Vertrag. In heutiger Kaufkraft entspricht das rund 574 Euro.
Ist das iPhone real teurer geworden?
Beim Einstiegsmodell nur moderat: real plus 65 Prozent seit 2007, seit 2020 sogar leicht gefallen. Deutlich teurer wurde das Spitzenmodell, vor allem mit dem iPhone X 2017.
Warum war das iPhone 14 in Deutschland teurer als in den USA?
Vor allem wegen des schwachen Euro 2022 und der enthaltenen Mehrwertsteuer. In den USA blieb der Dollar-Preis stabil bei 799 Dollar, in Euro stieg er – und sank 2023 teilweise wieder.
Warum verlangt Apple so viel für mehr Speicher?
Der Aufpreis liegt bei rund 0,90 Euro pro Gigabyte, während Flash-Speicher im Handel nur Cent-Beträge kostet. Hier holt sich Apple einen großen Teil seiner Marge – anders als beim vergleichsweise fair kalkulierten Grundpreis.
Welches iPhone hatte das beste Preis-Leistungs-Verhältnis?
Gemessen am Preis pro Gigabyte und an der Leistung ist das jeweils aktuelle Einstiegsmodell so günstig wie nie. 2025 kostet ein iPhone 3,70 Euro pro GB – 2007 waren es fast 50 Euro.
Kostet ein iPhone mehr Arbeitszeit als früher?
Tendenziell ja: Die Nominalpreise stiegen stärker als die Löhne. Real ist der Einstieg rund 65 Prozent teurer als 2007, gemessen an der Lohnentwicklung in ähnlicher Größenordnung – beides deutlich weniger als die nominalen 138 Prozent. Ein exakter Jahresvergleich ist wegen der 2022 geänderten Verdienststatistik nicht seriös möglich.
Martin Frost ist Gründer und Herausgeber von TechPill. Er schreibt über Smartphones, Apps, digitale Dienste und verständliche Lösungen für den Technik-Alltag.
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